EMMEN: Er wird höchster Emmer – mit 30 Jahren

Andreas Kappeler wird am Dienstag zum neuen Emmer Einwohnerratspräsi­denten gewählt. Das ist eine Premiere in zweierlei Hinsicht.

Olivia Steiner
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Meistens mit dem Velo unterwegs: der neue Einwohnerratspräsident Andreas Kappeler (30), hier in der Nähe des Emmer Zentrums Gersag. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Meistens mit dem Velo unterwegs: der neue Einwohnerratspräsident Andreas Kappeler (30), hier in der Nähe des Emmer Zentrums Gersag. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Am Dienstag vereidigt Emmens Einwohnerrat seinen neuen Präsidenten, den bisherigen Vizepräsidenten Andreas Kappeler. Der 30-jährige Grüne ist der jüngste je gewählte Einwohnerratspräsident in der 50-jährigen Geschichte des Emmer Parlaments. Er ist auch der erste Grüne, der dieses Amt bekleidet. «Das ist eine besondere Ehre für mich», so Andreas Kappeler.

Der unkomplizierte und offene junge Mann freut sich auf sein Präsidialjahr: «Mein Ziel ist es, möglichst oft bei Vereinen zu Besuch zu sein und ihre Anliegen aufzunehmen. Auch möchte ich junge Leute vermehrt für die Politik begeistern und zeigen, was sie bewirken kann. Die Bevölkerung darf und soll sich mit Anliegen vermehrt an uns Parlamentarier wenden.» Als höchster Emmer wolle er natürlich primär das Parlament vertreten. Aber: «Ich möchte auch zeigen, dass wir Grünen gar nicht so schlimm sind. Ich trinke auch gerne mal ein Bier oder fahre ab und zu Auto», so Kappeler lachend.

Jungwächtler und Fasnächtler

Kontakte zu den Emmer Vereinen hat Kappeler auch in seinem privaten Umfeld. Er ist in Emmen aufgewachsen – als Kind in den Quartieren Rüeggisingen und Meierhöfli, nun seit 15 Jahren im Unter-Grundhof – und nahm schon damals aktiv am Emmer Vereinsleben teil. Dies als Mitglied der Jungwacht. Auch dieses Jahr begleitet er die Kinder und Jugendlichen ins Sommerlager, inzwischen als Koch.

Als angefressener Fasnächtler ist Kappeler bei der «Chaostroppe» ein aktives Vereinsmitglied. Die rund 25 Fasnächtler bauen seit 10 Jahren jeweils einen Wagen, mit dem sie an Umzügen und an Standplätzen in Luzern und Emmen anzutreffen sind. «Die handwerkliche Tätigkeit ist ein guter Ausgleich. Zudem komme ich raus aus dem ‹Öko-Ghetto›», schmunzelt Kappeler. Angefangen mit einem Unfallwagen, baut die Truppe heute ein Postauto um. Kappeler: «Wir denken aber über einen kleineren Wagen nach. Denn für das Postauto braucht man die Lastwagenprüfung, weshalb nur zwei von uns überhaupt damit fahren dürfen.»

Lösungen statt Ideologien

In die Politik gefunden hat er eher zufällig. «Luzius Hafen, früherer Fraktionschef der Emmer Grünen, ist mein Firmgötti. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, für den Einwohnerrat zu kandidieren. Ich sagte spontan zu.» Die Begeisterung für diese Aufgabe sei stetig gewachsen. Vor seiner Zeit als Einwohnerrat habe er sich vorwiegend für nationale und internationale Politik interessiert. «Inzwischen finde ich die Arbeit auf Gemeindeebene äusserst spannend. Denn es geht vorwiegend um pragmatische Lösungen, nicht um ideologische Grabenkämpfe. Auch sind die Auswirkungen unserer Politik viel konkreter.»

Heute ist die Politik aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken; hauptberuflich ist Kappeler Sekretär der Grünen Partei Kanton Luzern. «Damit konnte ich mein Hobby zum Beruf machen.» Und wenn die Politik Pause macht? «Im Winter bin ich regelmässig auf der Skipiste, im Sommer gehe ich jedes Jahr an mehrere Musikfestivals.» Diesen Sommer besuchte er bereits das Southside in Deutschland, und seit gestern weilt er am Open Air St. Gallen. Auch am Gurtenfestival wird er anzutreffen sein.

Keine Politmüdigkeit

Kappeler ist bereits seit acht Jahren im Parlament und Mitglied der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (R+GPK). Zudem ist er Präsident der Fraktion SP/Grüne/GLP. Diese beiden Aufgaben wird er während seines Präsidialjahres abgeben. In der R+GPK wird er von Sigisbert Regli (SP) vertreten, das Amt der Fraktionschefin übernimmt Barbara Fas (SP). Nach seinem Präsidialjahr möchte er in beiden Funktionen wieder selbst amten. Denn: «Politmüde bin ich noch lange nicht. Auch wenn es im Einwohnerrat oft schwierig ist, ökologische Themen durchzubringen. Aber Emmen ist eine sehr spannende Gemeinde mit viel Entwicklungspotenzial.»