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Luzerner Astrophysiker: Eine Reise durch die Galaxis ist für ihn ein Katzensprung

Marc Horat (33) ist Leiter des Planetariums im Verkehrshauses. Während des Interviews lud uns der Luzerner ein, in seinem Reich durchs Universum zu reisen. Wir umkreisten zuerst einen Mond des Saturns und erlebten auf dem Rückweg die Landung des Mars Rovers «Curiosity» praktisch vor Ort auf dem roten Planeten.
Interview: Roger Rüegger
Marc Horat ist Astrophysiker und Leiter des Planetariums im Verkehrshaus Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 12. Juni 2018)

Marc Horat ist Astrophysiker und Leiter des Planetariums im Verkehrshaus Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 12. Juni 2018)

Marc Horat, warum sollte jemand zu Ihnen ins Planetarium kommen, wenn wir den Sternenhimmel doch jeden Abend über uns sehen können?

Weil wir die Sterne im Planetarium schöner zeigen können. Die sind in der Schweiz nirgends so gut sichtbar wie bei uns. Zudem geben wir Informationen und Auskunft über Sterne, Planeten und Galaxien und wir bieten auch Reisen ins Universum an.

Was meinen Sie mit: eine Reise ins Universum?

Im Planetarium sitzt man praktisch in einem Raumschiff. Wir simulieren Reisen zu anderen Planeten, Sternen und Galaxien. Wo wollen Sie hin?

Äh, zum Saturn?

Wir haben viele Möglichkeiten und binden die Besucher gerne mit ein. Sie befinden sich eigentlich in einem ein Sternentheater.

Marc Horat steuert am Computer den Saturn an. Man erlebt dies als Besucher unter der Kuppel des Planetariums tatsächlich, wie wenn man physisch durchs Universum fliegen würde.

Die Sterne sind faszinierend. Und doch sehen wir in echt nur einzelne Punkte am Himmel. Es bewegt sich praktisch nichts, was von blossem Auge sichtbar ist.

Sie täuschen sich, man sieht viele Dinge, die sich bewegen. Die Raumstation ISS zum Beispiel leuchtet heller als jeder Stern und zieht in ein paar Minuten über den ganzen Himmel. Ausserdem sehen wir viele Satelliten und auch der Mond verschiebt sich von Nacht zu Nacht um eine Handbreit.

Zugegeben, ich bin auch fasziniert, weiss aber nicht wieso. Was ist so prickelnd?

Das Universum fasziniert, weil es für uns nicht greifbar ist. Alle fragen sich, was dort draussen sein mag. Und vor allem haben wir keinen Einfluss, was in der Ferne geschieht. Wir sind nur Beobachter.

Marc Horat beobachtet nicht nur, er produzierte auch einen Film mit dem Titel «Dort Draussen». Hier der Trailer:

Das Planetarium wird auch von Schulklassen besucht. Wie gross ist das Interesse der Kinder?

Die sind sofort fasziniert, sobald das erste Bild auf der Kuppel erscheint. Sie sind wissbegierig und viele Schülerinnen und Schüler wissen ziemlich gut Bescheid über das Weltall. Man kann zum Beispiel teils fachlich ziemlich anspruchsvolle Diskussionen über Schwarze Löcher mit schon sehr jungen Besuchern führen. Sehr viele Kinder sind an diesem Thema interessiert und setzen sich intensiv damit auseinander.

Wobei auch zu sagen ist, dass Sie mit der Kuppel über eine einmalige Spielwiese verfügen. Sie können auf dem gewaltigen Bildschirm sicher auch Spiele spielen?

Natürlich. Es ist ein Computersystem. Wir können alles machen, was heutzutage mit einem Rechner möglich ist. Und selbstverständlich habe ich auch schon Games ausprobiert, die Verlockung ist einfach zu gross (lacht).

Damit haben Sie die jungen Leute schon mal im Sack?

Mit der Technik kann man viele schöne und eindrucksvolle Stimmungen auf die Kuppel bringen. Wenn wir auf dem Mond landen, wirkt das dann so, als ob der Mond auf uns herabfallen würde. Fast jeder Besucher zieht dabei den Kopf ein, weil es so echt wirkt. Diese Immersion, das Eintauchen in das Bild, ist genau die grosse Stärke eines Planetariums.

Das Thema hat Sie früh gepackt. Sie widmeten Ihre Maturaarbeit den Sternen. Was war der Kern der Arbeit?

Es ging um die Entstehung der Sterne. Sonnen werden geboren und sie sterben auch. Wie wir Menschen. Eine schöne Erkenntnis daraus ist, dass Menschen und alles um uns herum eigentlich aus Sternenstaub besteht. Den praktischen Teil der Maturaarbeit widmete ich der Fotografie von Dingen aus dem Sternenleben, z.B. der bekannte Orionnebel. Ein riesiges Stern-Entstehungsgebiet in unserer Milchstrasse.

Stand bereits fest, dass Sie Astrophysik studieren werden?

Mein Studium war Physik mit Schwerpunkt Astrophysik. Ich wollte in diesem Bereich tätig sein und hatte unglaubliches Glück, denn ich habe in diesem Fachbereich einen in der Schweiz einzigartigen und enorm spannenden Job, eine absolute Traumstelle!

Sterndeuter wollen mit ihren Horoskopen Zusammenhänge zwischen astronomischen Ereignissen und den Menschen erkennen. Was halten Sie von der Astrologie?

Aus wissenschaftlicher Sicht ist Astrologie absurd. Die Stellung der Planeten am Himmel hat keinen Einfluss auf uns. Auch wäre ich genau genommen eigentlich Sternzeichen Stier statt Zwilling, da sich die Erdachse und damit die Position der Sonne am Himmel in den letzten 2000 Jahren leicht verschoben hat und das in der Astrologie nie korrigiert wurde. Aber wenn jemand auf Horoskope und Astrologie schwört, soll er. Mich stört es nur, wenn man damit den Leuten das Geld aus der Tasche zieht.

Im Planetarium hüpfen wir von einem Planeten zum anderen. Wir haben auf dem Mars die Landung des Rovers «Curiosity» verfolgt. Analog zu Google Street-View könnte Ihre Technologie Google Galaxy heissen. Kommt das hin?

Eher Google Universum. Man geht davon aus, dass im Universum einige hundert Milliarden Galaxien mit wiederum je hunderten Milliarden Sternen existieren. Das Planetarium ist ein Weltraumsimulator. Wir können derzeit rund 2500 Planeten in- und ausserhalb des Sonnensystems bereisen. Zum Beispiel auf dem Mars landen und von dort unseren blauen Planeten beobachten.

Sie können an Orte hin, wo kein anderer Mensch hinkommt. Marc Horat, wenn einer weiss, was los ist, dann Sie. Was ist da draussen?

Zum Beispiel Orte mit Voraussetzungen für Leben. Zwei Monde um Jupiter oder Saturn, unter deren dicker Eisschicht grosse Mengen flüssiges Wasser nachweislich existiert. Dort herrschen Bedingungen wie bei uns in der Tiefsee in völliger Dunkelheit. Das Leben ist sehr kreativ und so ist es wahrscheinlich, dass es nicht nur auf der Erde Leben gibt.

Am 6. Juni haben Sie im Planetarium den Start des deutschen Astronauten Alexander Gerst live übertragen. Wären Sie gerne bei einer solchen Mission mit an Bord?

In eine Rakete würde ich mich eher nicht reinsetzen. Mit einem technischen Studium weiss man, wie anspruchsvoll die Raumfahrt ist. Ich fühle mich gut aufgehoben im Planetarium.

Wobei Sie Ihr Fachgebiet nur aus der Distanz erforschen und beobachten können. Macht Sie das trotzdem glücklich?

Das System, welches 2013 neu installiert wurde ist eines der modernsten überhaupt. Das Planetarium des Verkehrshauses rangiert in den Top Sechs der Welt. Der alte Projektor, an den sich wohl einige erinnern, ist nicht mehr in Betrieb. Der kann beim Hersteller in Deutschland in einem Museum besichtigt werden. Ja, ich bin an meinem Arbeitsplatz sehr glücklich.

Im der Unendlichkeit des Universums ist die Erde unbedeutender als unbedeutend. Wie sehen Sie das?

Der Stellenwert der Menschheit ist im Universum nicht wichtig. Wir sind nur eine Randerscheinung. Aber natürlich ist die Erde für uns Menschen das wichtigste überhaupt, es ist alles eine Frage der Perspektive.

Was halten Sie von Theorien, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat, sondern dass die Amerikaner diese in der Wüste inszenierten?

Bei Verschwörungstheorien wie dieser steckt viel Irrglaube dahinter. Der beste Beweis, dass wir auf dem Mond waren, sind doch die Russen. Die beobachten damals die Raumfahrtaktivitäten der Amerikaner sehr genau und hätten einen Schwindel lautstark publik gemacht. Das taten sie nicht. Auch kann man die Landeplätze der Apollo-Missionen heutzutage mit hochauflösenden Raumsonden fotografieren und sieht die Hinterlassenschaften und Fussspuren der Astronauten auf dem Mond.

Was ist mit Ufosichtungen?

Von sogenannten Ufosichtungen sind über 95 Prozent relativ schnell erklärbar. Die restlichen brauchen etwas mehr, aber auch diese kann man aus wissenschaftlicher Sicht entkräften. Man war übrigens bis zu den 60er-Jahren felsenfest davon überzeugt, dass es intelligentes Leben auf dem Mars gibt.

Denken Sie, dass es in absehbarer Zeit Technologien geben wird, die uns das Zurücklegen grosser Distanzen ermöglicht – im überschaubaren Zeitraum?

Vom physikalischen Standpunkt her nein. Man benötigte so viel Energie, dass wir zwangsläufig in unserem Sonnensystem stecken bleiben werden. Eine Reise zum Mars dauert immer noch Monate – nur wir im Planetarium schaffen das in wenigen Minuten.

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