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Einsprachen gegen Grossprojekt: Ist die neue Ballwiler Überbauung zu hoch für das kleine Dorf?

Im Zentrum von Ballwil sollen zehn bis zu 26 Meter hohe Gebäude entstehen. Gegen das Projekt sind nun Einsprachen eingegangen. Und auch das Volk wird noch ein Wörtchen mitreden.
Niels Jost
Sollen Ballwils Zentrum prägen: Vorne die Wohnhäuser mit fünf Etagen, hinten jene mit sieben respektive sechs Stockwerken. (Visualisierung: PD)

Sollen Ballwils Zentrum prägen: Vorne die Wohnhäuser mit fünf Etagen, hinten jene mit sieben respektive sechs Stockwerken. (Visualisierung: PD)

Die Bauprofile ragen bereits in den Ballwiler Himmel und geben einen Eindruck davon, wie gross die Überbauung im Zentrum werden soll. Geplant ist, auf und neben dem ehemaligen Areal der Belimed AG zehn Häuser mit 150 Wohnungen und Gewerberäumen zu realisieren. Acht Häuser sollen fünfstöckig werden, eines sechs- und eines siebenstöckig.

Augenfällig dürfte vor allem Letzteres sein. Das 26 Meter hohe Gebäude soll direkt beim Kreisel der Luzern- und Dorfstrasse gebaut werden. Die Dimensionen geben im Dorf zu reden. «Ein solch hohes Gebäude ist wie die Faust aufs Auge und passt überhaupt nicht in das ländliche Ortsbild», sagt Urs Ulrich. Der Ballwiler ist in der Immobilienbranche tätig. Ulrich findet es zwar richtig, dass das Projekt der inneren Verdichtung gerecht wird. Stossend findet er aber, dass der Gemeinderat ein solches Beinahe-Hochhaus – von einem Hochhaus spricht man ab 30 Metern – in der neu zu schaffenden Dorfzone 2 bewilligen möchte. In anderen Zonen darf man höchstens 16,5 Meter hoch bauen.

Gemeinderätin: Hohes Bauen ist sinnvoll

Die Dorfzone 2 wird im Rahmen der bevorstehenden Ortsplanungsrevision extra für die Überbauung geschaffen. Die Zone ermöglicht unter anderem das hohe Bauen. An dieser zentralen Lage mache das durchaus Sinn, sagt die zuständige Gemeinderätin Petra Jenni (CVP). «Das Areal ist gut erschlossen und befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof.» Die Chance, eine so grosse, zusammenhängende Fläche auf einmal überbauen und somit die einzelnen Häuser aufeinander abstimmen zu können, müsse man nutzen. «Die Gebäude mögen auf den ersten Blick hoch erscheinen. Doch in der Gesamtüberbauung fügen sie sich sehr gut ein, das Projekt ist zukunftsgerichtet», sagt Jenni mit Blick auf die bereits erwähnte innere Verdichtung.

Die Bevölkerung wurde über das Vorhaben erstmals im September vor einem Jahr an der Gewerbeausstellung informiert. Mittlerweile sind die beiden Gestaltungspläne Oberdorf Ost und West öffentlich aufgelegen, bis am vergangenen Montag. Zwei Einsprachen sind dagegen eingegangen. Diese wird der Gemeinderat nun prüfen. Abhängig ist das Projekt auch von der Ortsplanungsrevision, welche noch bis am 19. September öffentlich aufliegt. Voraussetzung für die Realisierung der Dorfzone 2 ist die Zustimmung der Gemeindeversammlung zur Ortsplanung.

Die Gemeindeversammlung soll voraussichtlich im Februar 2019 über das Geschäft befinden. Petra Jenni hofft, dass die Ballwiler der Überbauung wohlgesinnt sind. Denn diese sei für die Entwicklung des ganzen 2785-Seelen-Dorfes wichtig: «Nach den letzten grossen Einzonungen und den darauffolgenden Neubauten ging in jüngster Vergangenheit die Bautätigkeit in unserer Gemeinde zurück. Dadurch konnten wir auch keine Neuzuzüger anziehen, im Gegenteil: Seit Ende 2016 zählen wir 40 Einwohner weniger. Künftig streben wir wieder ein moderates Wachstum an.»

271 Parkplätze sind geplant

Mehr Einwohner bedeutet aber unweigerlich auch mehr Verkehr. Für die Überbauung Oberdorf sollen 271 Parkplätze geschaffen werden, eine Tiefgarage ist vorgesehen. Gemäss einer Studie eines Verkehrsingenieurs werden pro Tag durchschnittlich 210 Fahrzeuge mehr durch Ballwil fahren – in der Abendspitzenstunde sind es zehn Fahrten mehr. Ist das nicht zu optimistisch gerechnet? «Die Studie ist vom Verkehrsaufkommen ausgegangen, als die Belimed AG noch in Betrieb war. Im Vergleich zu damals wird der Verkehr also nicht bedeutend zunehmen», sagt Jenni.

Noch unklar ist, wie die gewerblichen Räume dereinst genutzt werden. Mit potenziellen Mietern laufen derzeit Gespräche, heisst es bei der Anliker AG aus Emmenbrücke. Sie ist wie auch die Galliker Ballwil AG die Bauherrin. Zu den Baukosten möchte man keine konkreten Angaben machen. Sie belaufen sich im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Fest steht bereits, dass es im «Oberdorf» 2½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen geben wird. Neuzuzüger dürfen sich freuen: Können die Einsprachen erledigt werden und sagen die Stimmbürger im Frühjahr Ja zur Ortsplanungsrevision, soll der Rückbau der bestehenden Gebäude im Herbst 2019 erfolgen. Nach zweijähriger Bauzeit können die ersten Wohnungen bereits bezogen werden.

Eine der 150 geplanten Wohnungen mit Blick auf den Pilatus. (Visualisierung: PD)

Eine der 150 geplanten Wohnungen mit Blick auf den Pilatus. (Visualisierung: PD)

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