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EMMEN: Brutale Attacke auf eine Velofahrerin

Am Dienstagabend wurde eine Frau auf dem Dammweg in Emmen vom Velo gerissen, mutmasslich vergewaltigt und schwer verletzt. Die Polizei sucht Zeugen.
Beatrice Vogel
Am Dammweg wurde eine junge Frau vergewaltigt. Polizisten suchen den Tatort nach Spuren ab. (Bild: Beatrice Vogel (Emmenbrücke, 22. Juli 2015))

Am Dammweg wurde eine junge Frau vergewaltigt. Polizisten suchen den Tatort nach Spuren ab. (Bild: Beatrice Vogel (Emmenbrücke, 22. Juli 2015))

Beatrice Vogel

Am Dienstagabend kam es in Emmen zu einem brutalen Übergriff auf eine Frau. Sie wurde dabei schwer verletzt. Die 26-Jährige befand sich gegen 22.40 Uhr auf dem Heimweg mit dem Velo. Sie fuhr auf dem Dammweg entlang der Reuss in Richtung Seetalplatz (siehe Karte). Kurz bevor sie die Unterführung der Brücke Reussegstrasse passieren konnte, wurde sie von einem unbekannten Mann vom Velo gerissen und die Böschung hinuntergeschleift. Aufgrund der ersten Ermittlungen und der Fundsituation vor Ort geht die Luzerner Polizei davon aus, dass die Frau vergewaltigt wurde.

Passantin alarmierte Polizei

Die Polizei erfuhr von dem Verbrechen durch eine Passantin, welche die Hilferufe der Frau gehört und umgehend die Polizei verständigt hat. Eine Patrouille fand das Opfer im Wald, nur wenige Meter abseits des Dammwegs. Sie war noch ansprechbar und gab eine Beschreibung des Täters ab: Der mutmassliche Täter soll gebrochen Deutsch sprechen, ist zwischen 1,70 und 1,80 Meter gross und schlank. Er hat helle Hautfarbe und trug an dem Abend ein T-Shirt und eine kurze Hose.

Die Frau erlitt bei der Attacke schwere Rückenverletzungen und musste umgehend im Kantonsspital Luzern notoperiert werden. Die Operation dauerte laut Polizei bis zum frühen Mittwochmorgen. Über den Gesundheitszustand der Frau könne er im Moment keine Angaben machen, sagte gestern Simon Kopp, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Luzern. Bis Mittwochabend war die Frau nicht mehr einvernahmefähig.

Spuren vor dem Gewitter sichern

Am Mittwochmorgen suchte die Polizei den Tatort nach Spuren ab. Rund zwanzig Polizisten waren im Einsatz. Daniel Bussmann, Chef der Kriminalpolizei, der am Tatort den Medien Auskunft gab, sagte, die ersten Stunden seien die wichtigsten bei so einem Vorfall. «Wir haben am Morgen eine Sonderkommission einberufen und arbeiten nun mit Hochdruck daran, den Täter zu finden.» Da am Mittwochabend ein Gewitter niederging, mussten vorher alle Hinweise gesichert sein – insbesondere auch allfällige DNA-Spuren. «Für uns ist ausserdem wichtig, dass wir Zeugen finden», sagt Kripo-Chef Bussmann. «Da die Tat nicht besonders spät am Abend stattfand und möglicherweise noch Leute in der Nähe waren, hoffen wir auf möglichst viele Hinweise.» Anscheinend hat die Frau den Täter nicht gekannt, was bedeuten könnte, dass sie zufällig ausgewählt wurde. Eine Täter-Opfer-Beziehung sei aber nicht auszuschliessen, sagt Daniel Bussmann.

Während der Spurensuche kamen immer wieder Passanten vorbei, welche die Polizisten ansprachen. «Viele fragen, ob die Gegend gefährlich sei und man hier nachts nicht durchgehen sollte», so Bussmann. Dies könne er so aber nicht bestätigen. Der Dammweg sei nicht weniger sicher als andere Wege. «In den letzten zwanzig Jahren gab es in dieser Gegend keinen Vorfall, der mir bekannt wäre.» Auch der Eindruck, dass man auf dem Velo sicherer sei als zu Fuss, weil man schnell wegfahren kann, täusche, erklärt Bussmann. «Da genügt ein kräftiger Stoss, und der Velofahrer liegt am Boden.»

20 Vergewaltigungen letztes Jahr

Gemäss der polizeilichen Kriminalstatistik 2014 kam es letztes Jahr zu 20 Vergewaltigungen im Kanton Luzern. 75 Prozent dieser Fälle wurden aufgeklärt. Schweizweit wurden letztes Jahr 556 Vergewaltigungsfälle erfasst, wobei die Dunkelziffer sehr hoch ist, da nicht alle Opfer den Übergriff melden. Die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen war 2014 im Kanton Luzern die tiefste seit 2008. Am meisten – nämlich 32 Fälle – wurden 2013 registriert.

Von den 20 erfassten Vergewaltigungsopfern des letzten Jahres sind allesamt Frauen, etwas mehr als die Hälfte war zum Tatzeitpunkt über 24 Jahre alt. Die als Täter Beschuldigten waren alle männlich und mit einer Ausnahme über 24 Jahre alt. In dieser Statistik sind Fälle häuslicher Gewalt nicht eingeschlossen.

Für Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen waren, gibt es Beratungsstellen, die helfen, mit dem Trauma umzugehen. Auch dann, wenn das Opfer anonym bleiben will. Die Folgen eines Übergriffs können sehr unterschiedlich sein: Sie reichen von Schlafstörungen über Panikattacken bis hin zu Depressionen und Essstörungen. «Jede Frau geht anders mit den Verletzungen um», sagt Daniela Brühwiler von der Frauenberatung sexuelle Gewalt in Zürich. «Für die meisten ist es aber wichtig, zu erfahren, dass sie normal auf ein abnormales Ereignis reagieren. Das hilft ihnen, das Vertrauen in sich selber wieder zu finden.» Von den Frauen, welche die Beratungsstelle betreut, seien 18 Prozent durch Fremdtäter vergewaltigt worden. Brühwiler: «Die meisten Opfer kennen ihren Vergewaltiger.»

Laut schreien, boxen und treten

Bei einem überraschenden Angriff auf der Strasse ist es oft schwierig, schnell zu reagieren. Deshalb sollte man nach Möglichkeit gefährliche Situationen vermeiden. Der polizeiliche Sicherheitsratgeber empfiehlt diesbezüglich folgendes:

Gehen Sie nachts allein nur auf gut beleuchtete und belebte Strassen. Scheuen Sie keine Umwege.
Sprechen Sie Passantinnen an und gehen Sie zusammen.
Reagieren Sie nicht auf Pfiffe und Zurufe.
Steigen Sie nicht in Fahrzeuge Fremder ein. Machen Sie keinen Autostopp.
Meiden Sie Kontakte mit Betrunkenen.
Bei der Rückkehr zum Auto und auf dem Heimweg: Halten Sie die Schlüssel bereit. Achten Sie darauf, dass Ihnen kein Fremder folgt.
Wehren Sie sich bei einem Angriff mit lautem Schreien, Sichlosreissen, Boxen oder Fusstritten.

Zeugenaufruf

Die Polizei sucht Zeugen, welche zwischen 21 und 23.30 Uhr im Gebiet Dammweg, Schwanderhof, Reussegg oder im Gebiet Sedel verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Telefon: 041 248 81 17

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