Eklat bei Stadtluzerner SVP-Versammlung: «Bonzanigos Nomination war ein Fehlentscheid»

An der Versammlung der Partei am Montagabend gerieten sich Mitglieder und die Parteileitung in die Haare. Die Uneinigkeit sendet kein gutes Signal Richtung FDP, von der man Unterstützung bei den Wahlen erwartet.

Roman Hodel
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Silvio Bonzanigo.

Silvio Bonzanigo.

Bild: Pius Amrein

«Jetzt reichts, es ist Matthäus am Letzten», sagte Dieter Haller, Präsident der Stadtluzerner SVP, mit ernster Miene. «Wir hatten bereits bei der Nomination kontroverse Diskussionen, und ich will diese nicht noch einmal führen, denn wir haben abgestimmt – und sonst bin ich der falsche Präsident.» Dann war es für ein paar Sekunden mucksmäuschenstill.

Es war das Ende einer laut Haller «lebendigen» Parteiversammlung am Montagabend im Restaurant Schützenhaus in Luzern. Eine, wie es sie noch selten gegeben hat. Das fanden selbst langjährige Parteimitglieder. Grund: Mehrere von ihnen taten ihren Unmut kund über die Nomination von Silvio Bonzanigo als Stadtratskandidat der SVP im letzten Herbst. Ex-Grossstadtrat Yves Holenweger konfrontierte Bonzanigo, der bis letzten Mai noch bei der CVP war, mit dessen früherem Abstimmungsverhalten und sagte etwa:

«Wenn jemand wie er noch vor einem Jahr sagt, wertkonservativ sei nicht zielführend, dann habe ich ein Problem, denn die SVP ist wertkonservativ.»

Während Bonzanigo seinen Meinungsumschwung wortreich erklären konnte, kam Holenweger kaum zu Wort. Was dieser gegenüber der Parteileitung energisch wie folgt kommentierte: «Ich darf nicht mal ausreden, es ist eine Frechheit.»

Unterstützung bekam er von Grossstadträtin Lisa Zanolla: «Wo, wenn nicht an einer Mitgliederversammlung, kann man diskutieren?» Sie sei auch nicht glücklich mit dem Kandidaten und wisse, dass er wenig Support geniesse in der Partei. «Seine Nomination war ein Fehlentscheid», sagte Zanolla und fügte an:

«Die SVP hat ohnehin schon ein angeschlagenes Image, und nun werden wir noch mehr belächelt.»

Präsident Haller sagte daraufhin nur: «Was ich nicht ausstehen kann, ist, wenn man Beschlüsse wieder umkippen will oder mit Themen kommt, die längst geklärt sind.»

Klar ist schon jetzt: Die Versammlung vom Montagabend sendet kein gutes Signal an die FDP und deren Mitgliederzusammenkunft vom Dienstagabend. Denn von dieser erwartet die SVP die Unterstützung ihres Kandidaten Bonzanigo als Stadtrat. Dies, weil die SVP umgekehrt am Montagabend ihren Support von Martin Merki als Kandidat fürs Stadtpräsidium bekräftigt hat und dafür Bonzanigo aus dem Stapi-Rennen nimmt. Der FDP-Stadtrat war selber im Schützenhaus zugegen und rührte die Werbetrommel für sich. Haller betonte vor den Mitgliedern erneut: «Wir verzichten nicht ohne Zugeständnisse auf unseren Stapi-Kandidaten.» Es dürfte allerdings schwierig werden. FDP-Präsident Fabian Reinhard zeigte sich gegenüber unserer Zeitung schon im Dezember skeptisch: Der Parteiübertritt und die Kandidatur Bonzanigos seien zu kurzfristig gekommen. Haller gab sich gestern unbeirrt: «Wir werden am Dienstagabend gespannt zur FDP schauen.»

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