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EISENGASSE: Streit um Altstadt-Beiz eskaliert

Das «Fondue House» muss schliessen. Der Inhaber kämpfte bis vor Bundesgericht für einen Weiter-betrieb – vergebens. Dennoch will er noch nicht aufgeben.
Robert Knobel
Das Fondue House läuft gut. Dennoch wurde dem Besitzer gekündigt. (Symbolbild Neue LZ)

Das Fondue House läuft gut. Dennoch wurde dem Besitzer gekündigt. (Symbolbild Neue LZ)

Robert Knobel

Vor fünf Jahren erhielt Hans P. Wanner, Besitzer des «Fondue House» in der Eisengasse, die Kündigung per Herbst 2012. Doch Hans P. Wanner ist bis heute geblieben. «Ich gehe erst, wenn die Polizei einen Räumungsbefehl vollstrecken muss», sagt er. So weit ist es bisher noch nicht gekommen, doch Mitte dieser Woche verschärfte sich der Konflikt zwischen Wanner und dem Hausbesitzer.

Türschlösser ausgewechselt

Das Haus gehört der Liag AG, deren Verwaltungsratspräsident ist der Eschenbacher Unternehmer Adrian Amstutz. Er liess am Mittwoch die Schlösser des «Fondue House» auswechseln, um Wanner zum Einlenken zu bewegen. «Er liess auch Tische und Stühle abtransportieren, damit ich das Lokal nicht mehr benützen kann», sagt Wanner. Er versuchte gestern mit seinen Mitarbeitern, sich mit einer Bohrmaschine Zugang zum Restaurant zu verschaffen. Denn solange kein rechtskräftiger Ausweisungsentscheid vorliege, habe man kein Recht, ihn aus dem Haus zu werfen, erklärt Wanner. Ein von Amstutz beantragtes Ausweisungsverfahren ist zurzeit noch vor Bezirksgericht hängig – ein Entscheid wird für Anfang nächster Woche erwartet.

Von der Drogen- zur Vorzeigegasse

Wie konnte die Situation derart eskalieren? Dazu muss man zwei Jahrzehnte zurückblättern. Damals war die Eisengasse als «Drogengasse» verpönt. Mitten in der Altstadt gelegen, wurde die Gasse von den meisten Passanten gemieden – und kein Geschäftsmann wollte dort investieren. Doch Hans P. Wanner packte die Chance und konnte die Liegenschaft an der Eisengasse 15 günstig mieten. Die Monatsmiete von knapp 7000 Franken für rund 100 Quadratmeter wurde nie erhöht. Doch heute ist die Eisengasse genauso pittoresk wie die übrige Altstadt, die Liegenschaften haben stark an Wert gewonnen. Der Mietvertrag wurde zwar mehrfach verlängert, doch per Herbst 2012 war Schluss. Wanner ist daraufhin vor die Schlichtungsstelle gegangen. «Das ‹Fondue House› läuft gut. Ich könnte heute auch mehr Miete bezahlen», sagt er. Diesen Monat hat er sogar freiwillig den Mietbetrag um 30 Prozent erhöht.

Bundesgericht entschied im März

Doch eine Einigung wurde bisher nicht erzielt. Im vergangenen März wurde Wanners Anliegen auch vom Bundesgericht abgewiesen. Seither versucht Adrian Amstutz, seinen Mieter zum Verlassen der Räumlichkeiten zu bewegen. Gestern erschien er mit seinem Anwalt in der Eisengasse, um mit Wanner zu reden. Dieser wartete derweil mit seinen Mitarbeitern vor der Restauranttür, die er nicht mehr öffnen konnte. Wie es weitergeht, ist immer noch unklar. «Wir werden sehen», sagte Adrian Amstutz gestern lediglich, als er unverrichteter Dinge wieder abzog. Der Fall sei klar – Wanners Restaurant befinde sich seit dem letztinstanzlichen Entscheid des Bundesgerichts nicht mehr rechtmässig in dem Haus. Wanner sieht dies anders – «das haben mir auch Beamte der Luzerner Polizei vor Ort bestätigt». Er werde deshalb gegen das Auswechseln der Schlösser Klage einreichen.

Weitere Zukunft ist unklar

Was mit den Räumlichkeiten des «Fondue House» geschieht, ist gemäss Amstutz noch unklar. Entsprechende Pläne seien noch nicht spruchreif. Hans P. Wanner ärgert sich derweil, «dass nun ein weiteres Traditionslokal in der Altstadt völlig unnötigerweise zu verschwinden droht». Sobald der Besitzer ein konkretes Umbauprojekt oder einen Nachmieter präsentieren könne, werde er das Lokal sofort räumen, sagt Wanner.

Bevor das Lokal in «Fondue House» umbenannt wurde, hiess es «Walliser Spycher». Im Sommer geniessen dort Touristen traditionelle Schweizer Spezialitäten, im Winter seien es vor allem Einheimische, die den urchigen Charakter des Lokals schätzen, sagt Wanner. «Ich habe ein halbes Arbeitsleben damit verbracht, eine Idee zum Erfolg zu bringen.» Deshalb schmerze das Ende des «Fondue House» umso mehr. Er sei schon 66 Jahre alt und kämpfe nicht für sich selber, sondern für einen «gesunden Branchenmix in der Altstadt».

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