Einsprache blockiert Luxushäuser auf der Horwer Halbinsel

Wegen einer ungewöhnlichen Beschwerde verzögert sich ein  Bauprojekt an bester Lage in Kastanienbaum. Dies hat Folgen: Ein erster Käufer ist bereits wieder abgesprungen.

Gabriela Jordan
Drucken
Teilen
Visualisierung des geplanten Sonnhaldenparks in Kastanienbaum.

Visualisierung des geplanten Sonnhaldenparks in Kastanienbaum.

Im «Sonnhaldenpark»  in Kastanienbaum sind sieben neue Mehrfamilienhäuser geplant. Bereits im Herbst 2019 sollten Käufer der 21 Luxus-Wohnungen in ihr neues Zuhause einziehen können. Aus diesem Zeitplan wird nun aber nichts: Weil sich ein Nachbar auf dem Rechtsweg gegen das 45 Millionen Franken teure Bauprojekt wehrt, wird sich der Bezugstermin voraussichtlich um etwa ein Jahr verzögern. Dies sagt Patrick Müller, Investor, Architekt und Generalunternehmer des Bauprojekts in Personalunion. «Vor dem nächsten April werden wir nicht mit dem Bau anfangen können», so Müller. «Das ist sehr ärgerlich. Einer der bisherigen 17 Käufer ist deshalb schon wieder abgesprungen.» Der Nachbar, der auf einem 7000 Quadratmeter grossen Anwesen samt Seeanstoss wohnt, hatte laut Müller gegen das Baugesuch Einsprache erhoben. Weil die Gemeinde Horw nicht darauf eingegangen ist, zieht er sie nun bis vor Verwaltungsgericht weiter. Der Prozess könnte sich bis zum nächsten Frühling hinziehen.

Der Gestaltungsplan war bereits bewilligt

Das Spezielle am Ganzen ist: Der Nachbar greift vor allem Punkte an, die schon im Gestaltungsplan rechtsgültig bewilligt worden sind – von der Grösse der Gebäude über die Anzahl Wohnungen bis hin zur Umgebung. Zum Gestaltungsplan hatte er sich damals, als dieser öffentlich auflag, nicht geäussert. «Eine solche Einsprache», so Müller, «habe ich meinen 25 Jahren Erfahrung noch nie erlebt.» Für unsere Zeitung war der Einsprecher nicht erreichbar. Auch die Anwaltskanzlei, die ihn laut Patrick Müller vor Gericht vertritt, wollte sich zu diesem Thema nicht äussern. Auf Anfrage bestätigt die Kanzlei, dass ein Prozess in Gang sei, nicht aber, dass es sich um einen ihrer Mandanten handelt. Unter den oben genannten Umständen wird der Einsprecher vor Gericht wenig bis keine Chancen haben.

«Welches Ziel er mit der Einsprache verfolgt, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht will er so lange wie möglich vom Baulärm verschont bleiben», mutmasst Müller. Auch die Seesicht ist wohl kein Argument – die Villa des Einsprechers befindet sich unterhalb der geplanten Überbauung. Zwar hatten ursprünglich auch andere Nachbarn Einsprache gegen das Bauvorhaben gemacht. Doch deren Beschwerden richteten sich bereits gegen den Gestaltungsplan und konnten laut Müller allesamt «gütlich beigelegt» werden. Die meisten Kritikpunkte betrafen demnach die Anzahl oberirdischer und unterirdischer Parkplätze sowie die Umgebungsgestaltung. Das Projekt wurde daraufhin leicht angepasst, unter anderem sind jetzt weniger Parkplätze vorgesehen.

Riesige Baugrube im Villenquartier

Nicht bloss für die Käufer der geplanten Wohnungen ist die Verzögerung ärgerlich. Auch die jetzigen Anwohner dürften an der Situation wenig Freude haben. Weil die vorherigen, alten Häuser bereits abgerissen worden sind, klafft jetzt mitten im Quartier eine riesige Baugrube. «Mit dem Rückbau wollten wir letzten Winter möglichst schnell starten, nachdem wir die Wünsche der Nachbarn zum Gestaltungsplan berücksichtigt hatten. Im Normalfall ist das Baugesuch in solchen Fällen dann nur noch reine Formsache.» Das Bauprojekt Sonnhaldenpark umfasst insgesamt sieben Mehrfamilienhäuser zu je sechs Wohnungen. Der Innenausbau ist flexibel gestaltbar, es können daher luxuriöse 3,5- bis 6,5-Zimmer-Wohnungen realisiert werden.

Ausserdem können sich künftige Eigentümer über einen indirekten Seeanstoss freuen: Ein exklusives Plätzchen am Vierwaldstättersee ist für die Nutzer der Überbauung reserviert. Die Wohnungen kosten zwischen 1,5 bis 2,8 Millionen Franken. Für 16 Wohnungen konnten bereits Käufer gefunden werden. In einigen Fällen sind es bisherige Villenbesitzer von der Horwer Halbinsel, die ihre Villen als Erbvorbezug an den Nachwuchs weitergeben wollen. Zuvor standen auf dem Grundstück zwei Häuser mit je zwei Wohnungen und einem gedeckten Schwimmbad. Diese standen jedoch schon länger leer und waren baufällig.