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Eine Wahl-Eicherin vertritt die Schweiz in der ganzen Welt

Botschafterin Helene Budliger arbeitet über 30 Jahre für das EDA. Jetzt führt sie eine weitere Herausforderung nach Bangkok.
Ernesto Piazza
Als Botschafterin weit gereist, kommt die Wahl-Eicherin Helene Budliger immer wieder gerne zurück an den Sempachersee. (Bild: Boris Bürgisser, 27. September 2019)

Als Botschafterin weit gereist, kommt die Wahl-Eicherin Helene Budliger immer wieder gerne zurück an den Sempachersee. (Bild: Boris Bürgisser, 27. September 2019)

Helene Budligers Blick schweift über den Sempachersee. Sie geniesst den traumhaften Herbsttag in vollen Zügen. Soeben ist die 54-jährige Schweizer Botschafterin zusammen mit ihrem Mann Alex Artieda (55) – einem gebürtigen Peruaner und jetzigen Doppelbürger – von einem aktiven Kurztrip nach Portugal zurückgekehrt. «Ich bin ein Fan von Wanderungen», betont sie. Den Jakobsweg, den Camino Frances in Nordspanien, haben sie bis nach Santiago de Compostela schon erfolgreich gemeistert. Sie sind von Lissabon nach Porto oder auf der Trans Swiss von Pruntrut nach Chiasso gewandert.

Daheim in Eich verlebten die beiden noch letzte Ferientage, bevor es am Dienstag wieder losging. Wobei Ferien wohl das falsche Wort ist. Als Schweizer Botschafterin nahm sie ebenfalls den einen oder andern geschäftlichen Termin wahr. Budliger pflegt Kontakte zu Personen, zu Projekten, entstanden beispielsweise bei ihrer vor einigen Wochen zu Ende gegangenen Mission in Südafrika.

Für die nächsten vier Jahre ist Bangkok ihr neues berufliches Zuhause. Neben Thailand stehen auch Laos und Kambodscha unter ihrer Ägide – zwei Schwerpunktländer im Rahmen der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Und Botschafterin Helene Budliger sagt: «Ich freue mich auf die neue Herausforderung.» Wohlwissend, dass sie viel Neuem begegnet. Doch das ist auch immer wieder Motivation für ihre äusserst facettenreiche Tätigkeit.

Ein Inserat veränderte beruflichen Werdegang

Während 34 Jahren arbeitet die Wahl-Eicherin nunmehr beim Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Dass sie überhaupt dort landete, ist jedoch eher einem Zufall geschuldet. Ursprünglich habe sie ins Hotelgewerbe gehen wollen, sagt die in Dübendorf aufgewachsene Budliger. Um der italienischen und französischen Sprache mächtig zu werden, entschied sie sich für Stellen in Locarno und Genf. Bei Letzteren fiel ihr eine Annonce auf, die ihrem beruflichen Werdegang eine Wendung verlieh. «Wollen Sie im Ausland arbeiten», wurde darin gefragt, erinnert sich Budliger. Und so zog es sie nach Bern ins EDA – zuerst als Sekretärin. In selber Funktion folgten die ersten Auslandeinsätze nach Lagos in Nigeria und Havanna in Kuba. Das seien teils schwierige Missionen gewesen.

Quasi als «Belohnung» ging es anschliessend für zwei Jahr nach San Francisco. Dort durfte sie erste Erfahrungen in der Konsulararbeit sammeln. «Das gefiel mir so sehr, dass ich mich intern für eine Ausbildung bewarb.» Es folgte ein Stage in Bern, ein praktischen Teil in Strassburg und 1994 der Abschluss. Doch sehr zu ihrem Entsetzen führte die nächste Reise nach Lima. «Ich war darob überhaupt nicht begeistert.» Es fehlte dort damals an Sicherheit, generell an vielem. Doch wie das Schicksal so spielt: Nach kurzer Zeit lernte sie in Peru beim Gleitschirmfliegen ihren Mann kennen. Zudem war sie als konsularische Mitarbeiterin sofort gefragt. War es, weil ein Pass verloren ging, eine Visaangelegenheit einer Lösung bedurfte oder jemandem Geld abhandenkam.

Ein Budgetvolumen von drei Milliarden verwaltet

Helene Budliger erlebte noch Zeiten, als kein Internet existierte. Telefonate vom Ausland in die Schweiz 15 Franken pro Minute kosteten, ein Kurier einmal pro Woche Dokumente überbrachte und vertrauliche Informationen über Funk verschlüsselt übermittelt werden mussten. «Ich war öfters auf mich selber gestellt», erinnert sie sich.

Nach einem weiteren Südamerika-Einsatz in Kolumbien, welcher auch von Entführungsfällen mit geprägt war, kam sie 2000 in die Schweiz zurück. In Kolumbien hatte sie auch ihr Betriebswirtschaftsstudium mit einem Master abgeschlossen und wurde deshalb in Bundesbern vorerst in der Finanzabteilung eingesetzt. Unter SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey war Budliger als Direktorin für Ressourcen tätig, stand 380 Mitarbeitern vor und verwaltete ein Budgetvolumen von jährlich drei Milliarden Franken. «Im EDA hatte ich ebenfalls das Privileg an grossen Reformen mitbeteiligt zu sein», so Budliger.

Eine Restaurantküche und ein Essraum mit 24 Stühlen

Ein Mann, drei Hunde, ein toller Job: Es sei fantastisch gewesen. Und trotzdem wollte sie mit 50 Jahren nochmals etwas anderes machen. Sie hatte die Sesselkleberei satt. Budliger sagt:

«Mich zog es weg vom Machtzentrum.»

Sie und ihr Mann, der auch im Besitze des Pilotenscheins ist und hobbymässig funkt, hätten sich im Hamsterrad befunden – wollten ausbrechen.

Und so war 2015 Südafrika ihre nächste Auslanddestination. Hauptsächlich in Pretoria stationiert, fielen auch Namibia, Botswana, Lesotho, Swasiland und Mauritius in ihr Zuständigkeitsgebiet. Ihr Mann verantwortete vor allem den Unterhalt der Residenz. Als Hobbykoch war er zudem für die Küchencrew und die Gästebewirtung zuständig. Dafür stand eine Restaurantküche zur Verfügung und ein Essraum mit Tisch und 24 Stühlen. Empfänge, Bankette: 1600 bis 1800 Gäste besuchten in ihrer Zeit die Residenz der Schweizer Botschaft. Derweil führte Helen Budliger als Missionsleiterin die Botschaft und stand dem Konsul in beratender Funktion zur Seite.

In Südafrika war die Botschafterin bestrebt, Schweizer Firmen – und zwar nicht nur grossen – den Handelszugang zu erleichtern. Weiter unterstützte sie innovative Firmen beim Markteintritt. «Südafrika ist der wichtigste Handelspartner für die Schweiz in Afrika», so Budliger. Sie setzte sich beim dafür zuständigen Ministerium auch ein, als aufgrund einer längst überwundenen Krankheit in Europa kein schweizerischer Stiersamen mehr eingeführt werden durfte. Und für die Botschafterin war es ein Anliegen, dass der Schweizer Exportschlager «Berufsbildung» den Weg nach Südafrika fand. «Das ist umso entscheidender, weil die Jugendarbeitslosigkeit dort mit rund 50 Prozent sehr hoch ist.» Die Umsetzung sei allerdings herausfordernd. Es brauche eigentliche «Botton-up-Projekte». Südafrika fehle die Mittelklasse, lebhafte Klein- und Mittelbetriebe. Eine gute Berufsbildung sei hierfür eine Voraussetzung.

Alle paar Jahre sich wieder neu erfinden

Die Tage von Helene Budliger als Botschafterin sind sehr fliessend, ein freier Wochenabend eher die Ausnahme. Ihr Beruf vermag nicht klare Grenzen zwischen Geschäft und Privat zu ziehen. «Es ist ein People-Business.» Doch nicht die grossen Namen, viel eher bleiben ihr die einfachen Menschen in Erinnerung. So auch ein Projekt in «Lucky Point», einem armen Township. Damit werden Kinder animiert, den Abfall, welcher ein grosses Problem ist, zu sammeln. Dafür erhalten sie Punkte und können diese in einem hierfür eigens eingerichteten Laden gegen Nahrung oder Kleider eintauschen. Initiiert hat das Projekt die Schweizerin Margrit Schwendimann.

In Südafrika war die Entourage rund 40 Personen stark. Die Fahrzeit von der Residenz ins Büro betrug rund sieben Minuten. In Bangkok ist es ein Compound im Businessviertel, mit etwas mehr – auch Thai – Personal. Dort, wo es eine Schweizer Schule mit Luzern als Patronatskanton gibt, will sich Budliger «so schnell wie möglich» ein Netzwerk aufbauen. «Es ist ein Privileg und lässig ein Land wie die Schweiz zu vertreten», sagt die Botschafterin. «Die Arbeit beinhaltet keine Routinetätigkeiten und ist deshalb nie langweilig. Ich liebe einen lebhaften Betrieb.» Zudem erlaube es ihr das EDA, sich alle paar Jahre wieder neu zu erfinden.

Was nach den nächsten vier Jahren beruflich sein wird, weiss Budliger noch nicht. «Mal sehen, was man mir anbietet.» Sie, die auch gerne liest, ins Kino geht oder Puzzles löst, könnte sich durchaus vorstellen, «etwas ganz anderes zu machen». In Lima zu leben ist für sie eine weitere Option. «Dort gefällt es mir sehr.» Klar ist aber: Das Standbein Schweiz will sie behalten. Dieses Land ist ihr nicht zuletzt wegen ihrer beruflichen Tätigkeit ans Herz gewachsen. Mit Eich, wo sie sich aktuell zwei-, dreimal pro Jahr aufhält, hat sie zudem einen schönen Flecken zum Leben gefunden. «Er ist zentral und trotzdem ländlich.» Helene Budliger lächelt. Die Weitgereiste ist sich ihrer Schweizer Wurzeln sehr wohl bewusst.

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