Emmer Pfarrei St. Maria am Wendepunkt

Konservatives Reduit oder urbane City-Kirche? Die Zukunft der Pfarrei St. Maria Emmenbrücke liegt in der Schwebe. Neu leitet ein Dominikanerpater und Kunstwissenschaftler die Geschicke der komplexen Kleinpfarrei mit.

Remo Wiegand
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Die Pfarrei St. Maria in Emmenbrücke feiert ihr 60 Jahre-Jubiläum. Gleichzeitig wird Vikar Uwe Vielhaber (rechts) von Pastoralraum-Pfarrer Kurt Schaller willkommen geheissen. (Bild: Boris Bürgisser, 26. August 2018)

Die Pfarrei St. Maria in Emmenbrücke feiert ihr 60 Jahre-Jubiläum. Gleichzeitig wird Vikar Uwe Vielhaber (rechts) von Pastoralraum-Pfarrer Kurt Schaller willkommen geheissen. (Bild: Boris Bürgisser, 26. August 2018)

Die Pfarrei St. Maria Emmenbrücke feiert dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Dass es sie überhaupt noch gibt, ist nicht selbstverständlich: Um ihre Ausrichtung und ihren Platz im Geflecht des Pastoralraums Emmen-Rothenburg mit seinen rund 21'000 Katholiken gibt es regelmässig Diskussionen; mit gut 3000 Katholiken ist St. Maria zu klein zum Überleben und zu gross zum Sterben. Zwar ist das Gebiet rund um den Seetalplatz ein Wachstumsraum, doch die neue Bevölkerung ist internationaler und säkularer. Die treue Basis der Pfarrei wird immer älter. In den letzten Jahren sind viele Pfarreigruppen verschwunden, es gibt keinen Kirchenchor, keine Elterngruppe, keine Liturgiegruppe.

Heimstätte der Italiener-Mission

Gehalten haben sich wenige, etwa Jungwacht-Blauring oder eine Drittwelt-Gruppe. Mit dieser verbliebenen Basis stellte Pfarreiratspräsident Markus Kappeler Ende August ein Pfarreifest auf die Beine, zusammen mit dem Quartierverein Meierhöfli und der Missione cattolica di lingua italiana (MCLI), deren Heimstätte St. Maria ebenfalls ist. Das Fest sollte keine «Nabelschau einer konservativ verankerten Pfarrei» sein, sondern «im Sinne eines Aufbruchs Richtung City-Kirche» verstanden werden, kündete Kappeler an. Das Konzept der City-Kirche kennt man bisher vor allem aus der Luzerner Innenstadt (Matthäuskirche und Peterskapelle). Die City-Kirche öffnet sich vermehrt für kulturelle Anlässe und spricht auch kirchlich ungebundene Menschen an.

«Wir müssen uns als Pfarrei öffnen und mit unseren Angeboten für das Quartier attraktiver werden.»

Markus Kappeler, Pfarreiratspräsident 

Im Fall von St. Maria liessen an einem verregneten Samstag etwa 60 Kinder sowie 40 freiwillige Helfer die Zukunft der Pfarrei erahnen. Auch im Vorabendgottesdienst waren Kinder und ihre Eltern gut vertreten. Das Pfarreifest transportierte ein Bild, wie es dem Pfarreiratspräsidenten als Vision für St. Maria vorschwebt: «Wir müssen uns als Pfarrei öffnen und mit unseren Angeboten für das Quartier attraktiver werden», so Kappeler. Dafür sei es unabdingbar, dass sich die Christen und Christinnen vor Ort engagieren, sagt Kappeler. «Konstrukte wie der Pastoralraum, der primär auf das Problem des Priestermangels reagiert, helfen uns da nicht weiter.»

Ein anderes Bild der Pfarrei zeigte sich anlässlich desselben Jubiläumsfests beim Festgottesdienst: Die Kirche war mit rund 200 mehrheitlich älteren Gläubigen gefüllt. Der Grossteil von ihnen sprach Italienisch. Gespannt wartete das eher konservative Stammpublikum der Pfarrei auf den Auftritt von Pater Uwe Vielhaber. Denn St. Maria hat auch einen neuen Vikar. Der 52-jährige Vielhaber ist seit langem der erste Dominikanermönch, der in der Zentralschweiz pastoral tätig wird. Er ist zudem Kunstfachmann, hat lange als Restaurator und im Museum gearbeitet, und scheint entsprechend gut qualifiziert für eine City-Pastoral für ein urbanes, kulturaffines Publikum.

Unklare Kompetenzen-Regelung

Zunächst aber muss Vielhaber im Emmer Pastoralraum seinen Platz finden. Organisatorisch ist er als Vikar direkt dem Pastoralraum-Pfarrer Kurt Schaller unterstellt. Für die Pfarrei St. Maria ist Vielhaber zusammen mit der langjährigen Pastoralassistentin Gabriela Inäbnit verantwortlich. Doch dabei fehlen klare Kompetenzregelungen. «Da gibt es Konfliktpotenzial», stellt Pfarreiratspräsident Kappeler fest. Kappeler, der als Buchverlagsleiter das katholische Milieu gut kennt, hofft, dass der neue Vikar nicht in Stellvertretung des Pfarrers und über den Kopf der Pastoralassistentin hinweg handle. Er sei aber zuversichtlich, dass sich Inäbnit und Vielhaber finden würden, so Kappeler.