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EMMEN: Schule hat keinen Platz mehr für Religion

Der konfessionelle Unterricht findet künftig nicht mehr in den Räumlichkeiten der Volksschule statt. Dies stellt die katholische Kirche vor Herausforderungen.
Beatrice Vogel

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Die Schülerzahl in Emmen steigt seit Jahren, der Platz in den Schulhäusern wird knapp. Die Gemeinde will Schulanlagen ausbauen, doch die neuen Gebäude können nicht vor 2019 bezogen werden. Hinzu kommt, dass der Lehrplan 21 auf der Primarstufe bis zu zwei zusätzliche Lektionen vorschreibt.

«Es ist eine grosse Herausforderung, bei der begrenzten Infrastruktur den Stundenplan zu organisieren», sagt die Emmer Schuldirektorin Susanne Truttmann (SP). Deshalb hat die Schule Emmen beschlossen, dem konfessionellen Religionsunterricht ab kommendem Schuljahr keine Räumlichkeiten mehr zur Verfügung zu stellen.

Bis anhin konnte die katholische Kirche ihren Religionsunterricht zu den offiziellen Schulzeiten in Schulzimmern durchführen. Die reformierte Kirche bietet diesen schon länger in eigenen Räumlichkeiten an. Die Gemeinde habe bereits im Januar 2016 mit der katholischen Kirche Kontakt aufgenommen, damit diese genügend Zeit hatte, neue Lösungen zu suchen, erklärt Truttmann.

Eine «happige Nachricht» für die Katholiken

Dies stellte die katholische Kirche vor eine grosse Herausforderung. «Wir müssen schon seit ­einiger Zeit mit einzelnen Klassen in Pfarreiräumlichkeiten ausweichen», sagt Markus Müller, der gemeinsam mit Monika Senn die Fachstelle Religionsunterricht des Pastoralraums Emmen-Rothenburg leitet. «Es war deshalb nicht überraschend, dass die Schulen für uns keinen Platz mehr haben.» Nichtsdestotrotz sei es eine «happige Nachricht» gewesen. Denn damals war der Pastoralraum gerade in der Entstehung, es gab viele ungeklärte organisatorische Fragen. «Wir hatten auch nicht mit so einem kurzfristigen Bedarf an Unterrichtsräumen gerechnet.»

Die grösste Herausforderung sei die Einführung eines Anmeldeverfahrens, so Müller. Es gebe Eltern, die mit Unverständnis ­reagierten, dass der Religionsunterricht nicht mehr in der Schule stattfinden soll. «Bei Veränderungen sind nun mal viele Leute skeptisch.» Manche Religionslehrpersonen bangten um ihre Stellen, weil sie wenige Anmeldungen befürchteten. Doch: «Obwohl wir noch mittendrin stecken, zeichnet sich eine grosse Anmeldequote ab.»

Müller und Senn waren froh um die frühzeitige Information durch die Gemeinde und bringen Verständnis auf: «Oft ist kaum die Hälfte der Schüler in einer Klasse katholisch.» Ein Zusammenzug dieser Schüler für den Religionsunterricht werde zusätzlich erschwert durch Förderungsmassnahmen wie IF oder DAZ (Deutsch als Zweitsprache). Ein Blick in die Statistik des Schuljahrs 2014/15 zeigt: Von 2663 Emmer Schülern sind 1341 römisch-katholisch, also rund die Hälfte. Daneben gibt es an Emmer Schulen Muslime (534), Orthodoxe (206), Reformierte (158) und weitere Angehörige neun zusätzlicher Konfessionen. Konfessionslos sind 228 Schüler, die Tendenz ist laut Susanne Truttmann steigend. Das neue, konfessionsneutrale Fach Ethik/Religionen/Gemeinschaft, das gemäss Lehrplan 21 für alle Schüler obligatorisch ist, trage dieser Tendenz und der Religionsvielfalt in der Gemeinde Rechnung.

Dass der katholische Religionsunterricht nun keinen Platz mehr in der Schule hat, sei auf ein «rein logistisches Problem» zurückzuführen und ziele nicht gegen die Katholiken, sagt Truttmann weiter. «Die Volksschule kann Zeit und Räume für den konfessionellen Unterricht zur Verfügung stellen. Diese Möglichkeit besteht in Emmen wegen der Schulraumknappheit kaum mehr, das Pflichtprogramm hat Vorrang.» Sollten dereinst genügend Räumlichkeiten vorhanden sein, wäre es möglich, den Religionsunterricht wieder an den Schulen anzubieten. Truttmann glaubt, dass auch in anderen Gemeinden mit starkem Wachstum die Organisation des konfessionellen Religionsunterrichts bald thematisiert werden muss.

Unterricht erfolgt nun in den Pfarreiheimen

Die Katholische Kirche Emmen hat derweil Lösungen gefunden. So wurde die Fachstelle Religionsunterricht geschaffen, ein neues Konzept für den Unterricht ausgearbeitet und bauliche Massnahmen in den Pfarreiheimen getroffen. Künftig werden die Schüler als Lerngruppen in Pfarreiräumlichkeiten in der schulfreien Zeit unterrichtet. Markus Müller sieht das positiv: «Der Unterricht wird flexibler, freier und ein grösserer Ausgleich zum leistungsorientierten Schulunterricht.» Die katholischen Religionslehrer arbeiten weiterhin mit den Schulen zusammen, sei es bei der Mitgestaltung von Projekten oder als Ansprechperson für den regulären Unterricht.

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