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Theater Willisau: Eine Begegnung rüttelt am alten Trauma

Im neuen Stück «Der Sandmann» des Theaters Willisau gehen Düsterheit und Skurrilität Hand in Hand. Das Premierenpublikum hatte einen Mordsspass.
Yvonne Imbach
Das Bühnenbild zu «Der Sandmann» kombiniert Vergangenheit und Moderne. (Bild: Pius Amrein, Willisau, 23. Oktober 2019)

Das Bühnenbild zu «Der Sandmann» kombiniert Vergangenheit und Moderne. (Bild: Pius Amrein, Willisau, 23. Oktober 2019)

Das Theater Willisau widmet sich in seiner neuen Produktion E.T.A. Hoffmanns 1816 erschienenen Erzählung «Der Sandmann». Ihre Version der düster-romantischen Geschichte rund um den sensiblen und fantasievollen Studenten Nathanael hat dem Premierenpublikum am Freitagabend nicht nur den einen oder anderen Schauer über den Rücken gejagt, sondern zeugt auch von feinem schwarzen Humor.

Der Mordsspass kam sehr gut an, langer Schlussapplaus war die verdiente Anerkennung an das ganze Ensemble.

Die 100. Produktion für Musiker Christov Rolla

Verantwortlich für die Produktion ist ein professionelles und bewährtes Künstlerensemble. Regisseur Robin Andermatt wurde von Christine Schmocker in der Entwicklung und Dramaturgie unterstützt. Den Sandmann zum Klingen bringt Komponist und Musiker Christov Rolla, der mit diesem Stück seine 100. Produktion feierte und mit Torte und Glückwünschen überrascht wurde. Mit Lino Amati (Bühnenbild), Ems Troxler (Kostüme) und Beat Auer (Licht) haben erfahrene Theaterschaffende die Entwicklung des Stücks glanzvoll bereichert.

Die Rolle des Nathanael wird von drei Personen gespielt. «Die Vielschichtigkeit der Figur hat sich für diese Entscheidung angeboten», erklärt Regisseur Robin Andermatt.

Zur Geschichte: Nathanael stürzt herein und berichtet von seinem Kindheitstrauma. Vor dem Einschlafen sei ihm damals der Sandmann erschienen, in dem er den Mörder seines Vaters zu erkennen glaubte. Nun sei er einem Alchimisten begegnet, der, wovon er fest überzeugt sei, mit diesem Sandmann identisch ist. Düstere Visionen und die Liebe zu zwei Frauen ziehen ihn einen Sog aus Realität und Fiktion, aus dem es kein Entkommen gibt.

Trotz krudem Mix reizvoll

Die Bühne besteht aus zwei Ebenen: Während auf Baustellen-Stützen oben die Band, Computer und andere technische Gadgets aus der heutigen Zeit eine futuristische Wirkung haben, bilden die Kostüme aus der Romantik die Vergangenheit ab. Diese Durchmischung findet sich auch in der Sprache wieder. Trotz krudem Mix ist das Resultat reizvoll, überraschend und herrlich skurril. Und warum Kartoffeln so facettenreich wie nirgends sonst geschält werden, muss man selbst anschauen gehen. Der Theaterabend wird zu einem nachwirkenden Genuss. So wird man gerne um den Schlaf gebracht. Entweder, weil man in der folgenden Nacht den Besuch des Sandmanns fürchtet. Oder, weil die Inszenierung und die Erinnerung an die grandios agierenden Spieler wach halten.

Hinweis: Aufführungen bis 22. November im Kulturraum i der Sänti, Willisau. Tickets: Tel. 041 970 14 34 (Papeterie Imhof, Willisau) oder unter www.theater.willisau.ch.

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