Einsprachen gegen das Rontalzentrum in Dierikon – Buchrain bemängelt das Grossprojekt

Am 10. Dezember entscheidet Dierikon über die Zukunft des Rockwell-Areals. Mit dem Bebauungsplan kommen auch zwei unerledigte Einsprachen zur Abstimmung – eine davon stammt aus der Nachbargemeinde.

Beatrice Vogel
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Blick von Dierikon auf die geplanten Wohntürme des Rontalzentrums, links davon die Mall of Switzerland. (Visualisierung: PD)

Blick von Dierikon auf die geplanten Wohntürme des Rontalzentrums, links davon die Mall of Switzerland. (Visualisierung: PD)

Der Bebauungsplan für das Rontalzentrum ist wohl eines der wichtigsten Projekte in Dierikon in jüngster Zeit. Die Grundeigentümerin Schindler AG will auf dem brachliegenden Rockwell-Areal neben der Mall of Switzerland eine Überbauung mit 350 Miet- und Eigentumswohnungen sowie Gewerbeflächen und Büros erstellen. Teil davon sind vier 55 Meter hohe Wohntürme sowie eine auf den Sockelbauten liegende 8000 Quadratmeter grosse öffentliche Grünanlage. Als Höhenvergleich: Das neue Komax-Gebäude daneben ist 34 Meter hoch.

Mit 600 zusätzlichen Einwohnern würde die Bevölkerung der Gemeinde Dierikon um rund einen Drittel wachsen. Der Gemeinderat sieht darin eine grosse Chance: Da sich die Wohnungen im mittleren bis oberen Preissegment bewegen und eher Doppelverdiener ohne Kinder anziehen,  werde das Steuersubstrat der Gemeinde zunehmen. «Auch wenn einige heutige Einfamilienhaus-Bewohner Dierikons in das Rontalzentrum ziehen, wird der frei werdende Wohnraum keine Sozialfälle anziehen», ist Gemeindepräsident Max Hess (CVP) überzeugt. Deshalb gehe der Gemeinderat davon aus, dass die Steuereinnahmen auf jeden Fall zunehmen, «und das, obwohl wir sehr vorsichtig mit einem Steuerertrag von nur 1900 Franken pro Kopf gerechnet haben».

Das Areal befindet sich heute in der Gewerbezone. Mit dem Bebauungsplan, der Mischnutzung vorsieht, muss auch der Zonenplan geändert werden. Die Wohnnutzung sorge dafür, dass das Verkehrsaufkommen im Vergleich zu heute kaum zunehme, so der Gemeinderat, ein reiner Gewerbebau würde massiv mehr Verkehr generieren.

Zwei wichtige Änderungen

Die Gemeinde hat nun die Abstimmungsbotschaft für die Gemeindeversammlung vom 10. Dezember veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass sich das Projekt seit der ersten Publikation kaum verändert hat – in zwei wichtigen Punkten jedoch schon:

  • Im Mitwirkungsverfahren wurde eine Verbindung des Rontalzentrums mit dem östlichen Ortsteil gefordert: Eine Passerelle über die Kantonsstrasse. Für deren Bau wurde eine Million Franken vertraglich festgelegt, die Gemeinde zahlt nichts an die zusätzliche Infrastruktur. Dank der Passerelle wird es eine direkte Verbindung vom Dorfkern Dierikon zur S-Bahn-Haltestelle Buchrain geben.
  • Die Mehrwertabgabe wurde aufgrund einer Neubewertung stark erhöht. Statt 1,64 Millionen Franken werden bei Baubeginn satte 3,04 Millionen Franken in die Gemeindekasse fliessen. 

Dank dem Rontalzentrum, seinen Bewohnern und Firmen kann der Steuerfuss langfristig gesenkt werden, ist der Gemeinderat überzeugt. Ab 2024 soll der Steuerfuss auf 1,6 Einheiten sinken, was Dierikon zur steuergünstigsten Gemeinde im Rontal machen würde

Buchrain bemängelt Fuss- und Velowege

Mit der Botschaft werden auch die hängigen Einsprachen publik. Bekanntlich wurde die Abstimmung wegen mehrerer Einsprachen vertagt. An zweien davon haben die Einsprecher festgehalten, sodass diese nun im Rahmen der Abstimmung behandelt werden. 

Eine Einsprache stammt von der Nachbargemeinde Buchrain. Sie moniert, die öffentlichen Fusswege zur S-Bahn-Station seien nicht behindertengerecht geplant, die Velowege nicht sichergestellt. Des Weiteren seien sowohl das Siedlungsleitbild Luzern Ost, das Gesamtverkehrskonzept Luzern Ost wie auch das Hochhauskonzept von Luzern Plus nicht umgesetzt respektive berücksichtigt. 

Der Gemeinderat Dierikon sieht dies anders. Die Fuss- und Velowege seien unabhängig vom Bebauungsplan-Perimeter zu betrachten. Das Anliegen sei aber aufgenommen worden. «Der Fussweg entlang der Bahngleise ist unbefriedigend», räumt Max Hess ein. «Allerdings ist das ein Problem, das schon beim Bau der Mall zu wenig berücksichtigt wurde und nichts mit dem Rontalzentrum zu tun hat.» Den genannten Leitbildern und Konzepten widerspreche das Projekt nicht. Für den Standort sind Hochhäuser von bis zu 60 Metern zulässig. Allerdings wird im Hochhauskonzept ein Wettbewerb für die Gesamtgestaltung gefordert, beim Rontalzentrum wurde aber nur ein Wettbewerb für die Raumplanung durchgeführt. «Da das Hochhauskonzept und der Bebauungsplan gleichzeitig erarbeitet wurden, sieht Luzern Plus von einer Durchsetzung dieser Forderung ab», so Hess.

Die zweite Einsprache stammt von einer Privatperson und fordert, dass das Rontalzentrum im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision aufgelegt sowie zuvor das Siedlungskonzept angepasst werden soll. Denn das Siedlungsleitbild sieht westlich der Kantonsstrasse nur Arbeitsnutzung vor. Der Gemeinderat schreibt, dass der Bebauungsplan aus Effizienzgründen vor der Ortsplanungsrevision behandelt werde, die beiden Projekte seien aber aufeinander abgestimmt. Das Siedlungsentwicklungskonzept werde nach dem Entscheid über den Bebauungsplan überarbeitet und aktualisiert.

Von den Ortsparteien hat sich bisher erst die FDP zum Projekt geäussert – der Parteipräsident steht dem Rontalzentrum eher ablehnend gegenüber.

Erster Gegenwind für die vier Wohntürme in Dierikon

Das Einspracheverfahren zum Dierikoner Rontalzentrum ist eröffnet. Ein Info-Abend am Mittwoch zeigte: Die Bevölkerung hegt gewisse Bedenken, vor allem was den Verkehr und die Mehrkosten betrifft. Die Abstimmung über das Projekt verspricht spannend zu werden.
Simon Mathis