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Emmen: Das Haus ohne Heizung wird warm mit den Menschen

Das Haus in der Emmenweid, das ohne Heizung und Klimaanlage auskommt, ist fertig – und wird unter anderem von einem Bildungszentrum genutzt. Mit den Schülern zieht auch langsam die Wärme ein.
Beatrice Vogel
Das Haus ohne Heizung in der Vorderen Emmenweid. (Bilder: Nadia Schärli, Emmen, 27. Januar 2019)

Das Haus ohne Heizung in der Vorderen Emmenweid. (Bilder: Nadia Schärli, Emmen, 27. Januar 2019)

Keine Heizung, keine Klimaanlage, dafür dicke Wände und wenig Glas – so das Prinzip des «Hauses ohne Heizung», das seit kurzem neben dem ehemaligen Viscosuisse-Direktorenhaus in der Vorderen Emmenweid steht. Es ist das schweizweit erste Gebäude – weltweit erst das zweite –, das so gebaut wurde. Seit Anfang Januar sind drei der vier Stockwerke bezogen, die untersten beiden vom Bildungszentrum Zodas (siehe Informationen unten). Angesichts der gegenwärtigen Kälte fragt man sich da: Wie warm ist es im Bürohaus ohne Heizung? Wie ist quasi das «Arbeitsklima»?

Esther Müller, Geschäftsführerin von Zodas, nimmt uns mit auf einen Rundgang. Im Vorfeld des Besuchs haben wir Gerüchte gehört: Das Haus «funktioniere» nicht, die Leute würden mit Elektroöfen heizen, weil es so kalt sei. Der erste Eindruck beim Betreten des Eingangsbereichs ist hingegen nicht so extrem. Es ist nicht gerade warm, aber auch nicht kalt. Was zudem gleich auffällt: Die Räume sind hoch und hell, die Fenster überhaupt nicht klein, wie man erwarten könnte. Esther Müller:

«Wegen der Luftzirkulation braucht das Haus hohe, grosse Räume. Das kommt uns entgegen, denn auch wir benötigen für den Kursbetrieb grosse Räume.»

Die Fenster sind an der Innenseite der 80 Zentimeter dicken Wände montiert. Im Winter scheint die Sonne hindurch, was Wärme erzeugt, im Sommer hat man hingegen keine direkte Sonneneinstrahlung. Die Lüftung funktioniert über Klappen neben den Fenstern:

Wenn ein Raum gelüftet wird, gehen alle Klappen gleichzeitig auf – Stosslüften sozusagen. Das kann über einen Monitor im Raum quasi manuell gemacht werden. Das Haus hat aber auch CO2-Sensoren, die bei dicker Luft ein automatisches Lüften veranlassen.

Vor vier Wochen ist das Bildungszentrum samt Geschäftsstelle vom Sonnenplatz in die Emmenweid gezogen. Noch sieht man die Reste der «Züglete»: Da stehen noch ein paar Kisten herum, dort steht ein Schrank quer im Raum:

«Mit Pflanzen und Bildern sind wir noch zurückhaltend. Es wird sicher noch das eine oder andere an Dekor geben. Aber die schlichten Räume sollen auch zum Gestalten anregen», so Müller.

Anfangs brauchte es Elektroöfen

Der Kursbetrieb läuft seit einer Woche. Mit den Schülerinnen und Schülern ist es auch wärmer geworden im Haus. Müller: «Ganz am Anfang hatten wir tatsächlich einige Elektroöfen aufgestellt. Das Gebäude musste zuerst austrocknen und sich aufwärmen, da wir es in der kalten Jahreszeit bezogen haben. Jetzt brauchen wir die Öfen aber nicht mehr.»

Tatsächlich ist die Raumtemperatur angenehm. Nur in kleineren, noch wenig intensiv genutzten Räumen ist es leicht kühler. Die meisten Türen stehen offen, damit die Luft zirkulieren kann – «und es entspricht unserer Betriebsphilosophie», sagt Müller. Im Haus soll die Temperatur immer zwischen 22 und 26 Grad betragen. In Esther Müllers Büro zeigt das Thermometer 26 Grad – «allerdings hat vorhin die Sonne darauf geschienen», sagt sie schmunzelnd.

Was den Winter betreffe, habe sie sich nie Sorgen gemacht, meint Müller. Und nachdem sie im vergangenen Sommer den Rohbau besichtigen konnte, habe sie auch keine Bedenken wegen Hitzetagen. «Dank der dicken Wände war es im Innern recht kühl – obwohl die Fenster noch nicht montiert waren.» Klar ist für sie jedoch: «Das Gebäude braucht die Menschen, um zu funktionieren.»

Damit der Beton von Wänden, Decken und Boden die Wärme speichern können, welche Menschen und Geräte abgeben, müssen diese offen liegen. Wände und Decken sind lediglich mit Kalk verputzt, am Boden sieht man den hellen Beton. «Mir gefällt’s», sagt Müller.

Flexibles Mobiliar für Bewegungsfreiheit

Eingerichtet sind die Kursräume mit flexiblem Mobiliar, die Tische haben Rollen, es gibt wenig Schränke. «Da wir praxisorientiert unterrichten, brauchen wir Platz für Bewegungsspiele und dergleichen», so Müller. In den alten Räumlichkeiten am Sonnenplatz sei es zu eng gewesen, jetzt seien die Räume auf die Bedürfnisse des Kursbetriebes abgestimmt. Esther Müller: «Wir sind stolz, dass wir den Mut hatten, Neues zu wagen und in dieses innovative Gebäude zu ziehen.»

Ausbildungsort für Betreuungspersonal

Die Zentralschweizer Organisation der Arbeitswelt Soziales (Zodas) ist der regionale Branchenverband für Berufsbildung im Sozialbereich und wurde 2004 gegründet. Das Bildungszentrum bietet in Emmenbrücke die überbetrieblichen Kurse der Ausbildung Fachperson Betreuung (FaBe) an. Aktuell besuchen 650 Lernende die Kurse von Zodas. Sie wählen für ihre Ausbildung eine der drei Fachrichtungen Kinder, Behinderte, Betagte und absolvieren ihre Lehre beispielsweise in Kitas oder Altersheimen. FaBe ist heute der Beruf, der in der Schweiz am vierthäufigsten gewählt wird. (bev)

Weitere Infos: www.zodas.ch

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