EMMEN: Fehlplanung: Der Bushof wird teurer

Der Seetalplatz erhält einen neuen Bushof. Bei der Berechnung der Kosten hat die Gemeinde geschlampt. Jetzt muss der Gemeinderat einen Zusatzkredit beantragen.

Merken
Drucken
Teilen
Ein Bus der Auto AG Rothenburg fährt über den Seetalplatz in Emmenbrücke. (Archivbild Manuela Jans)

Ein Bus der Auto AG Rothenburg fährt über den Seetalplatz in Emmenbrücke. (Archivbild Manuela Jans)

Dominik Weingartner und Beatrice Vogel

Etwas ungläubig dürften die Emmer Einwohnerräte den Bericht und Antrag für einen Zusatzkredit beim Bau der neuen Bushaltestelle am Seetalplatz studiert haben. Am 30. Juni hatten sie im Einwohnerrat für den Bau des neuen Bushofs am Seetalplatz rund 1,3 Millionen Franken gesprochen. Jetzt, knapp vier Monate später, beantragt der Gemeinderat nochmals rund 460 000 Franken als Zusatzkredit.

Offenbar gingen grundlegende Kosten, wie etwa die Fundamente für Wartehäuschen und Abfallkübel, vergessen. Und auch die Freiraumarbeiten (Bäume und Beleuchtung) sind im ersten Bericht und Antrag komplett ausgeklammert worden. Wie kann so etwas passieren?

Baudirektor Josef Schmidli (CVP) räumt auf Anfrage ein, dass Fehler gemacht worden sind. «Wir arbeiten mit einem externen Planungsbüro zusammen. Der Fehler ist in der Abstimmung zwischen Planungsbüro und Baudepartement passiert», so Schmidli. Es sei nicht bis ins letzte Detail klar definiert worden, wer was macht, und so sei es dazu gekommen, dass im ersten Bericht Kostenpunkte gefehlt hätten.

Wer zahlt – Kanton oder Gemeinde?

Zudem habe es Unklarheiten bei der Aufteilung der Kosten zwischen Kanton und Gemeinde gegeben. «Alles, was höher als der Randstein ist, müssen wir zahlen.» Die Planer seien darum davon ausgegangen, dass der Kanton die Kosten für die Fundamente von Wartehäuschen und Abfallkübel übernehme. Dem ist aber nicht so. Da das Häuschen und die Kübel höher als der Randstein sind, muss die Gemeinde auch die Kosten für deren Fundamente tragen.

Bezüglich der Freiraumgestaltung sagt Josef Schmidli, dass der Gemeindeanteil der Kosten zum Teil erst Mitte 2015 «in seiner endgültigen Dimension ersichtlich» worden sei. Die Gesamtkosten für die Freiraumgestaltung belaufen sich im aktuellen Zusatzkredit auf 192 500 Franken. Neben dem Pflanzen von Bäumen ist auch die Verlegung eines Rohres für rund 50 000 Franken für die Beleuchtung eines Wanderweges zwischen dem Seetalplatz und dem Viscosisteg am Ufer der Kleinen Emme enthalten. Vorerst werden zwar noch keine Lampen installiert, denn auf Wanderwegen wolle man dies eigentlich nicht, sagt Schmidli. Doch: «Das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung ist angestiegen.» Deshalb verlege man die Rohre schon jetzt, damit man die Beleuchtung gegebenenfalls einfach installieren könne.

«Unschöne Sache»

Der Emmer Baudirektor spricht bezüglich des Zusatzkredites von einer «unschönen Sache. Aber wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler.» Schmidli verweist auch auf die Einzigartigkeit des Projekts: «Das Projekt Seetalplatz ist sehr komplex. Da gehts Schlag auf Schlag. Wir haben noch nie ein solches Projekt gestemmt.»

Wichtig sei, dass man aus den Fehlern lerne und die Konsequenzen ziehe. «Wir müssen alles besser hinterfragen.» Schmidli sagt weiter, dass der Bericht und Antrag ausgearbeitet worden sei, als im Baudepartement eine Reorganisation durchgeführt worden sei. Da könne es passieren, dass Sachen zwischen Stuhl und Bank fallen, so Schmidli.

Parlamentarier schauen genau hin

Der beantragte Zusatzkredit dürfte an der Einwohnerratssitzung vom 17. November zu reden geben. Ob er bewilligt wird, ist fraglich, gab es doch schon beim ersten Kredit im Juni Zweifel von Seiten der Einwohnerräte. So hatte etwa die SVP-Fraktion einen Rückweisungsantrag gestellt, weil das Projekt zu wenig verständlich ausgeführt wurde. Nur dank detaillierten Erklärungen der Planer an der Sitzung der Geschäftsprüfungskommission gab sich das Parlament mit dem Antrag zufrieden.

Dass offenbar doch nicht alles so geregelt abgelaufen war, wird nun zur Folge haben, dass die Einwohnerräte diesmal noch genauer hinsehen werden. Dies bestätigt FDP-Fraktionschef Martin Birrer: «Wir werden den Zusatzkredit genau auseinandernehmen und sehr kritisch prüfen.» Welche Stellung die Fraktion dazu beziehen werde, könne er aber nicht sagen, so Birrer, da die Fraktionssitzung erst am 9. November stattfinde. Auch die Fraktionen von SP/Grüne/GLP, SVP und CVP werden erst nächste Woche zusammenkommen, weshalb die Fraktionschefs noch keine Stellungnahmen abgeben möchten. Christian Blunschi (CVP) sagt lediglich: «Wir werden den Antrag des Gemeinderates sicher prüfen und bei Bedarf im Rahmen der Kommissionssitzungen am 10. November offene Fragen klären.»

Bushof eröffnet Ende 2016

Die Bauarbeiten am neuen Bushof haben vor knapp einem Monat begonnen. Die Fertigstellung ist auf Oktober 2016 geplant. Die endgültige Inbetriebnahme erfolgt dann auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2016. Der neue Busknoten ist Teil der Gesamterneuerung des Seetalplatzes, bei dem der Busverkehr eine neue Linienführung erhält. Der neue Bushof wird dereinst von den Linien 2, 13, 43, 45 und 53 angefahren.