EMMEN: Gersag-Umbau wird teurer

Im Herbst 2017 sollen im Zentrum Gersag die ersten Musicals über die Bühne gehen. Doch das Gebäude ist baufälliger als angenommen. Das könnte den Umzug des Le Théâtre verzögern – oder gar verhindern.

Beatrice Vogel
Drucken
Teilen
Das Kongresszentrum in Gersag. Hier soll nach dem Umbau das Le Théâtre einziehen. (Bild: PD)

Das Kongresszentrum in Gersag. Hier soll nach dem Umbau das Le Théâtre einziehen. (Bild: PD)

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Gross wurde es letzten Frühling angekündigt: Das Krienser Musicalhaus Le Théâtre soll ab Herbst 2017 im Zentrum Gersag in Emmen spielen, die Le-Théâtre-Betreiberin Greber Circomedia AG soll die Betriebsführung übernehmen (Ausgabe vom 13. April). Die Gemeinde Emmen hat damit einen grossen Fisch an Land gezogen. Dank Mietzins und Billettsteuer soll das bisher defizitäre Haus schwarze Zahlen schreiben. Der einzige Haken: Das Gebäude mit Baujahr 1972/73 ist ein Sanierungsfall. Die Gemeinde rechnete im April noch mit Investitionskosten von 2 bis 2,5 Millionen Franken für die Sanierung.

In der Zwischenzeit hat die Greber Circomedia AG den Betrieb des Gersag im Mandat übernommen. Was den Umbau anbelangt, blieb es still. Dies, obwohl der Gemeinderat angekündigt hatte, das Geschäft im Sommer vor den Einwohnerrat zu bringen. Ein Posten von 900000 Franken wurde im Budget 2017 für Infrastrukturergänzungen der Säle und des Restaurants eingestellt. Der Grund: Wegen des Investitionsplafonds darf die Gemeinde bis 2019 jährlich nur 5 Millionen Franken investieren.

Verhandlungen ziehen sich in die Länge

Das hat die CVP stutzig gemacht. Mit einer Dringlichen Interpellation stellte sie den Gemeinderat an der Einwohnerratssitzung vom letzten Dienstag zur Rede. In seiner Antwort erklärte Finanzvorsteher Urs Dickerhof (SVP): «Die Verhandlungen ziehen sich in die Länge, da zuerst geklärt werden muss, wer für welche Investitionen aufkommt.» Es habe bei den Abklärungen für den Umbau einige Überraschungen gegeben, gerade was die sicherheitstechnischen Anforderungen an das Gebäude betrifft. Bei einem Umbau müsste dies angepasst werden. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Urs Dickerhof, es liege nun ein Vorschlag für einen Mietvertrag und für die Kostenteilung auf dem Tisch, der aber noch nicht spruchreif sei. Zuerst müsse geklärt werden, was wirklich saniert werden müsse und was optional sei. «Wunsch und Realität gehen auseinander», so Dickerhof. Sprich: Neue Notausgänge sind Vorschrift, ein schöner neuer Boden ist aus Sicht der Gemeinde wohl optional.

«Der Umbau kostet insgesamt sicher mehr als 2,5 Millionen, aber auch weniger als 10 Millionen Franken.» Es sei aber eben noch nicht geklärt, wer davon was bezahlt. «Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder investiert die Gemeinde und dafür steigt der Mietzins, oder das Le Théâtre übernimmt die Investition und der Mietzins sinkt», sagt Dickerhof. Grundsätzlich sei das Projekt aber auf gutem Weg.

«Als wir im Sommer die Geschäftsführung übernommen haben, entdeckten wir, in welchem Zustand dieses Haus ist», erzählt Andréas Härry, Co-Geschäftsleiter Le Théâtre. Es sei bald klar geworden, dass die Sanierung teurer werde als bisher angenommen. Dabei handle es sich um Grundlegendes, wie etwa ein rollstuhlgängiger Lift oder feuerpolizeiliche Massnahmen. «Wir machen niemandem einen Vorwurf für die mangelnde Pflege, schliesslich gab es bisher keine Vision für das Gebäude», sagt Härry, stellt aber klar: «Die Sanierungen müssen gemacht werden, bevor wir einziehen.» Ansonsten habe man jedes Jahr Bauarbeiten und dadurch Betriebsausfälle.

Produzenten wollen wohl nicht bis 2018 warten

Doch bevor der Umbau beginnen kann, muss der Einwohnerrat den Kredit – wie hoch er auch immer ausfällt – absegnen. Die nächste Sitzung findet am 21. März statt. Härry: «Wenn der Einwohnerrat dann den Kredit spricht, können wir gleich mit dem Umbau loslegen. Dann können wir im Herbst 2017 mit dem Theater- und Eventbetrieb starten.» Wenn nicht, könnte das Le Théâtre erst auf die Saison 2018 einziehen. Ob man dann noch Lust darauf habe, sei fraglich, so Härry, denn so lange werden Eventproduzenten nicht warten und sich andere Spielorte suchen.

Für Härry ist der kürzlich ausgehandelte Vertragsentwurf aber ein positives Zeichen. «Wir sind sehr optimistisch und machen mit der Planung vorwärts.» Es gehe darum, eine pragmatische Lösung zu finden. «Keiner will, dass dieses Projekt scheitert. Wir fühlen uns willkommen, das Restaurant läuft gut, und wir haben auch schon viele Anfragen für Produktionen. Wir wollen mit Überzeugung nach Emmen.» Und, so Härry, für die Gemeinde sei dies finanziell quasi die einzige, sofort positiv wirkende Lösung: «Wenn wir da sind, kostet das Gersag für die Gemeinde nichts mehr, und sie erhält zusätzliche Billettsteuern. Ohne Le Théâtre bleibt das Gersag ein unbefriedigend ausgelastetes Haus und eine Belastung für das Gemeindebudget.»