Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EMMEN: Per Rollstuhl ins Einfamilienhaus?

Wegen einer Beschwerde des Vereins Behindertengerechtes Bauen verzögert sich das Projekt «Feldhäuser». Doch die Klage habe wenig Chancen, sagt ein Experte.
Das Projekt «Feldhäuser» mit Wohnblöcken, Reihen- und Einfamilienhäusern. (Bild: Visualisierung PD)

Das Projekt «Feldhäuser» mit Wohnblöcken, Reihen- und Einfamilienhäusern. (Bild: Visualisierung PD)

Am südwestlichen Rand des neuen Quartiers Feldbreite in Emmen soll das Projekt «Feldhäuser» realisiert werden. Die Siedlung beinhaltet Mehrfamilienhäuser mit 29 Eigentumswohnungen sowie 37 Einfamilienhäuser, die teilweise zusammengebaut sind. Die Zugänge zur Wohnanlage sind behindertengerecht gestaltet, und die Mehrfamilienhäuser sind mit rollstuhlgängigen Liften ausgestattet. Hingegen sind die Reiheneinfamilienhäuser im Innern über Treppen erschlossen. Im Juni dieses Jahres hat die Gemeinde Emmen die Baubewilligung für die Feldhäuser erteilt.

Neubauten barrierefrei gestalten

Dagegen haben die Bauherrschaft und später auch der Verein Behindertengerechtes Bauen Luzern (BBL) vor Kantonsgericht Beschwerde eingereicht. Er fordert, dass auch die Einfamilienhäuser barrierefrei, das heisst, rollstuhlgängig und sehbehindertengerecht sein sollen. Denn gemäss kantonalem Planungs- und Baugesetz müssen die Bedürfnisse der Behinderten beim Bau von Wohngebäuden mit zusammen mindestens sechs Wohnungen angemessen berücksichtigt werden.

Rechtsanwalt Peter von Moos, der den Verein vertritt, sagt: «Grundsätzlich fallen auch Reihenhäuser unter diese Bestimmung, wenn sie zusammen mindestens sechs Wohnungen umfassen. Insbesondere werden Zugänglichkeit und Benutzbarkeit für Bewohner und Besucher der Wohngebäude verlangt. «Hinzu kommt, dass für die Feldbreite ein Bebauungsplan vorliegt, der eine hohe Nutzungsqualität fordert», so von Moos. Darin steht: «Sämtliche Neubauten und Freiräume sind barrierefrei (mobilitäts-, hör-, sehbehindertengerecht) auszugestalten.»

Von Moos: «Der Bebauungsplan ist bindend und eindeutig, was die behindertengerechte Gestaltung betrifft.» Für dieses Quartier hat das zur Folge, dass es bei Gebäuden mit mehr als drei Stockwerken faktisch in jedem Haus einen Lift braucht, so von Moos. Diese Vorgaben waren ein bewusster Entscheid, als der Bebauungsplan erlassen wurde. Das vorliegende Projekt der Einfamilienhäuser ist für dieses Quartier daher absolut nicht geeignet.

Barbara Schwegler Peyer, Präsidentin des Vereins BBL betont, dass der Verein nach dem gesetzlichen Auftrag handle und man die Bauherrschaft von Anfang an auf die Probleme aufmerksam gemacht habe. «Uns geht es um zukunftsgerichtetes Bauen. Viele Leute bleiben bis ins Alter in ihren Einfamilienhäusern. Dafür, aber auch für den Fall einer Reha, ist es sinnvoll, die Häuser schon beim Bau behindertengerecht zu gestalten», so Schwegler.

Bis zu einem Jahr Verzögerung

Für die Bauherrschaft, die Firma Senn Resources AG und die Eigentümerin Alfred-Schindler-Fonds, bedeutet die Beschwerde eine grössere Hürde. Bernard Illi, Delegierter Alfred-Schindler-Fonds, sagt: «Die Beschwerde könnte das Bauvorhaben um mehr als ein Jahr verzögern.» Geplant war, diesen Herbst mit dem Bau zu beginnen, damit die Feldhäuser 2017 bezugsbereit wären. Es gebe bereits 300 Interessenten, die sich nun in Geduld üben müssen. «Wenn wir in jedes Einfamilienhaus einen Lift einbauen müssten, würden sich die Grundrisse stark vergrössern und die Häuser somit (zu) teuer werden», so Illi.

Gemäss Mischa Berner, Rechtsanwalt und Experte für Baurecht, muss die Bauherrschaft nicht befürchten, in jedem Einfamilienhaus einen Lift einbauen zu müssen. «Das Gericht müsste nicht nur die Einfamilienhäuser als Wohngebäude mit sechs oder mehr Wohnungen qualifizieren, sondern auch die Forderungen des Vereins angemessen beurteilen.» Eine gesetzliche Vorschrift, alle Bauten vollkommen barrierefrei erstellen zu müssen, sei nicht vorhanden, und die Forderung im Bebauungsplan kann unterschiedlich ausgelegt werden. Das Gericht müsse abwägen und das Verhältnismässigkeitsprinzip berücksichtigen. «Die Erfolgsaussichten der Beschwerde sind prima vista als gering einzuschätzen.»

Erste Wohnungen sind bezogen

Feldbreitebev. Rund eine halbe Milliarde Franken wird in die Überbauung Feldbreite zwischen Mooshüsli- und Seetalstrasse in Emmen investiert. Dort entstehen auf zwölf Baufeldern rund 800 Wohnungen im mittleren bis oberen Preissegment sowie Raum für Gewerbe. Die Feldbreite gehört zu den grössten Bauprojekten in der Gemeinde Emmen. Einige Gebäude sind bereits fertiggestellt oder befinden sich zurzeit im Bau. Die ersten Wohnungen wurden per 1. September bezogen, die nächsten sind ab Frühling 2016 einzugsbereit. Nur bei zwei der zwölf Baufelder ist noch nicht klar, was entstehen soll. Bis das Gesamtprojekt fertiggestellt ist, wird es noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern.

Beatrice Vogel

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.