Emmen
Eidgenössisches Schützenfest: «Es läuft wie geschmiert»

Das Eidgenössische Schützenfest Luzern 2020 startet mit dem Eröffnungsschiessen im Hüslenmoos. Die Organisatoren sind zufrieden.

René Leupi
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Der Luzerner Regierungsrat und OK-Präsident Paul Winiker am Eröffnungsschiessen.

Der Luzerner Regierungsrat und OK-Präsident Paul Winiker am Eröffnungsschiessen.

Bild: Dominik Wunderli (Emmen, 5. Juni 2021)

«Achtung – Start», hiess es am Samstagmorgen um 7.30 Uhr im Schiessstand Hüslenmoos in Emmen. Mit der ersten Ablösung wurde das Eidgenössische Schützenfest Luzern 2020 eröffnet – ein Jahr verspätet und unter ganz anderen Bedingungen als die Schützenfeste in den letzten 100 oder gar 200 Jahren. Doch die Luzerner Organisatoren hatten Covid-19 erfolgreich getrotzt. Kein «copy paste» vom ursprünglich geplanten Fest, ein von Grund auf neues Konzept mit dezentralisiertem Schiessen in den Heimständen wurde aus dem Boden gestampft. Ein abgespecktes Programm, bei dem viele Highlights der Coronapandemie zum Opfer fielen, ein Programm aber, zu dem die Organisatoren und auch die Schützenvereine schweizweit ein kräftiges Ja aussprachen. «Ich bin überglücklich», sagte Ok-Präsident und Regierungsrat Paul Winiker (SVP), «dass die Schützinnen und Schützen die Freude an diesem Fest mit mir teilen. 200 Jahre lang hiess das Motto <Schiessen und Festen>. Jetzt wird das Ganze etappiert. Vom 11. Juni bis 11. Juli wird geschossen, an der Schützen-Festwoche vom 8. bis 17. Oktober auf dem Messgelände in Luzern wird dann gefestet.»

30 Schüsse in vier Minuten

Rund 1600 Schützinnen und Schützen, sei es mit dem Gewehr oder der Pistole, hatten sich für das Eröffnungsschiessen in Emmen eingeschrieben – und trotzten auch den teilweise garstigen Wetterbedingungen. Und dieser Wettkampf hatte es in sich: 30 Schüsse innert vier Minuten, nach Wettkampfende gezeigt. Eine echte Herausforderung, wird dieses Programm im normalen Schützenalltag weder geprobt noch geschossen. Ein Augenschein im Schiessstand zeigt die Vielfalt der angereisten Schützen: Die einen mit schwerer Lederjacke, eigens hergestellter Kopfbedeckung und speziell konzipierter Schiessbrille, andere locker in Jeans, Trainerjacke und Baseball-Cap, die einen warten locker und fröhlich auf den Wettkampf, andere sind angespannt, ja schier verkrampft.

Das Eröffnungsschiessen des Eidgenössischen Schützenfestes.
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Das Eröffnungsschiessen des Eidgenössischen Schützenfestes.

Bilder: Dominik Wunderli (Emmen, 5. Juni 2021)

Mit einem Lachen im Gesicht und guten 251 Punkten beendete Vanessa Annaheim ihren Wettkampf. Die junge Frau aus Burgdorf, die durch eine Kollegin zum Schiesssport fand, ist vor allem wegen des speziellen Programms angereist. Es sei interessant, einmal ein Schiessen zu absolvieren, das keiner Wettkampfvorlage entspräche. Die Bernerin fand über einen Jungschützenkurs zum Schiessen und bezeichnet vor allem die Konzentration, Präzision und die Ausdauer als Herausforderung. Für andere endete das Schiessen im Festzelt. Nicht so für die Bernerin: Bereits am Nachmittag steht sie beim örtlichen Schiessverein beim Jungschützenkurs wieder im Einsatz. Eine besondere Herausforderung ist das 30-schüssige Programm für die Karabinerschützen, muss doch nach jedem Schuss nachgeladen werden. «Es ist einfacher mit dem Sturmgewehr. Mit dem Karabiner braucht man mehr Übung, ich muss nach dem Nachladen wieder meine Position suchen», sagt Stefano Reiser. «Doch das macht für mich den besonderen Reiz des Schiessens aus», sagt der 31-Jährige aus Sala Capriasca in der Nähe von Lugano. Und auch mit den geschossenen 244 Punkten zeigte sich der in Emmenbrücke wohnhafte Schütze mehr als zufrieden.

Keiner muss mit leeren Händen nach Hause

Auch wenn das fröhliche Beisammensein in der «Träffschiebe-Beiz» eingeschränkt war, der Stimmung taten die Coronavorschriften keinen Abbruch. Ob mit Mineralwasser, Bier oder dem offiziellen Festwein, das Fachsimpeln liessen sich die Schützen nach dem Wettkampf nicht entgehen. Und bei vielen durfte auch die Standarte, wie bei der FSG Densbüren, nicht fehlen. Schliesslich hat man nur alle fünf Jahre die Gelegenheit, an ein Eidgenössisches Schützenfest zu reisen. Und auch keiner musste mit leeren Händen nach Hause reisen. Als Andenken an das Eröffnungsschiessen stand eine Weinkaraffe für jeden einzelnen parat. Erfolgreichere konnten gar mit Kranz (ab 267 Punkte), einem Reisetrolley mit Messer, einem Rucksack mit Messer oder einem Badetuch im Gepäck die Heimreise antreten.

«Es läuft wie geschmiert»,

sagte Geschäftsführer Philipp Bühler kurz vor dem Mittag mit einem Lachen im Gesicht. Recht hatte er. Die Schützen-DNA ist immer und überall zu spüren, sei es bei der Eingangskontrolle, der Munitionsausgabe, im Festzelt oder einfach auf dem Parkplatz vor dem Schützenhaus. Friedlich, freundlich, hilfsbereit. Oder beispielsweise bei Josef Wyss. Der frühere Luzerner Kantonsratspräsident (2019/2020) war im Hüslenmoss unter der Hundertschaft von Helfern anzutreffen. Mit einer eigenen Fernsehstation wurde das Eröffnungsschiessen über Streams und die sozialen Medien in weite Welten hinausgetragen. Ein Zeichen, dass der zeitgenössische Geist auch längst im Schiessen Einzug gehalten hat, und dass sich das Schiessen in den letzten Jahrzehnten immer mehr zum Spitzensport entwickelt hat.