EMMEN: «Abwarten wäre meine einzige Chance»

Morgen beginnt das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest. OK- und Gemeindepräsident Rolf Born (50) verrät, wann er seinen letzten «Hosenlupf» hatte.

Interview Christian Hodel
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Rolf Born, OK-Präsident des Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfests und Emmer Gemeindepräsident, stieg gestern symbolisch in die Schwingerhosen. (Bild Nadia Schärli)

Rolf Born, OK-Präsident des Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfests und Emmer Gemeindepräsident, stieg gestern symbolisch in die Schwingerhosen. (Bild Nadia Schärli)

Rolf Born, was ist ein Wyberhaken?

Rolf Born: Der Wyberhaken ist ein spezieller Schwung. Aus dem Stand heraus hakt man beim Gegner mit dem Fuss zwischen die Beine. Praktisch eingesetzt habe ich den Griff noch nie, ich war selbst nie Schwinger.

Wann hatten Sie Ihren letzten «Hosenlupf»?

Born: 2010 am Gerliswiler Nachwuchsschwinget. Damals lupfte ich den Präsidenten des Schwingklubs Luzern und Umgebung in die Luft. Allerdings nur auf den Wunsch eines Fotografen.

Und am Sonntag? Steigen Sie dann wieder in die Schwingerhosen?

Born: Nein. Ich kann wirklich überhaupt nicht schwingen, ich organisiere lieber. Das ist gesünder für mich und die Schwinger.

Angenommen, Sie stünden am Wochenende im Sägemehl: Was wäre Ihre Taktik?

Born: Ich würde auf Abwehr setzen. Ich habe keine wirkliche Schwingerpostur. Abwarten und gegnerische Fehler ausnützen, das wäre meine einzige Chance.

Welche Beziehungen haben Sie zum Schwingsport?

Born: Mich fasziniert Schwingen. Es verbindet Spitzensport und Tradition. Zudem wird im Schwingsport der gegenseitige Respekt grossgeschrieben. Das ist leider in anderen Sportarten nicht immer der Fall.

Im Fussball zum Beispiel?

Born: Auch im Fussball, manchmal. Ich spiele selber, im FC Kantonsrat.

Sie sind Gemeinde- und Kantonsrat: Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen dem Schwingen und der Schweizer Politik?

Born: Das Schwingen und die Politik sind beides Erfolgsmodelle. In beiden Bereichen geht es um Tradition und den Umgang mit Neuem.

Auf Ihrer Website zeigen Sie sich im Fussballtrikot neben dem französischen Fussballfunktionär Michel Platini. Hand aufs Herz: Was mögen Sie lieber – Fussball oder Schwingen?

Born: Das ist eine fiese Frage. Aber ehrlich gesagt: Fussball.

Die «Bösen» – so werden die besten Schwinger bezeichnet. Gilt dies auch in Ihrem Metier, der Politik?

Born: Ein «böser» Schwinger wird von den Gegnern respektiert. Er ist athletisch und beherrscht die Sportart. Der Titel ist eine grosse Auszeichnung. In der Politik haben Polit-Schwergewichte den gleichen Status.

Geht ein Gang nach Ablauf der Zeit ohne Sieger aus, nennt man dies «gestellt». Wann mussten Sie sich das letzte Mal mit einem Unentschieden begnügen?

Born: Ein gestellter Gang ist in der Politik unbefriedigend, weil man nicht weiterkommt. Im Moment erleben wir dies gerade bei der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, wo alles stillsteht.

Schwingen, Älpler, Ländlernacht: Alles ziemlich urchige Begriffe, mit denen Emmen wenig am Hut hat.

Born: Das stimmt so nicht ganz. Emmen ist sowohl städtisch wie auch ländlich. Innerhalb von zehn Minuten ist man in einem Naherholungsgebiet.

Wieso ist Schwingen auch für Städter sexy?

Born: Schwingen ist ein dynamischer und athletischer Sport in Verbindung mit traditionellen Werten. Das fasziniert auch Städter. Zudem ist es eine urschweizerische Eigenart und impliziert für viele auch ein Gefühl von Heimat.

Gestern hat der Emmer Gemeinderat die Arena besichtigt. Ist man auf Kurs?

Born: Die Arena steht. Auch dank den vielen freiwilligen Helfern und den 30 Zivilschützern. Jetzt kommt noch das Sägemehl, und die Festwirtschaften werden fertig eingerichtet.

Wie viele Tonnen Sägemehl werden hergeschafft?

Born: Genau weiss ich das nicht. Aber es sind schon ein paar Lastwagen voll.

Ein Fest ist immer auch mit Risiken verbunden. Stichworte sind Prügeleien und Vandalismus. Haben Sie Angst vor solchen Entgleisungen?

Born: Nein. Schwingfeste sind friedliche Veranstaltungen. Mögliche Risiken haben wir analysiert, die notwendigen Massnahmen zur Risikominimierung wurden getroffen – nur das Wetter können wir natürlich nicht beeinflussen.

Hinweis

Für den Sonntag sind noch wenige Tickets erhältlich. Diese können ab 15 Franken bei der Manor-Vorverkaufsstelle im Emmen-Center bezogen werden. Weitere Infos zum Fest gibts auf www.isv2013.ch.