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EISKUNSTLAUF: Harte Arbeit für eine Eisprinzessin

Sie ist noch nicht 16 Jahre alt und trainiert 20 Stunden in der Woche. Wendy Zimmermann aus Ennetmoos hat sich grosse Ziele gesetzt, auch wenn sie Durchhänger wegstecken muss.
Wendy Zimmermann, hier beim Training in Hochdorf, könnte schon bald bei den Eliten an den Start gehen. (Bild Philipp Schmidli)

Wendy Zimmermann, hier beim Training in Hochdorf, könnte schon bald bei den Eliten an den Start gehen. (Bild Philipp Schmidli)

Theres Bühlmann

Sie sind Schwerarbeiterinnen, «fleissige Bienchen». Wie Kunstturnerinnen und Sportgymnastinnen nehmen die Eiskunstläuferinnen ein gerüttelt Mass an Training auf sich. Auch die in Ennetmoos wohnhafte Wendy Zimmermann. Noch nicht 16-jährig, trainiert sie in der Woche rund 20 Stunden, reist in der Schweiz von Eishalle zu Eishalle, unter anderem nach Bäretswil, nach Aarau, nach Küssnacht und nach Hochdorf zu ihrem Verein. Ihre Trainerinnen im Seetal sind Olga Parshina-Wigger, die seit 2011 bei den Ice Skating Stars Hochdorf tätig ist, und Elena Stadelmann. Parshina absolvierte in Moskau ein Sportstudium mit Spezialausbildung Eiskunstlauf und war als Profiläuferin weltweit tätig. «Sie ist eine strenge Trainerin, aber ich mag das und habe grosses Vertrauen in sie», sagt Wendy Zimmermann. «Ich habe nicht erwartet, dass ich so grosse Fortschritte mache.»

Wendy Zimmermann begann im Alter von sechs Jahren mit ihrem Sport, Auslöser war ein Eislaufdress. «Wir waren mit Verwandten auf dem Eisfeld in Luzern, da sah ich an der Kasse diese Kleider, ich wollte unbedingt auch eines. Meine Mutter sagte damals, wenn du diesen Sport machst, dann bekommst du ein solches Dress. Und ich entschied mich für das Eiskunstlaufen.»

Die Frühaufsteherin

Nun steht sie täglich um 6.30 Uhr auf, besucht am Vormittag die Schule in Luzern (Frei’s Talent School), der Nachmittag ist für das Training reserviert, abends kehrt sie wieder nach Hause zurück, «da bleibt wenig Zeit, um zum Beispiel noch vor den Fernseher zu sitzen», sagt sie. Bis ein Kurzprogramm, dieses dauert 2:40 Minuten, und die Kür von einer Länge von 3:40 stehen, braucht es Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit. Unterstützung bekommt sie von ihren Eltern: Ihre Mutter Marianita hilft ihr jeweils bei der Auswahl der Kürkleider, welche in den USA nach Mass bestellt werden, und Vater Walter verrichtet Fahrdienste. «Ohne die Hilfe meiner Eltern würde es nicht gehen», so Wendy Zimmermann. Beide verfolgen natürlich die Vorträge ihrer Tochter auf dem Eis. «Meine Mutter ist jeweils zu nervös, sie mag gar nicht so richtig hinschauen, sieht sich dann aber später alles auf einem Video an.» Anders hingegen ihr Vater: «Er ist ein kritischer Zuschauer.»

Die Premiere in Zug

Am vorletzten Wochenende zeigte die Nachwuchs-Vize-Schweizer-Meisterin von 2014 bei der Kolin-Trophy in Zug zum ersten Mal in einem Wettkampf einen Dreifachsprung. Der dreifache Lutz, ihr Lieblingssprung, gelang noch nicht nach Wunsch, nun wird aber daran gearbeitet und gefeilt, bis er perfekt auf das Eis gezaubert werden kann. Zudem beherrscht sie bald alle Dreifachsprünge. Der dreifache Salchow und der dreifache Toeloop sind bereits in der Kür integriert, auch der Doppelaxel. Zudem hofft sie, den dreifachen Flipp bis im Sommer zu meistern. «Wenn ich all diese Dreifachsprünge beherrsche, kann ich auch international starten», sagt sie. «Und bei den Pirouetten weise ich bereits internationales Level auf.» Dass sie so weit gekommen ist, dies verdanke sie ihren Trainerinnen, «die zwar viel fordern, aber ein unglaubliches Gefühl und Gespür haben, den Läufern diese schwierigen Sprünge beizubringen». Und vor einem Wettkampf versucht Wendy Zimmermann alles auszublenden, sich voll auf ihren Vortrag zu fokussieren, «und manchmal», sagt sie, «bete ich».

Die Musik sucht sie zusammen mit ihrer Trainerin aus, «ich mag es eher schnell und rassig», sagt sie, und auch, was ihre Choreografie anbelangt, hat sie ein Mitspracherecht. «Ich gebe jeweils Inputs, die wir dann einfliessen lassen.» Augenmass wird auch auf das Essen gelegt. «Ich ernähre mich gesund, esse nicht zu viel Schokolade, und nach 18 Uhr gibt es nur noch Salat», sagt sie. «Und nein, ich stehe nicht jeden Tag auf die Waage.»

Kurz vor der Aufgabe

Auch wenn Wendy Zimmermann eine aufgestellte und fröhliche Person ist und ihren Sport über alles liebt ein voller Terminkalender kann schon mal nachdenklich stimmen. «Im letzten Sommer hatte ich einen Durchhänger und dachte ans Aufhören», erzählt sie. «Aber ich habe schon so viel in diesen Sport investiert, da wäre es schade gewesen, alles hinzuschmeissen.»

In zwei Wochen steht für Wendy Zimmermann der Goldtest an. Falls sie diesen besteht, wird sie berechtigt sein, bei der Elite zu starten. Ende Februar muss sie wieder vor der Jury erscheinen, dann geht es darum, ob sie in die Junioren-Nationalmannschaft aufgenommen wird. Im April hat sie dann Gewissheit, ob diese Zielsetzung in Erfüllung geht.

Jedenfalls plant sie ihre sportliche Karriere Schritt für Schritt: irgendeinmal ihr Können auf das internationale Parkett zu zaubern. Und natürlich träumt sie auch, wie jeder Sportler, wie könnte es anders sein, von Olympischen Spielen. Bei so vielen Trainingseinheiten, 1000 Schweisstropfen für drei Minuten perfekte Harmonie, einhergehend mit viel Verzicht, ein durchaus nachvollziehbares Ziel.

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