EMMEN: In den Tannenästen wachsen Fische sicher auf

Die Reuss ist längst kein ideales Gewässer für Fische mehr. Verbesserungen müssen her. Daher wurden 12 Rottannen per Helikopter ins Flussbett gelegt.

Thomas Heer
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Per Helikopter wurden Rottannen in die Reuss geflogen, um den Fischen bessere Laichmöglichkeiten zu bieten. (Bild Manuela Jans)

Per Helikopter wurden Rottannen in die Reuss geflogen, um den Fischen bessere Laichmöglichkeiten zu bieten. (Bild Manuela Jans)

Eine Tanne fliegt durch die Luft. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
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Die Tanne wird am Ufer abgesetzt. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Arbeiter verankern die Bäume mit Stahlseilen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Die im Wasser liegenden Bäume sogen für geringe Strömung. Ideal für frisch geschlüpfte Jungfische. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Vom Ufer aus verfolgen Augenzeugen das Geschehen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Für eine Zufahrt mit Transportwagen fehlt eine genügend breite Strasse. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Diese Tanne fliegt zum ersten – und letzten – Mal. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Die nächste fliegende Tanne taucht über der Silhouette der stillgelegten Kehrichtverbrennung auf. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Eine Tanne fliegt durch die Luft. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Thomas Heer

Manch ein Passant mag sich gestern Morgen im Gebiet der Reusseggbrücke auf Emmer Gemeindegebiet verwundert gefragt haben: «Was ist denn hier los?» Denn am Himmel dröhnte ein Helikopter. Und an dessen Seil schwebte eine ausgewachsene Rottanne, rund zwei Tonnen schwer. Dieser Vorgang war genau 12 Mal zu beobachten. Vom Sedelwald her fliegend, wo die Bäume gefällt wurden, setzte das Fluggerät der Obwaldner Firma Rotex die Tannen sachte ins Flussbett. Dort lösten die Mitarbeiter des Staatsforstbetriebs das Nadelgehölz vom Seil und verankerten es danach fachgerecht.

Rückzugsgebiet für Jungfische

Die Erklärung für das seltene Spektakel lieferte Philipp Amrein, Fachleiter Jagd und Fischerei bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald: «Diese Massnahme soll dazu beitragen, den Äschenbestand zu erhalten.» Die Reuss zählt in der Schweiz zu den Äschengewässern von nationaler Bedeutung. Damit dies so bleibt, muss gehandelt werden. Denn Amrein schätzt, dass die Zahl dieses Edelfischs in den vergangenen 40 Jahren um bis zu 90 Prozent zurückgegangen ist.

Das hängt damit zusammen, dass die Reuss längst nicht mehr der Fluss ist, der er einst war. Im Verlauf der Jahrzehnte kam es an vielen Stellen zu Begradigungen, und von der Natur geschaffene flache Uferpartien wurden von Menschenhand umgebaut. Das führte dazu, dass sich die Fliessgeschwindigkeit der Reuss erhöhte. Aber dieser Umstand wirkt sich auf die Fischbestände fatal aus. Denn schlüpfen die Tiere als Winzlinge aus ihren Eiern, werden sie im schnell fliessenden Wasser einfach weggeschwemmt und haben kaum eine Überlebenschance.

Auch andere Fischarten profitieren

Dank dem Einsetzen der Rottannen werden für die Tiere während ihrer ersten Wochen günstige Lebensgrundlagen geschaffen. Denn im Umfeld der Bäume entstehen Gebiete, wo sich die Jungfische in ruhigere Wasserabschnitte zurückziehen können. Das erleichtert ihnen das Erwachsenwerden und erhöht die Überlebenschancen. Die Nadelbäume wurden an diesem März-Wochenende eingesetzt, weil die Laichzeit der Äschen nun einsetzen wird. Auch anderen Fischarten, wie den Forellen, wird das Geäst eine sichere Kinderstube bieten und somit dem gesamten Fischbestand auf die Sprünge helfen.