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EMMEN: Geld sparen mit persönlicher Sozialhilfe

Hilfesuchenden rechtzeitig Wege zur Problemlösung anbieten: Damit will die Gemeinde Emmen künftig höhere Sozialkosten vermeiden.
Hugo Bischof
Eine arbeitslose Frau sucht eine Stelle. (Symbolbild Archiv / Neue LZ)

Eine arbeitslose Frau sucht eine Stelle. (Symbolbild Archiv / Neue LZ)

Vor kurzem meldete die Gemeinde Emmen die erstmalige Überschreitung der Einwohnerzahl von 30 000 (Ausgabe vom 3. Dezember). Das spricht für die Vorzüge der zweitgrössten Zentralschweizer Gemeinde in Sachen Verkehrslage und Wohnangebot. Emmen soll in den kommenden Jahren weiterwachsen – auf über 33 000 Einwohner im Jahr 2020, wie der langfristigen Planung des Gemeinderats zu entnehmen ist.

Schattenseite: Steigende Kosten

Das hat kostenmässig auch Schattenseiten – etwa in den Bereichen Schule und Sozialhilfe. So hält die Emmer Regierung im Bericht zum Jahresbudget 2016 unmissverständlich fest: «Wachstumsbedingt muss davon ausgegangen werden, dass sowohl die Kosten der Volksschule als auch die Kosten im allgemeinen Sozialbereich ansteigen werden.» Dies gründe einerseits auf «tendenziell steigenden Schülerzahlen». Andererseits «könnten die Fallzahlen in der wirtschaftlichen Sozialhilfe ansteigen».

Das Budget 2016 der Gemeinde ­Emmen rechnet bei 150,5 Millionen Franken Aufwand und 149,6 Millionen Franken Ertrag mit einem Defizit von 0,9 Millionen Franken. In den Jahren ab 2018 soll es dann Defizite von über 1 Million Franken geben. Die Finanzlage Emmens werde deshalb trotz steigender Steuereinnahmen «angespannt» bleiben, so der Gemeinderat. Dazu passt, dass die langfristigen Schulden der Gemeinde per Ende 2014 von 126,2 auf 134,2 Millionen Franken anstiegen.

Neu auch «immaterielle» Hilfe

Alles beunruhigende Zahlen. Der Gemeinderat bleibt dabei nicht untätig. Im Bereich Soziales hat er bereits reagiert. Das Sozialamt Emmen solle «zum Sozialdienst werden – zu einem Zentrum mit einem Angebot von massgeschneiderten immateriellen und materiellen Leistungen», teilte das Gemeinde-Infoblatt «Emmenmail» mit. Dadurch sollen «Kosten reduziert und die Sozialhilfe dienstleistungsorientierter werden».

Laut Gemeinderat gibt es viele Leute, die in erster Linie nicht finanzielle Unterstützung brauchen, sondern «andere, möglichst massgeschneiderte und nachhaltige Hilfeleistungen, sei es bei administrativen Fragen, bei der Koordination von Beratungen» und so weiter. Von «immaterieller» Lebenshilfe ist hier die Rede. Sie soll Personen, die durch Schicksalsschläge oder schwierige Lebenssituationen aus der Bahn geworfen wurden, aufzeigen, wie sie sich selber stabilisieren können.

Neu schuf der Emmer Gemeinderat in der Direktion Soziales/Gesellschaft die Stelle der persönlichen Sozialhilfe für Menschen in Notlagen. Geleitet wird sie von Claudia Brunner. «Wir setzen alles daran, die Hilfe suchenden Menschen bestmöglich zu beraten und mit den bestehenden Angeboten zu vernetzen», sagt Gemeinderat Thomas Lehmann. «Diese Dienstleistungen sind insbesondere dann wichtig, wenn kein Anspruch auf wirtschaftliche Sozialhilfe gegeben ist.»

Häufig seien Hilfsbedürftige auch mit Unterlagen und Verträgen überfordert sowie dem Ausfüllen von Formularen oder dem Schreiben selber. Auch für sie schuf Emmen nun eine persönliche Anlaufstelle, den Schreibdienst. Betreut wird er von Joy Moser. «Die ersten Erfahrungen mit der persönlichen Sozialhilfe und dem Schreibdienst zeigen, dass die neuen Angebote geschätzt werden», sagt Sozialdirektor Lehmann. Für ein weitergehendes Fazit sei es aber noch zu früh: «Die Sozialhilfe soll auch weiterhin die Existenz bedürftiger Personen sichern, ihre wirtschaftliche und persönliche Selbstständigkeit sowie die soziale und berufliche Integration fördern.»

Dennoch müsse es ein Ziel sein, die Sozialhilfekosten insgesamt zu senken, so Lehmann: «Durch den Einsatz neuer Dienstleistungen wie den Schreibdienst oder die persönliche Sozialhilfe wollen wir Personen auffangen, bevor sie wirtschaftliche Sozialhilfe benötigen. Indem wir frühzeitig investieren, versuchen wir künftige Kosten zu mindern und eine gezielte präventive Hilfeleistung anzubieten. Diese soll, wenn immer möglich, den Einstieg in die wirtschaftliche Sozialhilfe verzögern oder verhindern.»

Im Übrigen wende Emmen die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos) sowie des Luzerner Handbuches zur Sozialhilfe konsequent an. «Die an Sozialhilfebezüger gewährten Leistungen werden zudem laufend überprüft. Damit stellen wir sicher, dass Personen so lange Sozialhilfe bekommen, wie sie auch benötigt wird.»

Missbräuche bekämpfen

Nicht zuletzt mit Hilfe der Sozialinspektoren sollen Missbräuche der Sozialhilfe aber weiter konsequent bekämpft werden. «Mit dem Einsatz unserer Sozialinspektoren wollen wir weiterhin alle jene Personen von der Sozialhilfe fernhalten, die ungerechtfertigterweise Sozialhilfe beziehen», betont Lehmann. Die Sozialinspektoren leisteten zudem «einen wichtigen präventiven Faktor zur Reduktion der Sozialhilfekosten».

Der Emmer Sozialinspektor nahm im Jahr 2014 rund 100 Fälle neu auf – dabei waren auch Fälle in den 13 vertraglich mitbeteiligten Luzerner Gemeinden, darunter alle Agglomerationsgemeinden, inbegriffen. Bei jeder zweiten Abklärung stellte sich ein Betrug heraus. Die aufgedeckte Deliktsumme betrug 2014 rund 1 Million Franken. Davon entfiel etwa die Hälfte auf die Gemeinde Emmen. In 28 Fällen reichte der Sozialinspektor Strafanzeige ein.

Sozialhilfequote: 3,4 Prozent

2014 wurden laut kantonaler Statistik in Emmen 981 Personen mit wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt. Das entspricht einer Sozialhilfequote von 3,4 Prozent, basierend auf einer Einwohnerzahl von 28 926 (Stand Ende 2013). Andere Gemeinden wie Dierikon (3,8 Prozent), Kriens (3,7 Prozent), Luzern (3,5 Prozent) und Ebikon (3,5 Prozent) lagen vor Emmen. «Unser Ziel ist es, die Sozialhilfequote auch in Zukunft weiter senken zu können», sagt Gemeinderat Lehmann. Er ist überzeugt: «Wir können mit allen unseren Angeboten die Sozialkosten reduzieren, den Einwohnern eine bessere Hilfeleistung bieten und das Gemeinwesen dadurch entlasten.»

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