EMMEN: Testpersonen suchen Unterschiede beim Propellerlärm

Rund 50 Personen haben gestern am Propeller-Lärmtest der PC-21-Flugzeuge der Armee teilgenommen. Eine schwierige Aufgabe.

Guy Studer
Drucken
Teilen
Rund 50 Personen nahmen gestern Nachmittag beim Lärmtest auf dem Flugplatz Emmen teil. (Bilder Nadia Schärli)

Rund 50 Personen nahmen gestern Nachmittag beim Lärmtest auf dem Flugplatz Emmen teil. (Bilder Nadia Schärli)

Soeben haben die fünf Tiger-Jets der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse unter infernalem Donnern zu einem Übungsflug abgehoben. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, geht es los. Denn gestern Nachmittag ging es nicht um die Kunstflieger, sondern um die Armee-Propellermaschine PC-21. Auf dem Gelände des Flugplatzes Emmen haben sich rund 50 Testpersonen aus der Bevölkerung eingefunden. Sie dürfen zuhören und bestimmen, welcher von drei verschiedenen PC-21-Propellern am wenigsten Lärm macht – oder anders gesagt: am wenigsten stört. Zwei Propeller sind Prototypen, die im besten Fall leiser sein sollten als der dritte, bisher verwendete (Ausgabe vom 19. März).

Auslöser: Beschwerden

Der Test ist ein Novum in der Schweiz. Auslöser sind PC-21-Flüge, deren Lärmemissionen in den letzten Jahren in der Zentralschweiz für rote Köpfe und politische Vorstösse sorgten. Dies hauptsächlich, weil die Trainingsflugzeuge – sie sind bei der Armee seit 2008 im Einsatz – viel tiefer fliegen als Düsenjets. Neue Propeller sollen nun Linderung bringen. Und weil das menschliche Gehör komplexer ist als normale Lärmmessmethoden, hat die Armee den gestrigen Test initiiert.

Die Journalisten sollen den Ablauf nicht stören und werden rund 350 Meter vom Geschehen entfernt auf einer Anhöhe platziert. Die drei PC-21 fliegen in abwechselnder Reihenfolge verschiedene Figuren. Beim Looping einigen sich die Journalisten auf den zweiten Flieger, der für das Ohr am erträglichsten schien. Ebenso einig ist man sich aber auch, dass die Testpersonen eine schwierige Aufgabe haben. Diese müssen auf Skalen von 1 bis 10 beispielsweise angeben, wo die hohen Töne stärker überwiegen.

Nach rund 90 Minuten ist der Test vorbei. Testleiter Beat Schäffer von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) ist zufrieden. «Die Bedingungen waren gut, wir hatten nicht zu viel Wind und es war nicht zu heiss.»

Bei den Teilnehmern schätzt man die Testgelegenheit: «Ich wohne in Emmen und unterstütze den Flugplatz und die Schweizer Armee», sagt Claudia Troxler, die an der Seetalstrasse lebt und sich mehr am Strassen- als am Fluglärm stört. Mitgemacht hat die 51-Jährige aus Neugierde. «Man hat schon Unterschiede gehört, konnte aber nicht drei verschiedene Propeller auseinanderhalten.»

Nicht anders ist es Prisca Birrer-Heimo ergangen. Die Luzerner SP-Nationalrätin aus Rothenburg ist im Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen und hat wegen des PC-21-Lärms auch Vorstösse ins Parlament gebracht. Auch sie hat nur kleine Unterschiede ausgemacht. Wichtig ist für sie, dass die Fluglärm-Diskussion überhaupt geführt wird. «Diese hat sich in den letzten Jahren verbessert», so Birrer-Heimo.

Dem pflichtet Tester Willi Brun, ehemaliger Emmer CVP-Einwohnerrat, bei. «Vor 20 Jahren wäre ein solcher Test undenkbar gewesen.» Er hat damals eine Interpellation eingereicht wegen des Fluglärms, «dafür wurde ich teils angefeindet. Ich bin schwer davon überzeugt, dass Ter test etwas bringen wird.» So habe er auch teils deutliche Unterschiede ausgemacht.

Erkennen Sie Unterschiede zwischen den drei Looping-Hörproben? Testen Sie selber