EISZENTRUM: Rote Karte für zwei Eislauftrainerinnen

Zwei Eislauftrainerinnen aus Hochdorf sind in Luzern nicht mehr willkommen. Für sie ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar.

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Das Regionale Eiszentrum im Tribschenquartier. (Bild: Archiv Neue LZ)

Das Regionale Eiszentrum im Tribschenquartier. (Bild: Archiv Neue LZ)

Hugo Bischof

Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick fast grotesk: Die Ice Skating Stars (ISS) Hochdorf, ein erfolgreicher Eislaufverein mit hervorragendem Elite- und Nachwuchskader, bestellen für das diesjährige Sommertraining Eiszeiten im Regionalen Eiszentrum Luzern (REZ). Die Antwort der REZ-Leitung lässt lange auf sich warten. Dann, als sie endlich kommt, hat sie Sprengkraft. Im Brief von REZ-Geschäftsführer Stefan Schlatter an den ISS-Vorstand, der unserer Zeitung vorliegt, heisst es zunächst ganz unverfänglich: «Sämtliche Läufer des ISS Hochdorf sind bei uns herzlich willkommen.» Doch dann folgt der Satz, der aufhorchen lässt: Man habe aufgrund von Erfahrungen und zahlreichen negativen Rückmeldungen anderer Nutzer «grosse Bedenken», dass der Eisbetrieb in Luzern mit den zwei Trainerinnen des ISS einwandfrei funktionieren könne.

«Wir haben keine Freude»

Konsequenz: Die beiden ISS-Trainerinnen Elena Stadelmann und Olga Parshina-Wigger werden explizit darauf hingewiesen, dass ihre Anwesenheit beim «kombinierten Patcheis im Sommerbetrieb» des REZ Luzern nicht erwünscht sei. «Kombiniertes Patcheis» bedeutet, dass mehrere Nutzer gleichzeitig trainieren. Sommerbetrieb gibts im Eiszentrum Luzern heuer erstmals – seit 6. April bis 16. August. Die Hochdorfer Eisläuferinnen selber dürfen also weiter nach Luzern kommen. Nicht aber ihre Trainerinnen. «Es ist uns bewusst, dass dies eine grosse Einschränkung darstellt», schreibt Stefan Schlatter, «und wir haben keine Freude, solch unpopuläre Entscheide zu ­fällen.»

Andere Läuferinnen gestört?

Was ist vorgefallen, dass die REZ-Leitung zu einer solch drastischen Massnahme greift? «Die Spielregeln beim Patcheis sind weltweit die gleichen», sagt Stefan Schlatter auf Anfrage. «Sind vier Trainerinnen mit zwanzig Läuferinnen gleichzeitig auf dem Eis, muss man gegenseitig Rücksicht nehmen.» Das sei im Fall der beiden Hochdorfer Trainerinnen nicht immer der Fall gewesen. Um ein konkretes Beispiel gebeten, sagt Schlatter: «Nimmt eine Läuferin für einen Sprung Anlauf, darf sie von den Läuferinnen der anderen Trainerinnen in ihrer Konzentration nicht gestört werden. Leider kam es in solchen Situationen häufig dazu, dass die Hochdorfer Trainerinnen ihre Läuferinnen den anderen einfach über den Weg laufen liessen.» Einfachste Grundregeln des sportlichen Zusammenseins auf dem Eis hätten so nicht funktioniert, sagt Schlatter. Das hätten viele Angehörige anderer Eisclubs beanstandet.

Bei den ISS Hochdorf löste das Schreiben aus Luzern Bestürzung aus. Besorgte Eltern von Kindern, die bei den Ice Skating Stars trainieren, wandten sich daraufhin ihrerseits mit einem Schreiben an Stefan Schlatter.

«Wir sind schlicht geschockt», heisst es darin. Was die REZ-Leitung verlange, sei «absolut unzumutbar und geradezu willkürlich». Dass die Hochdorfer Eisläuferinnen mit einem anderen Trainergespann nach Luzern komme, sei nicht machbar: «Jeder und jedem ist bekannt, dass effektives Training auf diesem Niveau ein tiefes Vertrauensverhältnis zwischen Athletin, Eltern und Trainer voraussetzt. Wäre dies nicht vorhanden, würden unsere Kinder nicht beim ISS Hochdorf trainieren. Wie soll ein effizientes Training mit Trainern stattfinden, welche die Kinder gar nicht kennen?»

Bei den ISS Hochdorf trainieren zurzeit vier Teilnehmer für Schweizer Meisterschaften. Zwei Läuferinnen erzielten in den letzten Jahren einen Vize-Schweizer-Meister-Titel. Eine der viel versprechendsten ISS-Nachwuchshoffnungen Wendy Zimmermann porträtierten wir kürzlich in unserem Sportjournal (Ausgabe vom 3. Februar). «De facto verweigert die Eiszentrum Luzern AG unseren Kindern einfach das Training», halten die entrüsteten Eltern fest.

«Wir hatten noch nie Probleme»

Was sagen die betroffenen Trainerinnen selber? Elena Stadelmann nimmt auf Anfrage unserer Zeitung Stellung zu den Vorwürfen. «Diese sind für uns nicht nachvollziehbar», betont sie. «Wir hatten nie Probleme mit anderen Clubs oder deren Trainerinnen.» Natürlich, so Stadelmann, könne es zu Situationen kommen, «in denen eine Läuferin einer anderen aus Versehen in den Weg fährt; das lässt sich bei 10 bis 20 Läuferinnen auf dem Eis nicht vermeiden, und Läuferinnen und Trainer sind es gewohnt, damit sportlich umzugehen.» Dass die Leitung des REZ daraus nun ein Problem kreiere – notabene auf Grund von Vorfällen, die angeblich vor drei Jahren passierten – sei unglaubwürdig und töne eher nach einer «Ausrede».

Sommer-Patcheiszeiten im REZ kosten zwischen 15 und 18 Franken pro Stunde und Läuferin. Die Ice Skating Stars Hochdorf beantragten, verteilt über zehn Wochen, Patcheis-Zeiten für insgesamt rund 35 000 Franken im REZ. Dieses offerierte den Hochdorfern – nach Abzug bereits vergebener Zeiten – Patcheis im Wert von insgesamt 25 000 Franken.

10 000 Franken Mindereinnahmen

Inzwischen sind viele dieser Eiszeiten nun an andere Interessenten vergeben. «Das betrifft rund 15 000 Franken», sagt Stefan Schlatter. Nach seiner Rechnung entgehen der REZ-Kasse also etwa 10 000 Franken. «Natürlich ist das bedauerlich», sagt Schlatter. Aber er bleibt dabei: «Die Massnahme ist aus Fairness-Gründen und zum Schutz der sich korrekt verhaltenden Eisläufer unvermeidlich. Anders wäre ein geregelter Betrieb nicht möglich.»

Für die Ice Skating Stars Hochdorf ist die Situation schwierig. «Nach Erhalt des Schreibens der REZ-Leitung hatten wir nur zweieinhalb Wochen Zeit, Alternativen in anderen Eiszentren zu suchen, was fast unmöglich ist», sagt Elena Stadelmann. Dazu komme, dass etwa für ein Training in Bäretswil im Kanton Zürich drei bis fünf Stunden Fahrzeit dazukommen. «Darunter leiden zu allererst die Läuferinnen», sagt Stadelmann.

Einige Läuferinnen der Ice Skating Stars Hochdorf besuchen die Kantonsschule Luzern. «Sie gehen täglich am Eiszentrum Luzern vorbei und verstehen nicht, weshalb sie mit ihren Trainerinnen nicht mehr aufs Eis dürfen», sagt eine betroffene Mutter. Elena Stadelmann hofft weiterhin auf eine einvernehmliche Lösung mit dem REZ Luzern: «Wir baten Stefan Schlatter mehrmals um einen runden Tisch mit offener Aussprache – bisher ohne Erfolg.»

Stadt hält sich aus Streit heraus

Die REZ AG gehört zu 46,55 Prozent der Stadt Luzern. Diese will sich allerdings nicht in diesen Streit einmischen. Die REZ AG sei eine private AG, sagt die städtische Kultur- und Sportchefin Rosie Bitterli. Sie sei Eigentümerin des Eisfeldes und betreibe dieses auch selber. Aus Sicht des Verwaltungsrats seien beim neuen Sommereis-Angebot alle willkommen, die sich auf dem Eis sportlich und anständig verhalten, so Bitterli. Für die operative Umsetzung dieses Angebots sei Stefan Schlatter mit seiner Crew zuständig: «Da muss es ihm auch erlaubt sein, dass Personen oder Clubs, die auf der Anlage für Unstimmigkeiten und Unfrieden sorgen, nicht zugelassen werden – dies im Interesse der andern Nutzer.»