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EMMEN: «Bei uns wird nicht geschlafen»

Die Gemeinde hat immer mehr Einwohner. Für Finanzvorsteher Urs Dickerhof (SVP) ist klar: Nun muss die Verwaltung ausgebaut werden.
Interview Sandra Monika Ziegler
Urs Dickerhof (SVP) will die Verwaltung von Emmen ausbauen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Urs Dickerhof (SVP) will die Verwaltung von Emmen ausbauen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Interview Sandra Monika Ziegler

Urs Dickerhof, Emmen soll massiv wachsen. Wie wirkt sich das auf die Finanzen aus?

Urs Dickerhof: Die Gleichung mehr Leute und mehr Ausgaben ist auch gleich mehr Steuern, geht nicht zwangsläufig auf. Es gibt keinen parallel linearen Anstieg von Steuereinnahmen, Ausgaben und Bevölkerung. Trotzdem: Ein Wachstum kann durchaus positiv sein.

Kann Emmen den Steuerfuss halten?

Dickerhof: Wir haben seit Mitte der Neunzigerjahre den Steuerfuss behalten, das ist eine Geradeausgeschichte. Wenn durch Landverkäufe die Bilanzfehlbeträge ausgeglichen werden können, sollte es keine Veränderungen geben. Geplant ist jedenfalls keine Änderung, weder nach oben noch nach unten.

In Emmen wurde zuweilen Kritik laut, dass bei neuen Überbauungen die Zufahrtswege nicht ausgebaut werden.

Dickerhof: Wenn etwas fehlt, wird bei uns auf hohem Niveau gejammert. Speziell in Bezug auf den Verkehr. Wenn ich jedoch jetzt aus meinem Bürofenster schaue, rollt der Verkehr. Natürlich stockt es in der Rushhour, das haben Stosszeiten so an sich. Ein besonderes ­Augenmerk legt die Gemeinde auf die so genannten Nervenbahnen. Das sind die Strassen, die von den Kantonsstrassen wegführen. Dort gibt es sicher teilweise Ausbaubedarf.

Sie sagten in der aktuellen Ausgabe der Gemeindezeitung «Emmenmail», die Verwaltung müsse ausgebaut werden. An welche Abteilungen denken Sie da besonders?

Dickerhof: Mehr Personal brauchen vor allem die Abteilungen, die mit Dossiers arbeiten. Also diejenigen, die direkt mit der Bevölkerung zu tun haben. Andererseits braucht es zum Beispiel in der Buchhaltung oder der Kanzlei nicht zwingend mehr Personal. Anders könnte es sich beim Werkhof verhalten. Denn mehr Menschen produzieren auch mehr Abfall.

Gibt es konkrete Pläne?

Dickerhof: Pläne gibt es vorerst keine. Wir haben einen Finanzplan, dieser gibt das Tempo in Bezug auf den Personalausbau vor. Der Anstieg der Dossiers ist wachstumsbedingt. Und dann kommt es drauf an, welche Menschen in die Gemeinde ziehen. Das ist nicht voraussehbar.

Sie sagten auch, die Verwaltung erhalte von der Politik ständig neue Aufgaben. Sollte sich das Emmer Parlament mehr zurückhalten?

Dickerhof: Neue Aufgaben und neue Ideen liegen in der Natur der Politik. Wer jedoch glaubt, unserer Verwaltung sei es langweilig und sie brauche neue Aufgaben, irrt gewaltig. Bei uns wird nicht geschlafen. Ob jedoch jeder gewünschte Service geliefert werden muss, ist nicht immer klar ersichtlich. Es gilt abzuwägen, ob es sich um partikulare Interessen oder um Interessen der Gemeinschaft handelt.

Wie sieht es mit der Fluktuation in der Emmer Verwaltung aus?

Dickerhof: Die Wechsel sind im normalen Bereich, zwischen 7 bis 9 Prozent pro Jahr. Andere reden selbst bei 15 Prozent noch von normalen Abgängen. Doch wenn es bei unserer Verwaltung über 10 Prozent geht, werden wir hellhörig.

Was sind die Gründe für die Abgänge?

Dickerhof: Unsere Verwaltung ist ein Gemischtwarenladen, ein optimaler Ausbildungsbetrieb. Wir haben bewusst junge Leute nachgezogen. Nach einer gewissen Zeit wandern sie jedoch als Kaderpersonen in andere Gemeinden ab. Wir unsererseits haben bisher noch nicht bei anderen Gemeinden «gesammelt». Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ein Arbeitnehmer ab 40 Jahren eher versucht, sesshaft zu bleiben. Wenn einer vier bis sechs Jahre in der Verwaltung bleibt, gilt dies als eher kurz, in der Privatwirtschaft gilt diese Zeitspanne jedoch eher als lang.

Die Gemeinde Emmen schafft etwas, wovon andere Gemeinden nur träumen: Die Sozialhilfekosten sind rückläufig. Wie erklären Sie sich das?

Dickerhof: Das hat mit unseren Stabilisierungsmassnahmen zu tun. Ein Massnahmenpaket mit über 100 Punkten. Dazu kommt auch der Einsatz des Sozialinspektors.

Wirkt der Sozialinspektor also abschreckend auf Missbrauch?

Dickerhof: Abschreckend nur, falls bei Bezügern von wirtschaftlicher Sozialhilfe die Absicht besteht, diese unrechtmässig beziehen zu wollen. Ansonsten denke ich, dass wir dank den professionellen Eintrittsgesprächen bereits viel abklären können. Das heisst, wenn der Betroffene beim Sozialarbeiter ist, dann weiss dieser bereits, worum es geht. Er hat damit genügend Luft, um die Beratung zu tätigen und sich konkret um die Probleme zu kümmern.

Emmen ist mit rund 30 000 Einwohnern die zweitgrösste Gemeinde der Zentralschweiz. Und in den nächsten Jahren soll die Einwohnerzahl auf 35 000 steigen. Weshalb nennt sich Emmen eigentlich nicht «Stadt»?

Dickerhof: Bereits in zwei Abstimmungen wurde die Frage gestellt, ob wir uns Stadt nennen wollen – beide wurden abgelehnt. Als Argumente kamen etwa, «die Gemeinderäte wollen sich nur Stadträte nennen» oder «Emmen hat ja eh keinen Stadtkern». Ich denke, wir fühlen uns als Gemeinde und wollen dies auch bleiben. Egal wie viele Einwohner schlussendlich hier angesiedelt sind.

Hinweis

Urs Dickerhof (SVP) ist 61 Jahre alt und seit 2003 im Emmer Gemeinderat (heute im Ressort Finanzen und Personelles).

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