Emmen
Real will die ARA Buholz für 60 Millionen Franken ausbauen – und damit die Gewässer besser schützen

Die Reinigungsleistung der ARA Buholz in Emmen soll mit neuen Verfahren verbessert werden. Für den Bau der Anlagen braucht es Einzonungen und Waldrodungen.

Beatrice Vogel
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Recycling Entsorgung Abwasser Luzern (Real) will die Abwasserreinigungsanlage (ARA) im Emmer Gebiet Buholz für insgesamt 60 Millionen Franken ausbauen. Wie der Verband mitteilt, soll eine zusätzliche Reinigungsstufe eingebaut werden, mit der ab 2025 Rückstände von Pestiziden und Medikamenten aus dem Abwasser entfernt werden. «Diese sogenannten Mikroverunreinigungen können bei Fischen oder Amphibien hormonelle Veränderungen bewirken und deren Fortpflanzung behindern», erklärt Martin Zumstein, Vorsitzender der Real-Geschäftsleitung.

Die Spurenstoffe werden bei der mechanischen, biologischen und chemischen Reinigung zu wenig eliminiert. In der zusätzlichen vierten Reinigungsstufe werden sie deshalb mit Aktivkohle gebunden und herausgefiltert, was zu einer unmittelbaren Verbesserung der Gewässerqualität führe. Dafür seien Investitionen von rund 30 Millionen Franken bis Ende 2024 nötig.

Blick auf die Klärbecken der ARA Buholz in Emmen.

Blick auf die Klärbecken der ARA Buholz in Emmen.

Bilder: Boris Bürgisser
(9. März 2021)

Neue Überlaufbecken und Phosphorgewinnung

Zusätzlich sollen zwei neue Regenüberlaufbecken vor der ARA gebaut werden. Denn die Kläranlage kann nur eine begrenzte Menge Abwasser aufnehmen; wenn es stark regnet und die Kapazität erreicht ist, kommt es zu einer sogenannten Entlastung. Das heisst, ein Teil des Abwassers wird ungeklärt in die Reuss geleitet - was im Schnitt 90-mal im Jahr vorkommt. Die neuen Becken können zusätzlich rund 6000 Kubikmeter Abwasser aufnehmen. Dort werden zumindest Feststoffe herausgefiltert, für den Fall, dass es danach noch eine Entlastung braucht. «Mit den neuen Überlaufbecken kann die Häufigkeit und Dauer der Entlastungen um knapp die Hälfte und die Umweltbelastung um zwei Drittel reduziert werden», sagt Zumstein. Der Bau der beiden Becken kostet rund 17 Millionen Franken, die Fertigstellung ist bis Ende 2023 geplant.

So funktioniert die Kläranlage heute

Eine Rechenanlage entfernt Feststoffe wie WC-Papier aus dem Abwasser. Das nasse Rechengut wird in einer Presse entwässert und danach in der Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt. Im anschliessenden Sandfang sinken Sand und Kies (von Strassenabrieb, Winterdienst oder Baustellen) auf den Boden und werden von dort abgepumpt. Fett und Öl sowie Schwebstoffe an der Oberfläche werden abgeschöpft. Im Vorklärbecken wird die Fliessgeschwindigkeit verlangsamt, sodass sich die Fäkalstoffe auf dem Boden des Beckens als Schlamm absetzen. Dieser wird mit einem Räumer in einen Trichter geschoben und anschliessend abgepumpt.

Bei der folgenden biologischen Reinigung werden die restlichen im Abwasser gelösten Schmutzstoffe (organische Verbindungen, Stickstoff und Phosphor) entfernt, die im Gewässer zu einer Überdüngung führen können. Dies erfolgt durch Mikroorganismen, welche die Schmutzstoffe fressen. Damit die Mikroorganismen leben können, brauchen sie sehr viel Luft, die durch den Boden der Biologiebecken eingeblasen wird. Im Nachklärbecken wird der Belebtschlamm mit den Mikroorganismen vom geklärten Wasser getrennt. Anschliessend fliesst das gereinigte Abwasser (kein Trinkwasser) in die Reuss. 

Schlamm und Gase werden verbrannt

Der entstandene Schlamm wird entwässert und in der ARA-eigenen Schlammverbrennungsanlage verbrannt. Zurück bleibt Asche, die aus anorganischem Teilen und Phosphor besteht. Aktuell wird die Asche auf der Deponie Cholwald abgelagert. Bei der Verbrennung von Klärschlamm entsteht viel Lachgas, das zur Klimaerwärmung beiträgt. Seit 2016 betreibt Real deshalb eine Nachverbrennung der Rauchgase, wodurch die Emissionen reduziert werden.

Real-Mitarbeiter Beat Theiler misst mit der Sonde den Sauerstoffgehalt.

Real-Mitarbeiter Beat Theiler misst mit der Sonde den Sauerstoffgehalt.

Ab 2026 muss zudem von Gesetzes wegen Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden. «Phosphor ist ein lebensnotwendiger, aber endlicher Rohstoff», so Zumstein. Real hat zu diesem Zweck ein eigenes Verfahren entwickelt und patentiert, bei dem Phosphorsäure aus der Klärschlammasche zurückgewonnen wird. Diese soll an Partnerbetriebe weitergegeben werden, die daraus Dünger herstellen. Für den Bau der Anlagen beträgt das Investitionsvolumen rund 16 Millionen Franken. Allerdings ist laut Zumstein noch offen, ob Real die Anlage selbst realisiert oder dafür mit anderen Verbänden zusammenarbeitet.

Rodungsbewilligung, aber wenig Waldrodung

Mit den drei Projekten will Real gesetzliche Vorgaben erfüllen und einen Beitrag an den Gewässerschutz leisten. Dafür müssen aber Landflächen in Anspruch genommen werden, die sich in der angrenzenden Waldzone befinden. «Ein Teil des Gebiets gehört bereits Real, der andere Teil der Korporation Emmen», sagt Zumstein. Für den Bau der Anlagen sind eine Einzonung in die Zone für öffentliche Zwecke, eine Rodungsbewilligung sowie Ersatzaufforstungen nötig. «Bäume werden nur in einem Teil gefällt werden müssen, da das andere Areal faktisch aus einer Wiese mit einem Teich besteht.» Trotzdem wird Wald für die gesamte Fläche in Schwarzenberg aufgeforstet, der Teich wird versetzt. Die grösstenteils unterirdischen Überlaufbecken werden überdeckt und soweit möglich begrünt.

Die Gemeinde Emmen will für das Projekt ein Teilzonenplanverfahren durchführen. Derzeit wird das Gesuch von kommunalen und kantonalen Fachstellen geprüft. Ab dem 18. März wird zudem ein öffentliches Mitwirkungsverfahren eröffnet. Die Umzonung muss schliesslich vom Einwohnerrat Emmen beschlossen und vom Luzerner Regierungsrat genehmigt werden. Martin Zumstein rechnet damit, dass 2022 das Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden kann.

Die ARA Buholz gehört zu den grössten Kläranlagen der Schweiz und klärt das Abwasser der Städte Luzern und Kriens sowie der Gemeinden Emmen, Adligenswil, Horw, Malters, Meggen und Rothenburg. Auch Udligenswil wird ab 2022 angeschlossen. In der Schlammverbrennungsanlage der ARA Buholz wird der Klärschlamm der gesamten Zentralschweiz verbrannt.