Einen Tag lang shoppen wie in einer richtigen Stadt

Mit Ladenöffnungszeiten sind die Luzerner nicht gerade verwöhnt. Doch am kommenden 8. Dezember können sie dem Shopping geradezu exzessiv frönen – ausgerechnet an einem Samstag und einem Feiertag. Eine gesetzgeberische Skurrilität.

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Am Samstag bis 18.30 Uhr shoppen? Der 8. Dezember machts möglich. (Bild: Archiv Neue LZ)

Am Samstag bis 18.30 Uhr shoppen? Der 8. Dezember machts möglich. (Bild: Archiv Neue LZ)

Wer in Luzern eine Uhr kaufen will, kann sich nicht beklagen. Die einschlägigen Läden dieser Branche sind auch abends und sonntags geöffnet. Und die Touristen danken es ihnen, fahren carweise vor und vergleichen anschliessend – so es sich um Chinesen handelt – die astronomischen Summen auf ihren Quittungen.

Schwerer hats, wer sich als Einheimischer mit dem Nötigsten für den Alltag – mit Lebensmitteln – eindecken will. Da rennt er schnell mal an. Nach 18.30 Uhr – am Samstag nach 16 Uhr – läuft nichts mehr. Der Kanton Luzern hat die restriktivsten Öffnungszeiten weitherum. Sehr zur Freude der Einkaufszentren in den Nachbarkantonen.

Front von Gewerkschaften und Detaillisten

Schon mehrere Anläufe wurden unternommen, um die Ladentüren ein wenig länger offen zu halten. Sie scheiterten an der eisenharten Koalition von linken Gewerkschaften und bürgerlichem Detaillistenverband. Und am Volk. Erst im Juni wurde ein zaghafter Versuch, die Läden am Samstag eine Stunde später zu schliessen, bachab geschickt.

Und jetzt das! Der 8. Dezember ist in der katholischen Zentralschweiz ein Feiertag, Mariä Empfängnis. Er fällt in diesem Jahr auf einen Samstag. Nun können die Luzerner am Vorabend des Feiertages nur bis 17 Uhr einkaufen, am Feiertag selbst, am Samstag, aber sage und schreibe bis 18.30 Uhr.

Verständlich, dass die an verrammelte Läden gewöhnten Luzerner die Welt nicht mehr verstehen. Eingebrockt wurde ihnen dieser Shopping-Exzess von den eigenen Volksvertretern im Kantonsrat.

Gegen Weihnachtseinkäufe in Zürich

Während Jahren nämlich nutzen die Luzerner (und andere Zentralschweizer) den Feiertag, um statt in die Kirche nach Zürich zu pilgern und zum Nutzen der dortigen protestantischen Wirtschaft die Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Das war nun den Luzerner Geschäftsleuten - auch den sonst so verschlossenen Detaillisten - gar nicht recht.

Und so rüstete das Luzerner Kantonsparlament zum Kampf gegen die vorweihnachtliche Kapitalflucht und liberalisierte tatsächlich die Öffnungszeiten an Feiertagen. Die Läden müssen zwar nicht öffnen, können aber nun ihr Angebot wie an Werktagen bis 18.30 Uhr an die Kunden bringen.

Jetzt ist man selbstverständlich gespannt, wie sich in der Leuchtenstadt das Bruttosozialprodukt am zweiten Adventswochenende entwickelt. Und ob genügend Kaufkraft vorhanden ist, um die Läden zu füllen. Oder ob die Luzernerinnen und Luzerner, der Abwechslung halber, nicht doch lieber weiterhin einen Einkaufsbummel in Zürich machen.

Meinrad Buholzer, sda

So handhaben es die Anderen

In der ganzen Zentralschweiz wird der 8. Dezember unterschiedlich ausgelegt. Während das Emmen-Center und der Pilatusmarkt in Kriensdie längeren Öffnungszeiten am Samstag anwenden, schliesst das Wohncenter in Emmenum 16 Uhr. Auch in Surseeund im Entlebuchwerden die Läden wie an normalen Samstagen schliessen. In Schwyzbleiben die Läden grundsätzlich zu, die Geschäfte können aber Ausnahmebewilligungen beantragen. Das Mythen-Center etwa hat wie sonst an einem Samstag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. In Zuglegen die Gemeinden einen von zwei Feiertagsverkäufen meist auf den 8. Dezember, sodass etwa in der Stadt Zug Öffnungszeiten bis 17 Uhr gelten. So auch in Nidwalden, wo eine Mehrheit der Geschäfte offen hat. Umgekehrt in Obwalden, wo die meisten Läden zu sind. In Urihaben mehrere Gemeinden ebenfalls einen Feiertagsverkauf auf den 8. Dezember gelegt.tos

Dezember: Das sind die Öffnungszeiten in Luzern

Die offiziellen Sonntagsverkäufe finden laut Mitteilung der Stadt Luzern am 16. und 23. Dezember statt, jeweils von 10 bis 18.30 Uhr. Am 24. und 31. Dezember sind die Läden bis 16 Uhr offen, am 25. und 26. Dezember sind die Läden geschlossen, ebenfalls am 1. Januar. rem

Mariä Empfängnis

Selbst Katholiken haben in der Regel keine Ahnung mehr, was an Mariä Empfängnis (8. Dezember) gefeiert wird. Es geht nicht um die Jungfrauengeburt Jesu, sondern um die Unbefleckte Empfängnis seiner Mutter Maria. Weit verbreitet ist der Witz, dass die Zeit zwischen der angeblichen Empfängnis am 8. Dezember und der Geburt Jesu an Weihnachten für eine Schwangerschaft doch reichlich kurz bemessen sei. Doch diese Auslegung geht daneben. Die Unbefleckte Empfängnis ist ein katholisches Glaubensdogma. Demnach ist die Gottesmutter Maria von ihrer Geburt an von der Erbsünde befreit und von jedem Makel ausgenommen. sda