EMMEN: Die grösste Baustelle des Kantons beflügelt weitere Ideen

Am Samstag konnte sich die Bevölkerung ein Bild von der Baustelle auf dem Seetalplatz machen. Rund um den Platz soll sich künftig das neue urbane Zentrum entwickeln.

Simon Bordier
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Grossprojekt: Gebietsmanager Ulrich Freyenmuth (rechts) erklärt einem Besucher die Baustelle rund um den Seetalplatz. (Bild Philipp Schmidli)

Grossprojekt: Gebietsmanager Ulrich Freyenmuth (rechts) erklärt einem Besucher die Baustelle rund um den Seetalplatz. (Bild Philipp Schmidli)

Auf dem Seetalplatz in Emmen wird nicht nur an neuen Strassen, Brücken und Flussführungen gebaut, sondern auch an einer Vision: «Hier entsteht das neue Stadtzentrum Luzern Nord», meinte Ulrich Freyenmuth, der Gebietsmanager des Gemeindeverbands Luzern Plus, am Samstag bei einem Rundgang auf der Baustelle und den umliegenden Quartieren. Eingeladen hatte der Verein Forum Gersag, unter dem Titel «Stadtentwicklung Luzern Nord: Chance oder Risiko?».

Über dreimal grösser als Altstadt

Manager Freyenmuth und der Emmer Stadtplaner Mirco Derrer erklärten zunächst in einem Vortrag die verschiedenen Teile des Grossprojekts. «Das neue Zentrum umfasst neben dem Seetalplatz auch das angrenzende Viscosi-areal, den Bahnhof Emmen, die Uferlandschaft und den Luzerner Stadtteil Reussbühl auf der gegenüberliegenden Seite der Kleinen Emme», so Freyenmuth: «Eine Fläche, dreieinhalbmal so gross wie die Luzerner Altstadt.»

Damit sich das Gebiet zu einem blühenden urbanen Zentrum entwickle, sei die bauliche Verdichtung und Durchmischung der geplanten Wohnungen, Läden, Gewerbeflächen und Pärke wichtig. Sie sollen Raum für insgesamt 3400 neue Einwohner und 4600 zusätzliche Arbeitsplätze bieten. «Bis zur Realisierung aller staatlichen und privaten Projekte wird es wohl 10 bis 20 Jahre dauern.»

«Luzern Nord» ist jetzt offiziell

Bis dahin soll sich «Luzern Nord» als Inbegriff des neuen urbanen Zentrums etablieren. «So wie ‹Zürich West› für ein Boomquartier steht, möchten wir unsere Vision unter dem Begriff ‹Luzern Nord› entwickeln», so Freyenmuth. Er betonte, dass er den Vergleich nur hinsichtlich des Namens heranziehe. «Die Quartiere sind in anderen Belangen nur schwer vergleichbar.» Der Begriff «Luzern Nord» hat übrigens seit neustem auch Eingang in die Strassensignalisation gefunden. So können Autofahrer etwa am Luzerner Pilatusplatz und am Bahnhof den neuen Wegweisern nach «Luzern Nord» folgen.

Kantonale Verwaltung in Emmen

Stadtplaner Derrer verwies auf zwei konkrete Projekte mit starker Zentrumsfunktion. «Dass die Hochschule Luzern – Design und Kunst 2016 in den ‹Bau 745› auf dem Viscosiareal zieht, wird entscheidend zur Belebung beitragen», meinte er. Auch der geplante Zuzug der kantonalen Verwaltung an den Seetalplatz wäre aus seiner Sicht erfreulich, er stehe aber noch nicht definitiv fest.

Während die meisten Projekte noch in der Planungsphase stecken, wird der Seetalplatz seit Januar 2013 für 190 Millionen Franken umgebaut. «Kaum vorstellbar, wie der Platz dereinst aussehen soll», sagte eine Besucherin während der Besichtigung der grössten Baustelle des Kantons.

Tatsächlich bleibt kein Stein auf dem anderen. So soll der heutige Kreisel vom Individualverkehr befreit und einen Busbahnhof mit Parkcharakter erhalten. Der Langsamverkehr sowie der öffentliche Verkehr erhalten eine eigene Fahrbahn, getrennt vom Individualverkehr, für den eine Ringstrasse gebaut wird.

Da auch die Kleine Emme – als Massnahme gegen Hochwasser – eine zusätzliche «Fahrbahn» erhält, nämlich in Form eines zweiten Mündungsarms in die Reuss, müssen insgesamt sieben Brücken neu gebaut oder ersetzt werden.

«Ich bewundere die logistische Meisterleistung – wie es gelingt, die vielfältigen Bauarbeiten durchzuführen und gleichzeitig den Verkehr, wenn auch eingeschränkt, am Laufen zu halten», meinte Edgar Huwiler (53), ein Teilnehmer aus Emmen. Er findet es vorbildlich, wie rund um den Seetalplatz die Interessen der öffentlichen Hand und privater Investoren in einem Gesamtkonzept verbunden werden. «Es ist an der Zeit, aus dem Luzerner Stadtzentrum rauszugehen und das urbane Potenzial der Agglomeration zu entwickeln», betonte er.

Bewährungsprobe beginnt 2018

Das Potenzial von «Luzern Nord» wird sich nach der Fertigstellung des Seetalplatzes 2018 zeigen, wenn das verkehrstechnische Herz wieder richtig schlägt und damit die neu geschaffenen Flächen zum Leben erweckt werden. «Meines Wissens verläuft bisher bezüglich Termine, Qualität und Kosten alles nach Plan», sagt Freyenmuth.