Kolumne

Einzelmaske: O Fastenzeit, o Fastenzeit

Während der Fasnacht wird gerne überbordet. Nicht so bei Bruäder Jonas. Seine Fastenzeit hat bereits Anfang Januar begonnen.

Bruäder Jonas
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Oh Fastenzeit, oh Fastenzeit, du bist nun wirklich nicht mehr weit.

Ab dem Aschermittwoch wird landauf, landab wieder gefastet, verzichtet auf Süsses und Alkohol. Vorbei ist jene Zeit, in der gerne überbordet wird, in der das Bier wie Wasser die Kehle runterfliesst, in der die Kopfwehtabletten schon am Vortag aufs Nachttischli gelegt werden und in der das eigene Spiegelbild am Tag danach angsteinflössender ist als der beste Horrorfilm.

Als Nachfahre des heiligen Bruäder Chlais hat unsereins den Verzicht ja sozusagen im Blut. Im Jahr 2020 sieht diese Enthaltung eine alkoholfreie Phase vom 1. Januar bis zu einem unbekannten Datum im Juni vor. Miteingeschlossen ist da die Fasnacht: Kein Bier, kein Zwätschgä, kein Holdrio, kein Huerenaff. Doch die Fasnacht ist ja auch ohne Alkohol lustig – dachte ich:

  • Freitagabend, Värsli-Brönzlete, Restaurant Lapin: Auf allen Tischen stehen Weingläser oder Bierhumpen. Die Lust auf einen Schluck ist gross.
  • Samstagabend, rüüdige Samschtig, Theaterplatz: Alle trinken. Ich bleibe lieber zu Hause. Die Lust auf Fasnacht ist klein.
  • Sonntagnachmittag, Umzug, Giswil: die gleichen Leute, der gleiche Kafi-Wagen wie jedes Jahr. Ohne Schnaps schmeckt Kafi nach nichts. Wieder ist die Lust auf das eine gross, auf das andere klein.

Montagnachmittag, Güdismäntig, Maihof: Leicht frustriert über die fehlende Lust an der Fasnacht überlege ich, ob ich ihr doch noch eine Chance geben soll. Sozusagen als Hauptprobe. Bis im Sommer muss ich nämlich noch so manchen Anlass ohne Alkohol überstehen. Denn:

Meine Fastenzeit, meine Fastenzeit,
dauert, bis unsre Tochter erstmals schreit.

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