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Zirkus Wunderplunder: Eine Welt für Träumer

Ein aussergewöhnlicher Zirkus hat in Hochdorf sein Zelt aufgeschlagen: Es gibt keinen Zirkusdirektor, die Mitarbeiter bleiben jeweils im Hintergrund – und trotzdem findet einmal pro Woche eine Aufführung statt.
Manuel Burkhard
Lea Bucher vor ihrem Wohnwagen namens «Beeri». (Bild: Corinne Glanzmann (Hochdorf, 13. August 2018))

Lea Bucher vor ihrem Wohnwagen namens «Beeri». (Bild: Corinne Glanzmann (Hochdorf, 13. August 2018))

Zelt und Wagen, Clowns und Artisten – der Zirkus Wunderplunder kommt so daher, wie man es erwartet. Mit zwei zentralen Unterschieden: Erstens ist hier alles ein bisschen kleiner und zweitens ist in der Manege jede Woche eine komplett neue Truppe zu bestaunen. Der Zirkus Wunderplunder ist eine wandernde Märchenwelt, die jede Woche an einem neuen Ort ihr Zelt aufschlägt und mit 60 Kindern eine Aufführung einstudiert. In dieser Welt zu Hause ist Lea Bucher. Die 29-jährige Heilpädagogin aus Hildisrieden zieht seit drei Jahren mit dem Zirkus durch die Dörfer. Das Gespräch mit ihr findet vor ihrem «Beeri» statt. So heisst der blau-rote Holzwagen, der ihr Zuhause ist.

Wie Bucher erzählt, ist der Zirkus Wunderplunder seit 33 Jahren auf Tournee. Die jeweils elf Vereinsmitglieder führen ihn selbstständig, einen Vorstand gibt es nicht. Jedes Vereinsmitglied arbeitet und wohnt im Zirkus und ist für einige der insgesamt 33 Ressorts verantwortlich – von Finanzen über Wagenbau und Tontechnik bis Haushalt. Alle wichtigen Entscheidungen werden als Kollektiv gefällt. Bei elf Leuten, die zusammen arbeiten und wohnen, gibt es so einiges zu entscheiden. «Die wöchentliche Teamsitzung kann auch mal fünf Stunden dauern.»

Für das normale Leben bleibt wenig Zeit

Wunderplunder vereint Leute mit unterschiedlichen Hintergründen. Zum Team gehören momentan einige Pädagogen, ein Biobauer, ein Konstrukteur und eine Buchbinderin. Bucher: «Wir sind Idealisten, die den Zauber wecken wollen. Uns vereint die Zirkusromantik.» Wie so oft steckt hinter diesem Zauber viel reale Arbeit. Sie beginnt am Montag mit dem Aufbau des Zeltes. Dann treffen die Kinder ein, die einen Einblick in die Möglichkeiten des Zirkus wie Jonglieren oder Luft- und Bodenakrobatik erhalten.

«Die Kinder können in eine andere Welt abtauchen.»

In drei Tagen studieren die Kinder ein Zirkusprogramm ein, um es am Freitag zu präsentieren – in einem richtigen Zirkuszelt mit stattlichen 250 Plätzen. «Die Kinder können abtauchen in eine andere Welt. Sie stehen auf der Bühne und wissen am Schluss: Ich habe es geschafft», erklärt Bucher die Faszination des Zirkus. Dazwischen führt das Wunderplunder-Team an einem Abend selbst noch ein Theater auf. Kaum ist eine Show vorbei, wird das Zelt wieder zusammengepackt.

Am Samstag zieht der Tross mit seinen schmucken alten Traktoren und den Holzwagen weiter zum nächsten Spielort. Nur der Sonntag ist frei. Den verbringen die Zirkusleute mit ihren Partnern, Freunden oder in ihrem Wohnwagen. Die wenige Freizeit ist die Konsequenz, die dieses Leben mit sich bringt. Je nach Wohnort – der Zirkus ist meist in der Umgebung von Bern unterwegs – ist es schwierig, Beziehungen zu pflegen. Doch ruhige, ereignislose Tage sind im dichten Zirkusprogramm keineswegs unwillkommen. Lea Bucher nutzt sie oft, um die Umgebung zu erkunden. Aber das dichte Programm, sei es auf Tournee im Sommer oder im Winterlager in Burgdorf, ist mit ein Grund, weshalb die übliche Verweildauer jeweils bloss zwei bis drei Jahre beträgt.

Zirkusleute verdienen 1200 Franken im Monat

Wer den Mitmachzirkus buchen möchte, braucht Platz für Zelt und Wagen, Anschlüsse für Strom und Wasser und 11500 Franken. Damit sind etwa die Hälfte der Kosten des Zirkus gedeckt. Zusammen mit dem Kartenverkauf und der Bar kann er rund drei Viertel seiner jährlichen Ausgaben von 500000 Franken abdecken. Daneben ist es Gönnern zu verdanken, dass der Zirkus über die Runden kommt – und dem Idealismus der Zirkusleute selbst: 1200 Franken verdienen sie im Monat. Und es mag unglaublich klingen, aber: «Irgendwie reicht das zum Leben,» meint Lea Bucher.

Mit ihren drei Jahren Zirkusleben gehört sie zu den dienstältesten im Team. Wie die Reise für sie weitergeht, ist ungewiss. Vielleicht ist es ihr letztes Jahr, vielleicht auch nicht. «Ich muss mich bald entscheiden.» Der Zirkus Wunderplunder ist zwar klein, aber allemal gross genug, um einen in Bann zu halten.

Hinweis: Theater «Robin Hood»: Donnerstag, 16. August (19 Uhr). Mitmachzirkus: Freitag, 17. August (13 und 18 Uhr) im Schulhaus Arena in Hochdorf. www.wunderplunder.ch

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