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Kolumne

Einmal Wassermelonenmus bitte!

Dienst nach Vorschrift muss nicht immer sein, findet unser Autor. Und doch bringt ihn ins Grübeln, wie unkonventionell Arbeiter in Bangladesch ein Schiff entladen.
Raphael Zemp
Ungewohnt: Ein Arbeiter in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, löscht eine Ladung Wassermelonen. (Bild: Keystone)

Ungewohnt: Ein Arbeiter in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, löscht eine Ladung Wassermelonen. (Bild: Keystone)

Ein bisschen frech muss sein, von Zeit zu Zeit: Beim Ausmölele mit dem Farbstift etwa mir nichts, dir nichts, rotzfrech über die schwarze Linie hinausfahren. Der eigenen Haarpracht eine fesche Strähne Blond gönnen, ja vielleicht sogar Violett. Nach Tränen, Schmerz und Blut ein aussergewöhnliches Tattoo stechen. Einen geschwungenen Mutmacher à la: it’s darkest before dawn. Vor der Dämmerung ist es am dunkelsten. Oder gerne auch ein bisschen grossspurig mit: Der Himmel ist die Grenze.

Oder das Hemd mal nicht bis oben zuknöpfen, vielleicht sogar ein bisschen Brustbehaarung rauslugen lassen? Oder das Cap mal umgedreht, die Hosen tiefergehängt tragen. Die geglätteten Bundfalten durch extra verwaschene und aufgeschlitzte Jeans ersetzen? Oder in der drögen Morgensitzung mal einen kecken Spruch fallen lassen, oder gar dem Chef widersprechen. Das alles muss doch mal drinliegen, nicht?

Oder wie wäre es damit: Eine Fragestellung mal von einer ganz anderen Perspektive ausleuchten? Nicht irgendein Produkt zu entwickeln, sondern ein ganz innovatives. Zum Beispiel eine Schablone zum Auftragen von Lippenstift, einen Gabelaufsatz für den Kugelschreiber oder eine Pizzaschere (Gibt es alles, ohne Witz!). Oder eine revolutionäre Firmenstrategie implementieren? Hier gewagt restrukturieren, da den Personalbestand riskant ausdünnen.

Die Kühnheit, sie kennt keine Grenzen. Unendlich sind die Möglichkeiten, abzuweichen vom Gewohnten, Eingespielten und Etablierten. Die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Aufzufallen in der grossen, grauen Masse – oder vielleicht auch davon abzufallen.

Warum aber um Gottes Willen verabschiedet sich dieser werte Herr in Bangladesch gerade beim Löschen seiner Fracht von der Norm? Warum nur muss er seine Wassermelonen gleich stapelweise lässig zu vermantschten Trümmerstücken werfen? Ist er wütend, gestresst – oder der Arbeitskollege eine Null im Abfangen? Wir werden es nie herausfinden, sehen wir doch bloss einen kleinen Ausschnitt – wie so oft im Leben. Frech hin oder her.

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