EINZELMASKE: Seid wie Thomy der Nasenflötist!

Thomy spielt die Nasenflöte. Er spielt sie leidenschaftlich. Es gibt keine Party, an der Thomy nicht irgendwann in seiner Hosentasche kramt, die Finger um das merkwürdige hölzerne Instrument faltet und es sich an die Nase setzt. Und flötet.
Thomy der Nasenflötist in Aktion. (Bild: Screenshot Video uus)

Thomy der Nasenflötist in Aktion. (Bild: Screenshot Video uus)

Thomy nutzt jede Gelegenheit. Er fordert Partygäste auf, zu seinen Beats zu rappen. Er gesellt sich zu den Musikern in der Bar und setzt zum Jam an. Wenn er eine Frau ansprechen will, dann flirtet Thomy nicht. Er flötet. Das ist Thomy.

Es gibt eine Grenze des Zumutbaren. Leider kann Thomys Spiel mit der Nasenflöte diese Grenze überschreiten. Besonders dann, wenn der Gastgeber nach einem kurzen Ständchen längst wieder eine neue Platte aufgelegt hat – Thomy aber fröhlich weiterdudelt. Es liegt nicht an Thomy, es liegt am Instrument. Die Nasenflöte weckt erst das Interesse des Zuhörers, tönt dann witzig, langsam ermüdend, nervt schliesslich. Ist einfach so.

Es ist Thomys Enthusiasmus zu verdanken, dass das Publikum meist geduldig bleibt. Ausser in dieser einen Bar, die Thomy einst unfreiwillig verlassen musste. Dabei wollte er doch einfach Teil der Band sein. Seither wechseln Thomys Freunde einfach das Lokal, wenn es brenzlig wird. Meist folgt er ihnen, die Flötenklänge hinterher.

Ein paar Tage im Jahr stösst der nasal gepustete Sound aber uneingeschränkt auf Gegenliebe. Man ahnt es: Es kann nur die Fasnacht sein. Thomy läuft jeweils zu Höchstform auf, wenn er gegen den geballten Druck der Bläserfraktion einer Guggenmusig anpfeift. Je lauter er das Instrument spielt, desto schriller und höher werden die Töne. Thomys Kopf wird dann langsam rot. Solange seine Beine tanzen, geht es ihm gut. Manch Posaunist hat sich schon erstaunt umgedreht, wenn Thomy mit der Flöte in der Nase die Melodie lauter rausposaunt, als der Guugger selbst. Nicht selten wird Thomy dann adoptiert und verschmilzt mit der Katzenmusik. Stundenlang. Alle freut’s.

Wer also in den kommenden Tagen ein Pfeifen im Ohr hat, trifft vielleicht auf Thomy mit seiner Nasenflöte. Man wird ihn an der Hand vor dem Gesicht und dem roten Kopf erkennen. Seine Beine bewegen sich dann meist rhythmisch stampfend. Aber auch wer Thomy dieses Jahr verpassen sollte, kann von ihm lernen: Tut das, was ihr am liebsten tut, auch wenn es anderen gelegentlich auf die Nerven geht. Seid wie Thomy! An der Fasnacht werden sie Euch dafür feiern.

Der Schornolist
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