EMMEN: Solidaritätsdemo für Vergewaltigungsopfer

Das Schicksal der Frau, die seit einer Vergewaltigung durch einen Unbekannten vor gut drei Wochen in Emmen gelähmt ist, bewegt weiter die Öffentlichkeit. Privatpersonen planen für den 22. August eine Solidaritätskundgebung per Velo entlang der Reuss.

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Polizei-Fahndungsaufruf nach der Vergewaltigung am Tatort beim Dammweg in Emmen. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Polizei-Fahndungsaufruf nach der Vergewaltigung am Tatort beim Dammweg in Emmen. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Die Stadt Luzern hat am Freitag ein entsprechendes Gesuch bewilligt, wie Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Verantwortlichen rechnen mit um die 100 Teilnehmern. Die Polizei wird die Veranstaltung mit Polizisten auf Velos begleiten.

Geplant ist eine Fahrt per Velo, im Rollstuhl oder ein Marsch zu Fuss vom Mühleplatz in der Stadt Luzern ab 16.30 Uhr entlang der Reuss bis zum Gebiet Reusszopf. Dort sollen ein Baum gepflanzt sowie Briefe für das Opfer und dessen Familie gesammelt werden. Als Zeichen der Solidarität führen Velofahrer weisse Bänder an ihren Zweirädern mit.

Laut der Stadt Luzern handelt es sich bei den Organisatoren um Privatpersonen. Diese wollen gemäss Mitteilung anonym bleiben. Die Kundgebung findet laut Organisatoren mit dem Einverständnis der Familie des Opfers statt.

Der Täter ist seit dem Vorfall vor dreieinhalb Wochen auf der Flucht. Die Staatsanwaltschaft setzte für Hinweise, die zur Festnahme des Täters führen, eine Belohnung von bis zu 10'000 Franken aus. Zudem bittet sie die Bevölkerung mit einem Fragekatalog um Mithilfe.

Ermittlungen dauern an

Zum mutmasslichen Täter gibt es laut Behörden nur eine vage Beschreibung. Er soll gebrochen Deutsch gesprochen haben und von heller Hautfarbe sein. Zudem ist er offenbar Raucher. Am Tatabend trug er ein T-Shirt und kurze Hosen.

Die Ermittlungen einer Sonderkommission mit rund einem Dutzend Beamten führte bislang noch zu keinem konkreten Tatverdächtigen. Festgenommen worden sei bisher niemand, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Die Polizei ging unter anderem zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung nach, überprüfte mehrere Personen und wertete DNS-Proben aus.

Am Abend des 21. Juli war eine 26-jährige Frau bei Emmen an der Reuss vom Velo gerissen und in einem nahen Waldstück vergewaltigt worden. Sie wurde mit schweren Verletzungen aufgefunden und ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil überführt. Sie ist gemäss den dortigen Ärzten querschnittgelähmt.

sda

Die Fragen der Polizei an die Öffentlichkeit

Bei der Reussbrücke in Emmen soll sich die Vergewaltigung ereignet haben. (Bild: PD)

Bei der Reussbrücke in Emmen soll sich die Vergewaltigung ereignet haben. (Bild: PD)

1. Gibt es Frauen, welche im fraglichen Gebiet (siehe rote Markierung Kartenausschnitt) verbal oder anderweitig sexuell belästigt oder sogar angegriffen worden sind und dies der Polizei noch nicht gemeldet haben?

2. Wurden Personen im fraglichen Gebiet Opfer eines anderen Deliktes (z.B. Diebstähle, Entreissdiebstähle, Raubüberfälle etc.) oder Versuchen dazu. Wurde noch keine Meldung an die Polizei gemacht?

3. Gibt es Personen, welche im fraglichen Gebiet am Dienstag 21.07.2015 zwischen 2130 und 2400 unterwegs waren und von der Polizei noch nicht kontaktiert wurden? Es wurde auch von der Polizei festgestellt, dass der Weg zu später Stunde häufig von Joggern frequentiert wird. Wurden allenfalls von Joggern sachdienliche Wahrnehmungen gemacht?

4. Gibt es Personen welche zu einem anderen Zeitpunkt, im fraglichen Gebiet, verdächtige Wahrnehmungen (z.B. männliche Personen, welche Passantinnen intensiv beobachtet haben) gemacht haben und diese der Polizei noch nicht gemeldet haben?

5. Gibt es Personen, welche vor dem Tatzeitpunkt im fraglichen Gebiet regelmässig festgestellt werden konnten und seit diesem Zeitpunkt dort nicht mehr angetroffen werden?

6. Sind Personen nach dem Tatzeitpunkt, insbesondere nach dem Bekanntwerden der schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für das Opfer durch Verhaltensänderungen oder unerklärbares, ungewohntes Verhalten aufgefallen (z. B. plötzlicher, übermässiger Alkoholkonsum, Medikamentenmissbrauch, Arbeitsplatzabsenzen, Änderung der Gemütsverfassung)?

7. Haben sich Personen mit angeblich authentischen spezifischen Informationen zur Tat/polizeilichen Ermittlung in Szene gesetzt oder sich allenfalls sogar anvertraut?

8. Sind Personen durch ein offensichtlich übersteigertes Interesse an diesem Fall aufgefallen (z.B. wurde das Thema in Diskussionen immer wieder von derselben Person aufgegriffen)?