EMMEN: Mit oder ohne Pilot – Luftwaffe testet Weltneuheit

Derzeit ist auf dem Flugplatz in Emmen ein weltweit einzigartiges Flugzeug stationiert. Es soll helfen, Kollisionen zu vermeiden.

Alexander von Däniken
Drucken
Teilen
Das Testflugzeug Centaur auf seinem ersten Rundflug über der Zentralschweiz: Ab 2014 wird es ohne Pilot im Cockpit seine Runden drehen. (Bild Armasuisse)

Das Testflugzeug Centaur auf seinem ersten Rundflug über der Zentralschweiz: Ab 2014 wird es ohne Pilot im Cockpit seine Runden drehen. (Bild Armasuisse)

Eigentlich ist das Flugzeug mit dem Namen Centaur eine ganz normale zweimotorige Propellermaschine mit vier Sitzplätzen. Das Besondere: Es ist das erste serienmässige Flugzeug, bei dem der Pilot nur optional ist. Das heisst, die Maschine kann wahlweise auf drei Arten geflogen werden: ganz normal mit einem Piloten an Bord, komplett ferngesteuert oder ferngesteuert mit einem Piloten an Bord, der nur dann eingreift, wenn es nötig ist. Gebaut worden ist es vom österreichischen Flugzeughersteller Diamond Aircraft Industries mit Hauptsitz in Wien. Für die technologische Ausstattung zeichnet die amerikanische Firma Aurora Flight Science in Virginia verantwortlich.

450 000 Franken Miete pro Jahr

Das weltweit einzigartige Flugzeug ist seit dem 28. November auf dem Flugplatz in Emmen stationiert. Bestellt hat es die Armasuisse, die Beschaffungsorganisation für Rüstungsgüter der Schweiz. Das Flugzeug wird gemietet – für rund 450 000 Franken pro Jahr. Der Mietvertrag läuft zehn Jahre, ist aber ab 2014 jährlich kündbar.

Die Schweizer Luftwaffe wird den Centaur ab April testen. Bis dahin wird das Flugzeug mit zusätzlichen Sensoren ausgerüstet, die sich bereits im Besitz der Armasuisse befinden. Die Luftwaffe wird das kleine Flugzeug dann für Versuche nutzen. Die neue Technik könnte schliesslich den unbemannten Drohnen der Schweizer Luftwaffe zugutekommen, die dereinst ersetzt werden müssen.

Das primäre Ziel der Tests ist laut François Furer, dem stellvertretenden Leiter Kommunikation von Armasuisse, die Drohnen der Luftwaffe – also die unbemannten Flugzeuge – sicherer fliegen zu lassen: «Durch neue Technik sollen Drohnen noch besser erkennen können, ob sich in der Nähe ein Hindernis befindet, etwa ein anderes Flugzeug. Die Drohne soll in der Lage sein, einem Flugzeug, das sich auf Kollisionskurs befindet, selbstständig auszuweichen.»

Der Centaur ermöglicht es, die «Sense and Avoid» («Wahrnehmen und Ausweichen») genannte Technik bis an die Grenzen auszutesten – schliesslich ist im Notfall noch ein Pilot im Cockpit, der eingreifen kann. Dies ist zumindest bei Tests im nächsten Jahr der Fall. Ab 2014 sind dann Flüge ohne Pilot geplant. Dann soll laut Furer die Zulassung für Flüge im unbemannten Modus für den Schweizer Luftraum vorliegen.

Das automatische Ausweichen wird immer wichtiger, schliesslich ist im Luftraum immer mehr los. Das zeigt ein Blick in die Statistik: Zwischen 2006 und 2011 haben die Starts und Landungen ziviler Flugzeuge auf den Schweizer Flughäfen und -plätzen von rund 408 000 auf über 450 000 zugenommen.

Pilot und Computer kombinieren

Laut Aviatik-Experte Sepp Moser geht es in der Luftfahrt generell darum, die optimale Mischung von Piloten- und Computersteuerung auszuloten: «Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.» Seit Jahrzehnten gebe es zum Beispiel auch in der Zivilluftfahrt voll automatisierte Landesysteme und Autopiloten. Bei unvorhersehbaren Ereignissen sei der Mensch mit seiner Intelligenz und Intuition aber nach wie vor die beste Lösung. Tests, wie sie bald in Emmen anstehen, seien vor diesem Hintergrund nicht neu – wohl aber die ausgefeilteren Instrumente.