Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Eine Streunerin sorgt im Gütschwald für Aufregung

Bereits seit letzten Oktober ist die Hündin Baghira im Wald unterwegs. Alle Versuche, das Tier einzufangen, sind bisher gescheitert. Beteiligte und Besitzerin geben die Hoffnung jedoch nicht auf.
Sandra Monika Ziegler

Am 2. Oktober 2018 ist in der Stadt Luzern ein Hund samt Gstältli und Leine entwischt. Seither streunt er im Gütschwald umher. Die Mischlingshündin ist grösser als 30 Zentimeter und hört auf den Namen Baghira. Das Tier hat halblanges geflecktes Fell und ist mit einem Chip versehen, so steht es in der Vermisstmeldung der Schweizerischen Tiermeldezentrale:

(Bild: Screenshot)

(Bild: Screenshot)

Auf die Annonce hatten sich einige besorgte Hundeliebhaber gemeldet. Sie organisierten sich und wollten die entlaufene Hündin einfangen – bisher ohne Erfolg. Auch die kantonale Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) ist mit von der Partie. Da es sich um ein Haustier und kein Wildtier handelt, hat sich die Abteilung Natur, Jagd und Fischerei an den Fangaktionen nicht beteiligt. Sie hat lediglich die erforderlichen Bewilligungen erteilt und den Einfluss auf die Wildtiere mittels Fotofallen überwacht, wie Christian Hüsler, Fachbearbeiter Jagd und Fischerei mit Wildhutfunktion erklärt.

Hauptverantwortlich ist die Besitzerin

Lockfütterungen und Fangversuche seien durch die Besitzerin respektive durch sie beauftragte Personen durchgeführt worden, betont Hüsler. Er fügt an: «Hauptverantwortlich für den Hund war und ist dessen Besitzerin.» Wie es dem Hund gesundheitlich geht, sei nicht bekannt, so Hüsler. Aufgrund seines äusserst vorsichtigen und heimlichen Verhaltens ist davon auszugehen, dass er sich nicht sicher, sondern gestresst fühlt.

Baghira ist ein domestiziertes Haustier, das an ein Leben in der Obhut von Menschen gewöhnt ist. An das Leben in freier Wildbahn ist sie nicht mehr angepasst. Hüsler rät von einer Fütterung ab: «Das Futter wird auch von Wildtieren gefressen und das Füttern von Wildtieren ist bewilligungspflichtig.»

Die Abteilung geht davon aus, dass die Hündin den Rehen nicht nachstellt, da Hündin und Rehe kurz hintereinander von derselben Fotofalle eingefangen wurden: «Die Rehe machten nicht den Eindruck, als ob sie auf der Flucht sind. Über den Einfluss auf andere Wildtiere haben wir allerdings keine Kenntnisse.»

Verärgert sind andere Hundebesitzer. Sie haben sich gemeldet und reklamiert. Dies weil sie nicht einsehen, warum sie ihren Vierbeiner anleinen müssen und der andere Hund frei rumlaufen kann. «Dies ist in gewissem Masse nachvollziehbar, trotzdem gilt seit dem 1. April bis Ende Juli im Wald und am Waldrand Leinenpflicht», sagt Hüsler. Man könne wegen des streunenden Hundes den Gütschwald nicht zum rechtsfreien Raum erklären.

Hilfe aus dem Ausland verprellt

Die Besitzerin fragte Anfang Jahr auch einen professioneller Tierfänger aus Deutschland an. Er will in diesem Zusammenhang nicht namentlich genannt werden, betont aber, dass er bereits Hunderte Tiere wieder ihren Besitzern zurückbringen konnte. Zum ersten Kontakt sagt er: «Sie schilderte mir den Fall und was bisher unternommen wurde. Ich konnte kein Konzept dahinter erkennen. Auch waren mir zu viele Personen involviert. Ich sagte ab.» Er sei dann aber geradezu bekniet worden und liess sich umstimmen.

Rückblickend ist er der Ansicht, dass man den Hund gar nicht fangen wollte:

«Zu viele waren im Wald unterwegs. Sie agierten, als suchten sie einen Menschen und nicht einen Hund. Nach vier Tagen musste ich die Suche abbrechen. Es war sinnlos. Jede Einzelne glaubte, es besser zu wissen und mutierte zur Tierkennerin. Von einem Profi liessen sie sich nichts sagen.»

Deshalb reiste der Tierfänger wieder ab. Man habe ihn verprellt und selbst die Rechnung noch nicht bezahlt.

Während er auf sein Honorar wartet, wartet die Besitzerin auf ihren Hund. Über die vier Tage im Wald wollte sie aber nicht sprechen: «Es ist besser, wenn wieder Ruhe einkehrt.» Angesprochen auf die offene Rechnung sagt sie kurz:

«Ich bin am Abzahlen. Aber die Hoffnung, Baghira doch noch einzufangen, gebe ich sicher nicht auf.»

Was ihre weiteren Pläne sind, gibt sie jedoch nicht preis. Mittlerweile ist die Suchanzeige nicht mehr online. Am 20. März 2019 wurde sie vom Netz genommen. Ein Wiederaufschalten müsste von der Hundebesitzerin gewünscht werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.