EMMEN: Privater setzt Kopfgeld gegen Vandalen aus

Die Fassade der Schooswaldkapelle wurde mutwillig versprayt – nicht zum ersten Mal. Einem Emmer Bürger platzt nun der Kragen.

Hugo Bischof
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«Judas» wurde auf die Schooswaldkapelle gesprayt. Die unschöne Schmiererei soll schon heute entfernt werden. (Bild Sandra Monika Ziegler)

«Judas» wurde auf die Schooswaldkapelle gesprayt. Die unschöne Schmiererei soll schon heute entfernt werden. (Bild Sandra Monika Ziegler)

Es ist ein unschöner Anblick: Die Fassade der Schooswaldkapelle im Gebiet Untere Wiese/Erlen in Emmen ist mit Sprayereien verunstaltet. Neben dem Eingangsbereich wurde mit weisser Farbe «Judas» hingeschmiert – ein im religiösen Kontext provozierendes Wort.

Die unbekannten Vandalen waren am vergangenen Wochenende am Werk. Ob die Aktion gezielt ausgeführt wurde oder ein unüberlegter Nachtbubenstreich war, ist unklar. Tatsache ist aber, dass mit der sinnlosen Schmiererei religiöse Gefühle verletzt werden.

«Es wird vor nichts Halt gemacht»

Es ist nicht der erste Vandalenakt an der etwas abgelegenen, auf einer Waldlichtung stehenden Schooswaldkapelle in den vergangenen Jahren. Das bestätigt Hermann Fries, Präsident des Kirchenrats der katholischen Kirchgemeinde Emmen: «Es ist höchst bedauerlich, dass Vandalen vor nichts mehr Halt machen, nicht einmal vor kirchlichen Einrichtungen.» Dass es eine gezielte Aktion war, glaubt Fries nicht. Er vermutet eher einen Streich: «Da haben zwei, drei vielleicht etwas zu viel getrunken, dazu kommt die Gruppendynamik, und schon ist es leider passiert.»

Der Kirchenrat entschied am Dienstagabend, die Spuren des Vandalenakts so rasch wie möglich zu beseitigen. «Wir möchten, dass Kirchenbesucher und Passanten vor dem Anblick verschont bleiben», sagt Fries. «Zudem möchten wir Nachahmer-Akte verhindern.» Geplant ist, die Sprayereien heute Vormittag zu beseitigen und die Fassade neu übermalen zu lassen. Dies dürfte rund 2000 bis 3000 Franken kosten.

Belohnung von 1000 Franken

Mit der Übermalung beauftragt wurde Beat Estermann, der in Emmenbrücke ein Malergeschäft führt. Estermann musste schon öfters die Spuren von Vandalenakten beseitigen. Er hat keine Freude daran. Im Gegenteil: «Es wäre schön, wenn es solche Sprayereien gar nicht mehr gäbe.» Im Fall Schooswaldkapelle greift er nun zu einem ungewöhnlichen Mittel: «Ich setze für Hinweise, die zur Identifizierung der Täter führen, eine Belohnung von insgesamt 1000 Franken aus», sagt Estermann. Er tue dies nicht als Maler und Geschäftsmann, sondern als Privatperson. Estermann wohnt in Emmenbrücke, nur wenige hundert Meter entfernt von der Schooswaldkapelle. Vor rund zehn Jahren stellte er eine ähnliche Belohnung in Aussicht – ohne Erfolg allerdings. Damals wurde das Riffig-Schulhaus versprayt.

«Dass Private solche Belohnungen aussetzen, geschieht nicht oft», sagt dazu Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei. «Es ist jedem selber überlassen, ob er dies tun will.» Laut Wigger gab es in Emmenbrücke letztes Wochenende einen weiteren Fall von Vandalismus. An der Alpstrasse, unweit der Schooswaldkapelle, wurde ein Auto versprayt, ebenfalls mit weisser Farbe. Ein Zusammenhang liegt nahe.

«Wir haben den Schaden an der Schooswaldkapelle unserer Versicherung gemeldet und auch die Polizei avisiert», sagt Kirchenratspräsident Fries. «Falls man die Täter findet, werden wir gegen sie Strafanzeige einreichen.»

Tiefe Aufklärungsrate

Die Anzahl Vandalismusdelikte im Kanton Luzern nahm von 2008 bis 2011 stark zu. 2008 verzeichnete die Luzerner Polizei 597 Fälle. 2011 waren es schon 1548. Seitdem stagniert die Anzahl Vandalismusdelikte auf diesem relativ hohen Niveau. 1349 Fälle waren es letztes Jahr, wie der Kriminalstatistik der Luzerner Polizei zu entnehmen ist. Davon waren 290 Fälle von Sprayereien/Graffiti. 14 Fälle von Vandalismus an religiösen Stätten gab es letztes Jahr.

Die Täter können nur selten eruiert werden. Die Aufklärungsrate der Polizei lag in den letzten Jahren lediglich zwischen 13 und 26 Prozent. Um gegen den zunehmenden Vandalismus vorzugehen, lancierte die Stadt Luzern mit dem Verband Luzerner Maler 2007 die Aktion «sprayfrei». Seit 2010 macht dabei auch die Gemeinde Emmen mit. Damit sollen Sprayereien und Schmierereien an Gebäuden möglichst rasch und kompetent entfernt werden können. Die Luzerner Maler gewähren für die Kosten einen Rabatt von 10 Prozent.

Hugo Bischof