EMMEN: Die rasante Show der Luftakrobaten

Der Tag der offenen Tür auf dem Militärflugplatz: Bei Kaiserwetter überwog die Volksfeststimmung. Es ging aber auch um Ernstes.

Thomas Heer
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Staunen ob der Präzision der Patrouille Suisse: Tausende von Zuschauern sahen sich in Emmen das Luftballett an. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Staunen ob der Präzision der Patrouille Suisse: Tausende von Zuschauern sahen sich in Emmen das Luftballett an. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Vom Glamourfaktor her kann ihnen in der Schweizer Armee keiner das Wasser reichen – den Piloten der Patrouille Suisse. Kurz nach 14 Uhr wird es auf dem Emmer Flugplatzgelände richtig laut. Sechs rot-weiss lackierte F-5E Tiger II rollen an der applaudierenden, winkenden und freudig rufenden Menschenmenge vorbei. In ihren geöffneten Cockpits grüssen die Piloten die Zuschauer mit Handzeichen.

Bild: Roger Grütter / Neue LZ
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Bild: Pius Amrein / Neue LZ
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Bild: Keystone
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Der Start ist erfolgt: Je zweimal drei Jets rasen über die Startbahn, um nach rund 10 Sekunden mit 270 km/h abzuheben. Zwanzig Minuten sind Simon Billeter, Rodolfo Freiburghaus, Gunnar Jansen, Gaël Lachat, Michael Meister und Reto Amstutz in der Luft. Während der Show zeigen sie Figuren mit Namen wie Shadow, Synchronrolle, Tunnel oder Matterhorn. Allein vom Zuschauen dreht es einem schier den Magen. Nach der Demonstration gehen die Besucherinnen und Besucher mit den Piloten auf Tuchfühlung. Wie bei Show- oder Sportgrössen üblich, laden Billy, Roody, Gandalf, Gali, Maestro und Tödi – so die Übernamen der rasenden Männer – nach der Vorstellung zur Autogrammstunde. Der Andrang ist gross.

Luftwaffenchef spricht mit Schüler

So überzeugend die in den Nationalfarben gehaltenen Patrouille-Flieger auch daherkommen, so matt und grau erscheint eines ihrer Schwesterflugzeuge in einem benachbarten Hangar. Dieser Tiger, vor rund drei Monaten in den Ruhestand abgeschoben, gäbe auch ein passendes Sujet im Eingangsbereich des Verkehrshauses ab. Erik Agerbjörk, der den betagten Flieger betrachtet, meint: «Diese Tiger sollten ersetzt werden.» Als Schwede ist für Agerbjörk natürlich auch klar womit – Saab Gripen.

«Auf Flieger schiessen wir nicht gerne», sagt Aldo Schellenberg gegenüber dem jungen Dominik Capraro. Der Primarschüler hört dem Kommandanten der Schweizer Luftwaffe aufmerksam zu. Der Drei-Sterne-General erklärt Dominik die Funktionsweise des Schleppsackes, den die PC-9-Flugzeuge hinter sich herziehen, um den Flabschützen als Zielscheibe zu dienen.

Schellenberg kommt auch auf die Tigerstaffel zu sprechen und vergleicht den Jet mit einem Ford Capri. Für die jüngeren unter den Leserinnen und Lesern sei dazu Folgendes angefügt: Der Ford Capri war ein solides Mittelklasse-Fahrzeug, das in Deutschland von 1969 bis 1986 gebaut wurde. Mit einem modernen Auto hat der Capri aber etwa so viel gemeinsam wie eine Schreibmaschine mit einem Computer. Oder wie es Schellenberg ausdrückt: «Die 22 Saab Gripen, die wir anschaffen wollen, können mehr als die 54 Tiger.»

Entspannte Atmosphäre

Auch wenn der Tag der offenen Tür in Emmen keine klassische Flugshow-Veranstaltung war, so dürfte doch die Mehrheit der rund 22 000 Zuschauer an den beiden vergangenen Tag der Fliegerei wegen aufs Areal gekommen sein. So zum Beispiel Henna Kolehmainen. Obwohl aus der gleichen Stadt stammend, verbindet Henna aber nichts Verwandtschaftliches mit dem legendären finnischen Langstreckenläufer Hannes Kolehmainen. Und anstatt mit Spitzensport beschäftigt sich die 32-Jährige auch viel lieber mit Kameras und Objektiven. Die Finnin ist nämlich eine Spotterin. Sie sagt: «Ich mag Flugzeuge und versuche, gute Bilder zu schiessen.»

Spotter sind Männer und Frauen, die für ein gutes Flugzeugbild einiges auf sich nehmen: lange Reisen, Kälte, Wind und Wetter. Letzteres zeigte sich gestern von der besten Seite. In die wärmende Herbstsonne getaucht, faszinierte die Schönheit der Voralpengipfel. Die vereiste Kuppel des Titlis leuchtete wie eine Discokugel in dem Himmel.

Die Veranstaltung hatte auch etwas von einem Volksfest. Da gab es Ponyreiten für die Kleinen, zahlreiche Grillstände. Erwachsene mit Zuckerwatte waren ebenso unterwegs wie Kinder mit glaceverschmierten Gesichtern. Die Familien Frozza und Sarescia picknickten auf dem Boden. Es gab Sandwiches zu essen, und gegen den Durst half Apfelsaft. Roman Frozza sagt: «Wir alle sind grosse Fans der Patrouille Suisse.»

Regierungsrat war vor Ort

Der Flugplatz Emmen ist weit mehr als nur Pisten, Jets, Hangars und Verwaltungsgebäude. Der Flugplatz ist vielmehr auch ein bedeutender Arbeitgeber. Laurent Savary, stellvertretender Chef Kommunikation Luftwaffe, sagt: «Hier finden sich etwa 300 Arbeitsplätze, für Elektroniker, Mechaniker bis hin zu EDV-Spezialisten.»

Als prominenter Gast war gestern auch Regierungsrat Guido Graf in Emmen unterwegs. Er sagt: «Ich bin beeindruckt vom Unternehmen. Hier finden sich viele hochwertige Arbeitsstellen.» Wirtschaftliche Interessen auf der einen, die Lärmbelastung für die Bevölkerung auf der anderen Seite: Gemäss Graf gehe es bei diesen beiden Aspekten darum, ein vernünftiges Gleichgewicht zu halten.