Emmen Dorf
Die Seetalstrasse soll sicherer werden und mehr Lebensqualität bieten

Die stark befahrene Seetalstrasse soll bei Emmen Dorf umgestaltet werden. Bis es so weit ist, dauert es aber noch Jahre. Eine neue Umfahrungsstrasse kommt nicht mehr in Frage.

Beatrice Vogel 1 Kommentar
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Der Entscheid ist nicht überraschend und doch dürften viele erleichtert sein: Es wird keine Umfahrungsstrasse für Emmen Dorf gebaut. Der Kanton Luzern hat sich für eine Optimierung der bestehenden Strasse entschieden – oder im Behörden-Wortlaut: für das «Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) lang». Alle anderen Varianten sind damit vom Tisch.

Die Seetalstrasse ist vom Verkehr stark belastet.

Die Seetalstrasse ist vom Verkehr stark belastet.

Dominik Wunderli (Emmen, 14. Oktober 2021)

Vorgesehen ist eine Umgestaltung der Seetalstrasse zwischen Ober-Grundhof (westlicher Ortseingang Emmen Dorf) und dem Kreisel Flugzeugwerke.

Karte: admin.ch

Gemeinde will «Temporegime diskutieren»

Dieser Abschnitt soll verkehrsberuhigt werden, unter anderem mit ÖV-Förderung und Massnahmen für den Langsamverkehr wie Velostreifen, Schutzinseln oder grosszügigen Gehbereichen. Auch lärmarme Beläge, Tempo 30 oder zusätzliche Busspuren sind möglich. Welche Massnahmen tatsächlich umgesetzt werden, sei Gegenstand der weiteren Planungen, sagt Beat Hofstetter, Abteilungsleiter in der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur.

Der Emmer Gemeinderat begrüsse alle Massnahmen, die dazu führen, dass Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit verbessert werden, sagt Baudirektor Josef Schmidli (Mitte). Gleichzeitig sei die Erschliessungsqualität für Industrie und Gewerbe von zentraler Bedeutung. «Konkret gilt es sicher, das Temporegime abschnittsweise zu diskutieren, und eine Durchgrünung des Strassenraumes mit Bäumen ist vor dem Hintergrund der klimatischen Herausforderungen zwingend.»

Neue Strasse wäre doppelt so teuer gewesen

Laut Mitteilung des Kantons und der Gemeinde Emmen handelt es sich beim gewählten Projekt um die «aus fachlicher Sicht beste Variante» mit dem grössten Gesamtnutzen und dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis. «Der Hauptnutzen zeigt sich in einer besseren Verkehrsqualität und einer erhöhten Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden», sagt Hofstetter. Auch bei den Chancen für die Siedlungsentwicklung und bezüglich der Umweltauswirkungen schneide diese Variante besser ab als andere. Zudem dürfte sie die günstigste sein: Man rechnet mit Kosten von rund 40 Millionen Franken. Der Bau einer zusätzlichen Strasse wäre etwa doppelt so teuer gewesen.

Grösster Nachteil der Bestvariante: Die Verkehrsbelastung bleibt tendenziell hoch, zumindest solange der Durchgangsverkehr nicht ferngehalten werden kann. Dieser beträgt je nach Abschnitt rund 50 bis 75 Prozent des Gesamtverkehrs. Für den Kanton sei es ein zentrales Anliegen, dass die Verkehrsströme möglichst auf das übergeordnete Strassennetz gelenkt werden, so Hofstetter. Dafür wird eine Verkehrsstrategie erarbeitet, die auch die Autobahnanschlüsse einbezieht. Die Möglichkeiten, um den Durchgangsverkehr zu reduzieren, umfassen Massnahmen in den Bereichen Verkehrslenkung und Signalisation.

Womöglich wird Privatland beansprucht

Ein weiterer Nachteil: Um einen grossen Nutzen der Umgestaltung zu erzielen, ist es möglich, dass der Strassenraum erweitert werden muss. Das heisst, dass Landflächen beansprucht werden, die jetzt in Privatbesitz sind. Erste Überlegungen beinhalten gesamthaft zusätzliche Flächen von rund 11'000 Quadratmetern. Die Information der betroffenen Grundeigentümer werde im Rahmen der weiteren Planungen erfolgen.

Josef Schmidli hofft, dass es nun rasch vorwärtsgeht und «die betroffene Bevölkerung gut in den Planungsprozess einbezogen wird». Für ihn beweist das Ergebnis der Zweckmässigkeitsbeurteilung auch, dass eine Umfahrung gewichtige Nachteile gehabt hätte:

«Sie verbraucht viel Kulturland und der Stau hätte sich wohl einfach verschoben.»

Zudem wäre die Umfahrung politisch kaum mehrheitsfähig gewesen, hatten sich doch Anwohnende wie auch der Einwohnerrat dagegen ausgesprochen. «Die öffentliche Meinung zu Umfahrungen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten klar verändert», so Schmidli. Der Zeitgeist sei diesbezüglich kritischer geworden, genauso verhalte es sich mit dem Gemeinderat.

Bis zum baureifem Projekt dauert es noch vier Jahre

Bis die Seetalstrasse umgestaltet wird, dauert es jedoch noch Jahre. Zunächst wird das Betriebs- und Gestaltungskonzept erarbeitet, danach das Strassenprojekt. Zeitplan und Prioritäten werden durch den Kantonsrat im Rahmen des Bauprogramms 2023–2026 für Kantonsstrassen festgelegt. Beat Hofstetter schätzt, dass ein bewilligungsfähiges Projekt frühestens in vier Jahren vorliegen wird.

Am 20. Oktober um 19 Uhr wird im Restaurant Schlemmerei im Betagtenzentrum Emmenfeld die Bestvariante vorgestellt. Es gilt Zertifikatspflicht.

1 Kommentar
Delfi Levis

Ein Projekt gab es schon seit Jahrzehnten. Es wurde aber gebodigt. Damals wäre es besser gewesen, eine Umfahrungsstrasse zu bauen. ich finde, man hat Vieles verschlafen. Jetzt ist es für keine der Varianten eine gute Lösung und erst noch zu spät.

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