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EMMEN: «Bessere Gesundheit» für Bewohner: Stiftung baut Miethaus mit entmagnetisiertem Stahl

Die Stiftung Viscosuisse baut derzeit ein Miethaus, das mit entmagnetisiertem Stahl versehen wird. Dessen Wirkung auf die menschliche Gesundheit ist jedoch nicht bewiesen.
Beatrice Vogel
Osteuropäische Länder sehen Billigarbeiter als strategischen Vorteil gegenüber Westeuropa. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (Kloten, 12. Juli 2012))

Osteuropäische Länder sehen Billigarbeiter als strategischen Vorteil gegenüber Westeuropa. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (Kloten, 12. Juli 2012))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Eigentlich ist es ein normales Mehrfamilienhaus mit neun Mietwohnungen, das die Stiftung Viscosuisse an der Thanstrasse 3 in Emmen baut. Kürzlich erfolgte der Spatenstich, im Mai 2019 soll das Haus bezugsbereit sein. Das Besondere: Die Armierung des Neubaus wird mit entmagnetisiertem Stahl angefertigt.

Herkömmlicher Baustahl ist magnetisch aufgeladen. Das kann zu Störungen des natürlichen Erdmagnetfelds führen. Das wiederum kann den Schlaf und die Regeneration beeinflussen – so die Überzeugung der Hersteller und der Bauherrschaft.

Stromfeld neutralisiert den Stahl

Die einzige Firma in der Schweiz, die entmagnetisierten Stahl – genannt Magex – herstellt, ist die Debrunner Acifer Bewehrungen AG in Regensdorf. Holger Simon, Bauingenieur und Produktmanager der Bewehrungen, erklärt den Unterschied zu herkömmlichem Stahl: «Die elektrische Ladung ist in Stahl eigentlich gleichmässig verteilt. Durch die übliche Verarbeitung – Richten, Biegen, Schneiden – mit Elektromotoren und das Heben mittels Magneten werden die Stabenden magnetisiert, sodass daran etwa Büroklammern haften bleiben.» Magex dagegen durchlaufe am Ende des Verarbeitungsprozesses ein Stromfeld, das die elektromagnetische Ladung neutralisiert. Wie dies genau passiert, sei ein Betriebsgeheimnis. Um die Entmagnetisierung zu belegen, wird der Stahl vorher und nachher mit einem Gaussmeter gemessen, ebenso bei der Ablieferung auf der Baustelle. Eine nachträgliche Entmagnetisierung im Gebäude sei nicht möglich, so Simon.

Magneten zum Heben des Vormaterials werden seit rund 30 Jahren eingesetzt. Deshalb weisen laut Simon Gebäude mit Baujahr ab 1990 oft Störungen im Erdmagnetfeld auf. «Zudem haben moderne Gebäude oft Decken mit grosser Spannweite und wenige tragende Wände. Diese Bauweise bedingt, dass dickere Armierungseisen verwendet werden.» Je dicker das Eisen, umso stärker ist das Magnetfeld.

Der spezielle Stahl hat seinen Preis. Das Miethaus der Stiftung Viscosuisse kostet im Bau rund 4,5 Millionen Franken. Die Mehrkosten für den entmagnetisierten Stahl belaufen sich auf zirka 65'000 Franken. «Wir nehmen den Aufpreis für die bessere Gesundheit unserer Mieter in Kauf», sagt Erika Roos, Geschäftsführerin der Stiftung.

Empfohlen wird Magex durch das Institut Geopathologie Schweiz AG. Dieses beschäftigt sich mit Umwelteinflüssen, welche die Gesundheit beeinträchtigen können (siehe Kasten). Das Fachgebiet ist nicht unumstritten, da es von Wechselwirkungen ausgeht, die wissenschaftlich nicht belegt sind. So lässt sich zwar der Einfluss von Stahl auf das Erdmagnetfeld messen. Damit ist aber nicht bewiesen, dass die Bewohner einer entmagnetisierten Wohnung tatsächlich besser schlafen.

Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO können Magnetfelder gesundheitliche Auswirkungen haben, die Datenmenge ist aber zu gering, um dies definitiv zu bestätigen. Magex kam bereits in diversen Wohnhäusern zum Einsatz – und im Hotel Crown in Andermatt. Dort setzte man auf das volle Programm: Der Hotelgast ist auch gegen Erdstrahlen und Elektrosmog geschützt.

Erika Roos ist überzeugt, dass mit dem entmagnetisierten Stahl ein wesentlicher Störfaktor für die Bewohner wegfällt. «Natürlich reagieren nicht alle Menschen gleich sensibel auf ein gestörtes Erdmagnetfeld. Es schadet aber auch niemandem, wenn dieser Störfaktor ausgeschaltet ist.» Die Sensibilität werde denn auch kein Auswahlkriterium bei der Mieterschaft sein. Den Aufpreis für den Magex-Einbau wälzt die Stiftung zudem nicht auf den Mietzins ab. Roos: «Wir wollen bezahlbaren Wohnraum für Familien. Die Preise sollen sich in einem normalen Rahmen bewegen.»

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