EMMEN: Neuartige Haltestelle in der Kritik

Die sogenannte Kaphaltestelle beim Emmenfeld soll für mehr Sicherheit sorgen. Sie ist besonders fussgängerfreundlich – ärgert aber andere Verkehrsteilnehmer.

Beatrice Vogel
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Bei der Bushaltestelle Emmenfeld ist ein Kreuzen wegen der Engstelle nicht möglich. (Bild: Dominik Wunderli (Emmen, 23. Dezember 2016))

Bei der Bushaltestelle Emmenfeld ist ein Kreuzen wegen der Engstelle nicht möglich. (Bild: Dominik Wunderli (Emmen, 23. Dezember 2016))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Mit dem Bau des Betagtenzentrums Emmenfeld wurde an der Kirchfeldstrasse eine neue Bushaltestelle in Betrieb genommen. Diese ist auf jene Personen zugeschnitten, die im Betagtenzentrum ein und aus gehen: Bewohner, Mitarbeiter, Besucher sowie Familien mit Kindern, die die Tagesstätte Luuszapfe besuchen. Ein Teil dieser Nutzergruppe ist in der Mobilität eingeschränkt, weshalb ein besonderer Haltestellentyp ausgewählt wurde – eine sogenannte Kaphaltestelle. Diese sorgt nun, rund ein Jahr nach der Eröffnung, für politische Diskussionen. Dazu später mehr.

Zunächst: Was ist eine Kap­haltestelle? Das ist eine Fahrbahnhaltestelle, bei welcher der Verkehr hinter dem Bus warten muss, während dieser hält. Zusätzlich wird die Trottoirkante im Haltestellenbereich vorgezogen. Dies soll das Ein- und Aussteigen in den Bus für die Fahrgäste sicherer und bequemer machen. Kap­haltestellen kommen bei Trams oft vor. Beim Bus sieht man sie etwa dann, wenn entlang der Strasse Parkplätze aufgereiht sind. Dann wird die Parkierung unterbrochen und das Trottoir bis zur Fahrbahn vorgezogen.

Haltestellentyp für mehr Sicherheit

«Da die Haltestelle Emmenfeld viele Gehbehinderte und Personen mit Kinderwagen benützen, haben wir uns für diesen Haltestellentyp entschieden, der beim Ein- und Aussteigen mehr Sicherheit und Komfort bietet», sagt Bernhard Kuhn, Leiter Tiefbau und Werke Gemeinde Emmen. Es ist die erste Haltestelle dieses Typs auf Emmer Boden; auch sonst ist dieser Typ im Kanton Luzern kaum verbreitet.

Beim Emmenfeld ist die Haltestelle nur einseitig mit einem «Kap» versehen: Auf der südlichen Seite, beim Betagtenzentrum, ist das Trottoir gerade, während auf der nördlichen Strassenseite, wo es kein Trottoir gibt, die Haltekante so weit in die Strasse reicht, dass die Fahrbahn nur noch 3,5 Meter breit ist. Dort können die Fahrgäste auf den Bus warten. Durch die schmale Fahrbahn ist es nicht möglich, den haltenden Bus zu überholen. Auch können zwei Fahrzeuge nicht kreuzen. «Da auf dem Streckenabschnitt vor dem Betagtenzentrum Tempo 30 gilt, dient die Engstelle zur Verkehrsberuhigung und somit dem Einhalten des Tempos», erklärt Kuhn.

Trotz der 30er-Zone gibt es bei der Haltestelle einen Fussgängerstreifen – aus Rücksicht auf die Emmenfeld-Bewohner. Ausserdem: «Kaplösungen werden öfters bei Fussgängerstreifen angewandt. So können die Fussgänger den Verkehr besser sehen, und der zu querende Bereich wird schmaler, was zu weniger Verweilzeit auf der Fahrbahn führt.»

SVP und FDP sorgen sich um Velofahrer

Für Buspassagiere ist die neuartige Haltestelle also benutzerfreundlich. Andere Verkehrsteilnehmer ärgern sich aber. So die Einwohnerräte Martin Birrer (FDP) und Patrick Schmid (SVP). Sie finden, die Haltestelle verhindere einen flüssigen Verkehr, weil dieser beim Halten eines Busses beidseitig aufgehalten wird.

Zudem habe sich die Situation für Velofahrer stark verschlechtert. Denn entlang der Kirchfeldstrasse gibt es zwar ein Trottoir, das von Velos benutzt werden darf, aber im Bereich der 30er-Zone müssen die Velos auf die Strasse, weil dort Mischverkehr vorgesehen ist. Dies stelle für die Velofahrer eine grosse Gefahr dar, finden Birrer und Schmid, weshalb sie diesbezüglich ein Postulat eingereicht haben. Sie fordern, dass Velos im Haltestellenbereich auf dem Trottoir fahren dürfen.

Dies könnte aus Sicht von Bernhard Kuhn aber zu Konfliktpotenzial führen: «Erstens wäre die Sicht auf den Fussgängerstreifen beim Halten eines Busses beeinträchtigt. Zweitens könnten Velos auf dem Trottoir nicht beliebig ausweichen.» Da ein Velo mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 30 Stundenkilometern auf der flachen Strecke fahre, sei der Tempounterschied zu den Autos, die maximal 30 fahren dürfen, viel kleiner als jener zu den Fussgängern. Komme hinzu, dass es in diesem Bereich nun mehr Fussgänger gebe, so Kuhn.

Allerdings: «Bei der Engstelle ist ein Kreuzen von Fahrzeugen nicht vorgesehen, auch nicht von Velos und Autos. Würden sie trotzdem kreuzen, könnte das Unsicherheit bei den Velofahrern auslösen.» Was den Verkehrsfluss betrifft, sagt Kuhn: «Auf der Kirchfeldstrasse haben wir aktuell ein Verkehrsaufkommen von 200 Fahrzeugen pro Spitzenstunde, was recht wenig ist. Unsere Beobachtungen der ersten zwölf Monate zeigen: Es müssen selten mehr als drei bis vier Autos warten, bis der Bus wieder wegfährt.»

Trotz dieser Argumente hat der Einwohnerrat an der Sitzung vom 20. Dezember das Postulat von Birrer und Schmid teilweise überwiesen. Nun muss die Gemeinde einen durchgehenden Fuss- und Veloweg prüfen.