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Einsatz für hindernisfreies Bauen in Luzern: Seinem Auge entging kaum ein Hindernis

Während mehr als dreissig Jahren hat sich Josef Odermatt (65) für hindernisfreies Bauen im Kanton Luzern engagiert. Dabei halfen ihm sowohl seine Kenntnisse als ehemaliger Dachdecker als auch seine Erfahrung als Rollstuhlfahrer.
Roseline Troxler
Josef Odermatt hat sich mehr als dreissig Jahre fuer hindernisfreies Bauen im Kanton Luzern engagiert und ist selber im Rollstuhl. (Bild: Jakob Ineichen, 12. März 2019)

Josef Odermatt hat sich mehr als dreissig Jahre fuer hindernisfreies Bauen im Kanton Luzern engagiert und ist selber im Rollstuhl. (Bild: Jakob Ineichen, 12. März 2019)

Zentralstrasse in der Stadt Luzern, unweit des Hauptbahnhofs: Mit etwas Schwung überwindet Josef Odermatt die leichte Steigung der Schwelle beim Eingang zur Geschäftsstelle von Pro Infirmis mit seinem Rollstuhl mühelos. Der 65-Jährige erklärt, wie sich dieser Eingang von jenen der Nachbargebäude unterscheidet, wo eine hohe Stufe Rollstuhlfahrer den selbstständigen Zutritt verunmöglicht.

Bahnhofsbrand als Auslöser

Für hindernisfreien Zugang hat sich der Stanser mehr als dreissig Jahre lang eingesetzt – und zwar sowohl für Rollstuhlfahrer wie auch für Geh-, Seh- und Hörbehinderte. 1987 war Josef Odermatt eines der Gründungsmitglieder des damaligen Vereins für behindertengerechtes Bauen. Entstanden war er in der Folge des Bahnhofsbrands von Luzern. Beim Neubau haben sich verschiedene Menschen mit einer Behinderung engagiert, um einen möglichst guten Zugang zu erhalten und später einen Verein gegründet. Ab 1989 leitete Josef Odermatt die neu geschaffene Beratungsstelle. Ende Februar nun – etwas mehr als drei Jahrzehnte später – übergab er seine Arbeit an die Nachfolgerin Gordana Petric.

Der Verein Hindernisfrei Bauen Luzern, wie er heute genannt wird, bietet unter anderem Bauberatungen und die Prüfung von Baugesuchen an – sowohl von privaten wie auch öffentlichen Bauten und Anlagen. Im letzten Jahr hat der Verein 845 Baugesuche angeschaut. Als besonders interessantes Projekt bleibt Odermatt der Umbau vom ehemaligen Post- zum Unigebäude in Erinnerung.

Er brachte seine Erfahrung als Rollstuhlfahrer ein

Josef Odermatt sitzt seit einem Arbeitsunfall als Dachdecker im Jahr 1979 im Rollstuhl. Der Niwaldner musste sich in der Folge völlig neu orientieren und fortan im Büro arbeiten. In seiner Tätigkeit für den Verein konnte er sowohl seine Kenntnisse der Baubranche einbringen («Planlesen war stets sehr wichtig») als auch auf seine Erfahrungen als Rollstuhlfahrer zurückgreifen. Dies war allerdings manchmal gar nicht so einfach. «Ich musste meine Erwartungen herunterschrauben, die eigene Ungeduld zügeln und manchmal mit kleineren Brötchen zufrieden sein», erklärt er. Die Prozesse seien teils langwierig. Oft fehle es an Geld für Barrierefreiheit bei Bauten, oder es mangle an Sensibilität seitens der Bauherren. Eine weitere Herausforderung sei der Denkmalschutz. «Bei der Arbeit brauchte es daher eine grosse Portion Kreativität», sagt Odermatt, der als Rollstuhlsportler früher Wettkämpfe bestritt und gar an den Paralympics von 1984 teilnahm.

Technischer Fortschritt und veränderte Bauweise

Trotz benötigter Geduld sieht Odermatt auch die vielen Verbesserungen, die in den letzten Jahren erreicht wurden. «Früher hatten Treppen bei Eingängen zu Gebäuden eine wichtige Bedeutung», sagt Josef Odermatt und fügt lachend an: «Fürs Gruppenfoto.» Heute ist ein stufenfreier Eingang bei Häusern oder bei Bussen und Zügen verbreitet. Auch der technologische Fortschritt schaffe für Menschen mit einer Behinderung neue Möglichkeiten. «Ich habe nicht mehr ein Problem, weil ich Billettautomaten nicht bedienen kann, sondern löse das Ticket einfach über eine App», erklärt der Stanser.

Doch es gibt noch viel Luft nach oben. 2014 hat die Schweiz die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Sie verpflichtet sich damit, Hindernisse zu beheben und die Inklusion der Betroffenen zu fördern. «Der öffentliche Bereich sollte bis 2023 hindernisfrei sein», sagt Odermatt: «Schliesslich wird es wohl zehn bis zwanzig Jahre länger dauern, bis wir soweit sind.» Dazu meint der Stanser:

«Wichtig ist, dass es immer weitere Fortschritte gibt.»

Er freut sich auf eine weniger volle Agenda

Während mehr als drei Jahrzehnten hat Josef Odermatt viele Menschen mit einer Behinderung und Bauleute beraten. In der Medienmitteilung zu seinem Rücktritt heisst es: «Seiner Genauigkeit und seinem geschulten Auge entgingen kaum je ein zu enger Türdurchgang, eine zu steile Rampe, ein zu kleiner Lift oder eine zu hohe Stufe.» Josef Odermatt freut sich nun auf mehr Zeit mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Und er will die Region wieder vermehrt auf Ausflügen entdecken – natürlich möglichst hindernisfrei.

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