EMMEN: Polizei nimmt von Verdächtigen DNA-Proben

Nach der brutalen Attacke auf eine junge Frau laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Die Polizei hat schon mehrere Personen überprüft. Der Durchbruch ist aber noch nicht gelungen.

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Polizei-Fahndungsaufruf am Tatort beim Dammweg in Emmen. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Polizei-Fahndungsaufruf am Tatort beim Dammweg in Emmen. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Der Fall erschüttert die Schweiz: Am Abend des 21. Juli wird eine 27-jährige Frau auf dem Heimweg von ihrem Arbeitsort auf dem Dammweg an der Reuss in Emmen vom Velo gestossen, ans Reussufer gezerrt und vergewaltigt. Das Opfer ist seit der Tat halsabwärts gelähmt und befindet sich in der Obhut des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil.

Informelle Befragungen

Der Täter konnte immer noch nicht gefasst werden. Doch immerhin war es der Polizei möglich, kurze, informelle Gespräche mit dem Opfer zu führen. Eine formelle Einvernahme war aufgrund des Gesundheitszustandes der jungen Frau bis heute aber noch nicht möglich, wie Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei, bestätigt. «Mit den Aussagen des Opfers können die Ergebnisse der Tatortanalyse und der Spurensicherung bestätigt oder ergänzt werden», erklärt Graf den Nutzen dieser kurzen Gespräche.

Vor einer Woche hat die Polizei eine Belohnung von 10 000 Franken für sachdienliche Hinweise ausgelobt. Seither habe die Zahl der Hinweise zugenommen, unter denen auch interessante Meldungen gewesen seien, sagt Kurt Graf. «Es wurden mehrere Personen gemeldet, deren Alibi wir überprüfen konnten. Bis jetzt hat sich daraus aber noch kein konkreter Tatverdacht ergeben», so Graf weiter. Aber man habe noch nicht alle Hinweise abgeklärt. Diese Arbeit sei zurzeit noch im Gange, so Graf. Wie viele Personen genau überprüft worden sind oder noch werden, will Graf nicht sagen.

Unangenehme Überprüfung

Für die betroffenen Personen ist eine solche Überprüfung nicht angenehm. Bei unserer Zeitung hat sich ein Mann gemeldet, der von der Polizei befragt worden ist und sich zu Unrecht verdächtigt sieht. Zudem stört er sich daran, dass ihm eine DNA-Probe abgenommen wurde und er das Ergebnis «erst in zwei Wochen» erhalten werde.

Der Polizei ist bewusst, dass die Untersuchungen für die betroffenen Personen unangenehm sind. «Wir achten darauf, dass wir die Personen nicht am Arbeitsplatz aufsuchen. Auch fahren wir nicht mit beschrifteten Polizeiwagen vor, und die Beamten sind in zivil gekleidet», erklärt Kurt Graf. Bei allen Verdächtigen werde auch eine DNA-Probe entnommen. Bis das Ergebnis vorliege, dauere es mehrere Tage, so Graf.

Seit der Tat sind jetzt drei Wochen verstrichen. Läuft der Polizei nicht langsam die Zeit davon? Kurt Graf bestätigt, dass die ersten Tage nach der Tat besonders wichtig sind: «Unmittelbar nach der Tat werden viele Spuren gesichert und eine Tatortanalyse gemacht.» Diese Daten seien jetzt im Polizeisystem hinterlegt. Sollte sich irgendwo in der Schweiz ein ähnlicher Fall ereignen, können die dort gewonnenen Erkenntnisse mit denjenigen in Emmen verglichen werden.

Externe Experten beigezogen

Direkt nach der brutalen Attacke hat die Polizei eine Sonderkommission gebildet, die mit der Aufklärung des Falles befasst ist. Laut Kurt Graf wurden auch externe Experten beigezogen, wie etwa vom Forensischen Institut Zürich oder Rechtsmediziner. Auch der umfangreiche Fragenkatalog, den die Luzerner Polizei letzte Woche zusammen mit der Belohnung veröffentlicht hat, wurde mit externen Stellen abgesprochen.

Am vergangenen Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es in Emmen erneut zu einem Angriff auf eine junge Frau gekommen. Aufgrund der Tatumstände kann die Polizei zurzeit keinen Zusammenhang mit der Vergewaltigung am Dammweg erkennen. «Das beschriebene Erscheinungsbild ist nicht das gleiche», sagt Kurt Graf.

Nachbarschaftswache initiiert

Auf Facebook initiierte derweil ein Emmer Bürger die Gründung einer Nachbarschaftswache. Doch nach Gesprächen mit der Polizei wurde der Eintrag bereits nach kurzer Zeit wieder gelöscht. Bei der Polizei sieht man solche Selbstaktionen «kritisch», wie Sprecher Kurt Graf sagt. Viel wichtiger sei es, die Bevölkerung zu Vorsichtsmassnahmen aufzurufen, wie etwa sich Abends nur auf beleuchteten Wegen zu bewegen oder sich mit dem Auto fahren zu lassen.

Dominik Weingartner