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EMMEN: «Anonymität kannten wir nicht»

Innert drei Jahren hat sich das Sonnenhofquartier stark verändert: Mitten in die frühere Arbeitersiedlung der Viscose wurden 15 Wohnblöcke gebaut. Das hat Auswirkungen auf das Quartierleben.
Beatrice Vogel
Judith Suppiger und Patrick Schnellmann im Sonnenhofquartier vor den Neubauten. Im Hintergrund eines der gelben Arbeiterhäuser der Viscose. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmen, 11. September 2017))

Judith Suppiger und Patrick Schnellmann im Sonnenhofquartier vor den Neubauten. Im Hintergrund eines der gelben Arbeiterhäuser der Viscose. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmen, 11. September 2017))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Betritt man das Sonnenhofquartier in Emmen, fällt der Blick auf die älteren, gelb angestrichenen Häuser. Sie wurden ab 1916 von der Viscose-Fabrik für ihre Arbeiter erstellt. Zwischen Sonnenplatz, Sprengi, Autobahn und Bahngleisen standen die nunmehr schützenswerten Häuser jahrzehntelang allein inmitten üppiger Gärten. Geht man heute ins Herz des Quartiers, stehen dort, wo einst Schrebergärten waren, moderne Wohnblöcke. Die 15 Gebäude mit total 112 Eigentums- und Mietwohnungen inklusive Tiefgarage sind nun praktisch fertig und zu einem Grossteil bezogen. Die neue Überbauung – von der Bauherrschaft «Sonnengarten» genannt – durchschneidet die historische Gartenhaussiedlung wie eine Mittellinie.

Objektiv betrachtet fügen sich die Neubauten relativ harmonisch in die Umgebung ein. «Wir sind zufrieden mit dem Resultat, die neuen Häuser sind keine Fremdkörper», sagt Bauvorsteher Josef Schmidli (CVP) und fügt an: «Die Verdichtung ist nach wie vor richtig.» Und wie wird der neue Quartierteil von Alteingesessenen wahrgenommen? Bei einem Rundgang geben uns zwei hier wohnhafte Einwohnerräte einen Einblick.

Bauarbeiten verliefen harzig

«Seit geraumer Zeit sind wir praktisch abgeschnitten von der westlichen Hälfte des Quartiers», sagt Einwohnerratspräsidentin Judith Suppiger (SP). Sie wohnt in der Celtastrasse, östlich der neuen Überbauung. Wegen der Bauarbeiten wurde die Strasse, die mitten durchs Quartier führt, gesperrt. «Der Vorteil davon ist, dass wir keinen Schleichverkehr mehr haben», ergänzt Patrick Schnellmann, CVP-Einwohnerrat und Quartiervereinspräsident im Sonnenhof. Er ist an der Celta­strasse aufgewachsen und wohnt vis-à-vis von Judith Suppiger.

Im Gespräch mit den beiden zeigt sich, dass die Wahrnehmung der Neubauten stark unter dem Eindruck der dreijährigen Bauarbeiten steht. «Wenn man bedenkt, in was für eine Gemeinschaft hineingebaut wurde, hätte die Kommunikation seitens der Bauherrschaft viel besser sein müssen», so Schnellmann. Es habe kaum detaillierte Informationen für Anwohner gegeben, Änderungen seien nicht angekündigt worden.

Bis der Baustart des 60-Millionen-Franken-Projekts der Pax Liegenschaften AG erfolgte, waren seit Planungsbeginn zehn Jahre verstrichen und zahlreiche Einsprachen eingegangen. Auch während des Baus kam es zu Verzögerungen wegen Altlasten im Boden, unterirdischen Bächen und einem abgesenkten Haus. «Alle, die hier ein Grundstück besitzen, waren einmal im Zwist mit den Bauherren», sagt Schnellmann. «Aber das ist kein Wunder, bei dieser Operation am offenen Herzen.» Man hätte «vielerorts optimaler vorgehen können», räumt Bauvorsteher Josef Schmidli ein. Die Quartierstruktur mit den Gärten, alte Leitungen im Boden und die Erschliessung hätten die Baustelle zur Herausforderung gemacht.

Hoffnung auf offene Neuzuzüger

Ist es möglich, dass sich die Ressentiments der Anwohner gegen die Bauarbeiten auf die neuen Quartierbewohner überträgt? «Diese Befürchtung besteht, wir hoffen aber natürlich, dass sie nicht eintritt», so Schnellmann.

Suppiger, die seit rund vier Jahren im Quartier wohnt, beschreibt, wie es ist, hier zu leben: «Jeder kennt jeden, wir helfen einander gegenseitig aus, plaudern über den Gartenzaun hinweg und veranstalten spontane Feste. Anonymität kannten wir nicht.» Mit der neuen Überbauung sei es nun möglich, anonym zu bleiben. Anders als etwa in der Feldbreite, wo ein ganzes Quartier neu entstand, gibt es hier bestehende Sozialstrukturen. Die beiden Einwohnerräte hoffen deshalb, dass die Neuzuzüger den Kontakt im Quartier auch suchen, und erwarten dadurch eine neue soziale Durchmischung. «Am Quartierfest waren dieses Jahr einige neue Anwohner dabei. Sie waren sehr offen, und wir kamen sofort ins Gespräch», so Schnellmann.

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