EMMEN: Flüchtlinge als Musterschüler

Schulpflicht gilt auch für Flüchtlingskinder: Rund 30 von ihnen besuchen derzeit den Unterricht im Schulhaus Hübeli. Und sie strotzen vor Fleiss und Motivation.

Daniel Schriber
Merken
Drucken
Teilen
Lehrerin Heidy Müller gestern beim Unterrichten im Schulhaus Hübeli. Anhand von Kärtchen lernen die Flüchtlingskinder Deutsch. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Lehrerin Heidy Müller gestern beim Unterrichten im Schulhaus Hübeli. Anhand von Kärtchen lernen die Flüchtlingskinder Deutsch. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

30 Grad im Schatten und die Sommerferien vor der Tür: So manchen Luzerner Kindern und Jugendlichen dürfte der tägliche Gang zur Schule im Moment schwerer fallen als sonst. Umso erstaunlicher ist es deshalb, wie ruhig und konzentriert es bei unserem gestrigen Schulbesuch im Emmer Schulhaus Hübeli zu- und hergegangen ist.

Erstaunlich auch deshalb, weil es besondere Klassen sind, die an diesem heissen Mittwochnachmittag im Hübeli mit Schulbüchern, Memory-Spielen und Kärtchen Deutsch lernen: Die fünf- bis 16-jährigen Kinder sind allesamt in den letzten Monaten als Flüchtlinge nach Luzern gekommen – einige gar ganz auf sich allein gestellt, ohne Eltern, Geschwister oder andere Verwandte. Doch genauso wie für die Schweizer gilt auch für alle Asyl suchenden Kinder: Schule ist Pflicht.

29 Flüchtlingskinder besuchen im Kanton Luzern derzeit den Schulunterricht für Asylsuchende. Sie alle gehen im Hübeli zur Schule, in insgesamt vier Klassen (eine Basisstufe, zwei Primarstufen und eine Oberstufe). Es handelt sich um reine Flüchtlingsklassen.

«Froh, etwas lernen zu dürfen»

Der erste Eindruck in den Klassenzimmern täuscht nicht. «Alle Kinder sind sehr motiviert, fleissig und kommen unglaublich gerne in die Schule», sagt Lehrerin Heidy Müller, die seit mehreren Jahren fremdsprachige Kinder unterrichtet. In «normalen» Schweizer Klassen habe sie nie derart fleissige Klassen erlebt. «Viele der Asyl suchenden Kinder haben seit Jahren kein Schulzimmer mehr von innen gesehen und sind einfach froh, etwas lernen zu dürfen, Strukturen zu erleben», so Müller. Das bestätigt auch die verantwortliche Schulleiterin Silvia Rüttimann.

An die Schweizer Art des Schulunterrichts müssten sich manche Kinder jedoch zuerst gewöhnen. «Ein junger Syrer fragte mich allen Ernstes, wo mein Stock sein und warum ich nie zuschlage», berichtet Müller. Andere würden sich immerzu für Fehler entschuldigen. «Die Schülerinnen und Schüler brauchen Zeit, doch sie lernen schnell.»

Riesige Unterschiede

Für die Lehrerin ist die Arbeit mit den Flüchtlingen herausfordernd. Vom Analphabeten bis zum Jugendlichen, der in seiner Heimat bereits neun Schuljahre absolviert hat, ist alles dabei. Andere Kinder waren zwar schon in der Schule, mussten diese jedoch aufgrund eines Krieges in ihrer Heimat unterbrechen. «Die Bildungsschere ist sehr gross», so Müller.

In welcher Situation sich die Kinder auch befinden, das Ziel ist bei allen dasselbe: Die Flüchtlinge sollen während drei bis sechs Monaten auf den Übergang in die Volksschule vorbereitet werden. Deutsch ist mit sechs bis acht Lektionen pro Woche deshalb zwar das wichtigste Fach, die Kinder erhalten aber auch Mathematik-, Werk-, und Turnunterricht. Nebst drei Lehrpersonen engagiert sich auch eine Heilpädagogin für die ausländischen Kinder.

Traumberuf Arzt

Auch der 14-jährige Syrer Loiy geht gerne in der Schweiz zur Schule. Er ist seit zwei Monaten in der Schweiz und ist fest motiviert, so rasch wie möglich Deutsch zu lernen. Dies, damit er sich mit seinen Kollegen beim Fussballspielen unterhalten kann, wie er lächelnd und in stockendem Deutsch erklärt. «Und weil ich hier bleiben und Arzt werden möchte.» Zuerst aber hat Loiy noch etwas anderes vor: Spielt das Wetter mit, gehts am Freitag mit all den anderen Flüchtlingskindern auf Schulreise – auf die Krienseregg.