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EINKAUFEN: Luzerner Detaillisten gehen online

Mit dem Onlinehandel und der Eröffnung der Mall of Switzerland kommen auf die Branche grosse Herausforderungen zu. Sie reagiert mit kreativen Ideen und grossen Investitionen. Teils scheint der Elan jedoch verpufft zu sein.
Stefan Dähler
Jacqueline Lauper (links), hier in der Boutique Mai, wirbt in den sozialen Medien für die Neustadt. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Oktober 2017))

Jacqueline Lauper (links), hier in der Boutique Mai, wirbt in den sozialen Medien für die Neustadt. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Oktober 2017))

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Der 8. November rückt näher. Dann wird in Ebikon die Mall ­ of Switzerland eröffnet. Damit drängt ein riesiger Anbieter in ­einen Markt, der aufgrund der Konkurrenz durch den Onlinehandel bereits umkämpft ist. Wie sind die Läden und die bestehenden Einkaufszentren vorbereitet?

Neue Wege in der Vermarktung geht der Quartierverein Neustadt. Dieser verfügt seit ­April über eine «Shopping-Scout» – eine Social-Media-Beauftragte, die auf den Plattformen für Läden, Restaurants und Bars wirbt: Jacqueline Lauper, die früher selbst den Young Desi­gners Market in der Neustadt betrieben hat, schreibt regelmässig Beiträge auf Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest. Sie sucht selbst nach Themen, erhält aber auch Inputs von Geschäften und Privaten. Damit die Beiträge auf Facebook eine grössere Reichweite haben, bewirbt der Quartierverein sie jeweils mit 10 Franken. «Dann sehen sie auch Freunde von jenen, die unsere Seite liken», sagt Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins. Auf Facebook hat «Neustadt Luzern» knapp 1000 Abonnenten, die Posts hätten seit April rund 100 000 Personen erreicht.

Neue App und ein Online-Portal

Das Pilotprojekt kostet dieses Jahr rund 15 000 Franken, wobei sich der ALI-Fonds zur Attraktivierung der Luzerner Innenstadt zur Hälfte beteiligt. Für nächstes Jahr sind 25 000 Franken budgetiert. Zudem soll 2018 die App «Findeling» lanciert werden. Diese existiert bereits in deutschen Städten und bietet eine Werbeplattform für Detaillisten. Schulthess: «Wir stehen in Kontakt mit dem Anbieter. Das Ziel ist, dass mindestens 50 kleine, inhabergeführte Geschäfte aus der ganzen Stadt mitmachen.» Pro Laden betragen die Kosten 300 Franken.

Ebenfalls aktiv ist die City- Vereinigung Luzern (CVL). Sie hat unter anderem eine Imagekampagne durchgeführt und das Projekt «Mikro Hub» lanciert (Ausgabe vom 2. Oktober). Das Ziel ist, damit den Kunden Shoppingtouren zu erleichtern. Diese sollen die Einkäufe nicht mehr durch die Stadt schleppen – stattdessen würden diese an einem zentralen Ort gelagert, wo man sie abholen kann. Wie das genau funktionieren wird, ist noch offen. Derzeit führt die CVL bei den Detailhandelsgeschäften eine Umfrage durch. «Ein weiteres Projekt ist ein gemeinsames Online-Portal, auf dem Läden gewisse Spezialitäten anbieten und für sich werben können», sagt André Bachmann, Präsident a. i. der CVL. Die Details würden noch ausgearbeitet, aufgeschaltet wird das Portal voraussichtlich im Sommer 2018.

Erneuerung für 50 Millionen Franken

Viel unternommen hat das ­Emmen Center. Der Mietermix wurde stark angepasst, Zara hielt als neuer Ankermieter Einzug. Zwischen 2015 und März 2017 wurde das Einkaufszentrum umfassend für rund 50 Millionen Franken renoviert. «Das Ziel war, die Aufenthaltsqualität zu verbessern, etwa mit Ruhezonen zum Verweilen», sagt Marketingleiterin Corinne Schneebeli. Sie betont, dass die Investitionen unabhängig von der «Mall» erfolgt seien. «Es handelte sich um Anpassungen an heutige Marktgegebenheiten sowie Neuerungen, welche während eines Gebäudelebenszyklus nötig sind.» Beim Pilatusmarkt in Kriens wollte zum Thema niemand öffentlich Stellung nehmen.

Geografisch der «Mall» am nächsten ist das Ebikoner Gewerbe. Vor einem Jahr hat der Gewerbeverein Rontal die Fachgruppe Detaillisten gegründet, um zusammen mit der Gemeinde das Ebikoner Zentrum zu stärken. Was hat diese erreicht? Bisher fanden zwei Rabattaktionen statt, eine weitere ist geplant.

Ernüchternde Beteiligung der Ebikoner Läden

Das Ziel, die Ladenöffnungszeiten zu vereinheitlichen, wurde dagegen nicht erreicht. «Hier will jeder selbst bestimmen, wann er auf- und zumacht», sagt Beat Knapp, Vizepräsident des Gewerbevereins und Mitglied der Fachgruppe. Auch bei den anderen Aktionen sei die Beteiligung der Läden teils etwas ernüchternd gewesen. «Nur etwa 30 bis 50 Prozent der Geschäfte, die in Frage gekommen wären, haben mitgemacht. Viele warten noch ab.» Generell sei die Situation auch ­in Ebikon für die Detaillisten schwierig. «Diverse Ladenlokale stehen leer.» Ende November schliesst zudem das «Sport­Huus» (wir berichteten), im Dezember auch Gerber Herrenmode.

Die Konkurrenz durch den Onlinehandel sei für viele spürbar, sagt Knapp. «Dies wird allerdings auch auf die Mall selbst zutreffen.» Das Einkaufszentrum weckt in Ebikon aber auch gewisse Hoffnungen. «Es wird ein neuer Magnet sein, der vielleicht dafür sorgen kann, dass mehr Leute ins Ebikoner Zentrum kommen.» Auch André Bachmann und Markus Schulthess sehen der Mall grundsätzlich nicht negativ entgegen. Sie sei nicht nur Konkurrenz, sondern mache die Region auch attraktiver.

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