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EMMEN: Frau bleibt im schlimmsten Fall gelähmt

Die Frau, die letzte Woche in Emmen mutmasslich vergewaltigt wurde, ist hals-abwärts querschnittgelähmt. Derweil hat die Polizei neue Erkenntnisse über den Täter.
"Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass es sich beim mutmasslichen Täter um einen Raucher handelt." Kurt Graf, Sprecher Luzerner Polizei. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

"Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass es sich beim mutmasslichen Täter um einen Raucher handelt." Kurt Graf, Sprecher Luzerner Polizei. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Simon Bordier

Die junge Frau, die letzte Woche in Emmen vom Velo gezerrt und mutmasslich vergewaltigt wurde, ist nach dem Angriff querschnittgelähmt. Dies hat gestern die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) in Nottwil in einer Medienmitteilung bestätigt, nachdem unsere Zeitung bereits Anfang Woche publik gemacht hatte, dass die Frau Rückenverletzungen erlitt (Ausgabe vom Dienstag). «Die Ärzte gehen aufgrund der schweren Rückenmarksverletzungen von einer Querschnittlähmung des Rumpfs sowie der Arme und Beine einer Tetraplegie – aus», heisst es in der Mitteilung. Eine Beurteilung der bleibenden Einschränkungen des Körpers der Patientin könne aber «frühestens in etwa zwei bis drei Monaten» vorgenommen werden.

Von einer Tetraplegie wird gesprochen, wenn das Rückenmark im Halsbereich geschädigt wird und dadurch der ganze Körper schulterabwärts gelähmt ist. Dies im Unterschied zur Paraplegie, bei der die Lähmung ab dem Brust-, Lenden- oder Kreuzbereich auftritt; anders als Tetraplegiker können Paraplegiker in der Regel Arme und Hände gut bewegen.

Aus Rücksicht auf die Betroffene und die Angehörigen will beim SPS momentan niemand weitere Auskünfte über den Zustand und die Heilungschancen der Patientin geben.

Genaue Diagnose braucht Wochen

Aussenstehende Ärzte können nur bedingt Aussagen über den möglichen Verlauf der Genesung und der Therapie bei Tetraplegie machen. «Patienten können bei leichteren Verletzungen manchmal gänzlich geheilt werden, bei schweren Verletzungen bleiben sie im schlimmsten Fall schulterabwärts für immer gelähmt», sagt Martin Schubert, leitender Arzt Neurologie am Zentrum für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist in Zürich. Kurz nach einem Unfall sei eine genaue Diagnose aber noch nicht mit Sicherheit möglich. «Dazu sind Untersuchungen über mehrere Wochen notwendig», sagt Martin Schubert.

Offen sei nicht nur, ob und in welchem Mass ein Tetraplegiker sich dereinst wieder bewegen könne. Auch die Art der Lähmung lasse sich wenige Tage nach einer Verletzung nicht definitiv bestimmen. «Bei über der Hälfte der Tetraplegiker liegt eine inkomplette Lähmung vor, das heisst, dass sie sich trotz Einschränkungen noch bewegen und fühlen können», so Schubert. Im Fall einer kompletten Lähmung sei hingegen neben der Motorik auch die Empfindungsfähigkeit vollständig zerstört.

Innere Organe beeinträchtigt

Bei vielen Tetraplegikern seien zudem die Funktionen der inneren Organe beeinträchtigt: «In der Regel funktionieren Blase, Darm und Kreislauf nicht mehr richtig.» Tetraplegiker müssten deshalb lernen, mit der Störung der Organe umzugehen.

Das Gewaltdelikt ereignete sich am Dienstag letzter Woche. Die 26-jährige Frau war abends um 22.40 Uhr auf dem Dammweg in Emmen mit dem Velo unterwegs, als sie vom Velo gerissen, in ein nahes Waldstück geschleift und dort mutmasslich vergewaltigt wurde. Nach dem Täter wird noch immer intensiv gesucht, wie Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei, auf Anfrage sagt.

Wenig Neues bei den Ermittlungen

Der Täter soll gebrochen Deutsch gesprochen haben. Der Mann ist gemäss Täterprofil zirka 1,70 bis 1,80 Meter gross und schlank. Er hat eine helle Hautfarbe. Er trug am Abend ein T-Shirt und kurze Hosen. «Unsere Ermittlungen haben zudem ergeben, dass es sich um einen Raucher handelt», sagt Graf zum aktuellen Stand der Untersuchungen. «Neue Erkenntnisse liegen momentan sonst nicht vor.»

Den Zeugenaufruf der Luzerner Polizei hatte auch die Gemeinde Emmen auf ihrer Facebook-Seite im Internet aufgeschaltet. Doch die Kommentare der Internetnutzer bewogen die Gemeinde dazu, den Aufruf wieder zurückzuziehen und das Diskussionsforum zu schliessen (Ausgabe von gestern). «Einige Kommentatoren haben sich nicht an die Anstandsregeln gehalten, die sich die Gemeinde selbst gesetzt hat», sagt André Gassmann, der Marketingverantwortliche der Gemeinde Emmen.

Verdacht auf Rassendiskriminierung

Diskussionsteilnehmer hätten sich teils gegenseitig beleidigt, teils zur Selbstjustiz aufgerufen und aus dem Täterprofil («spricht gebrochen Deutsch») vorschnell Schlüsse gezogen. «Bei einigen Äusserungen besteht gar der Verdacht auf Rassendiskriminierung», so Gassmann. Da es sich bei Rassendiskriminierung um ein Offizialdelikt handle, sei die Gemeinde verpflichtet, die Fälle an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. «Leider können fünf bis zehn unanständige Kommentatoren dafür sorgen, dass eine seriöse Diskussion mit über hundert Teilnehmern aus dem Ruder läuft.»

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