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EMMEN: «Udo Jürgens war ein Teil meines Lebens»

Seit 40 Jahren ist Heinz Schürmann Fan von Udo Jürgens. Das letzte Konzert des verstorbenen Entertainers hat er in spezieller Erinnerung.
Sandra Monika Ziegler
Heinz Schürmann an seinem Klavier. In den Händen hält er ein Poster mit einer Fotografie von Udo Jürgens, die er selber bei Jürgens’ Konzert 2004 in Sursee gemacht hatte. Der Sänger signierte das Poster später. (Bild Philipp Schmidli)

Heinz Schürmann an seinem Klavier. In den Händen hält er ein Poster mit einer Fotografie von Udo Jürgens, die er selber bei Jürgens’ Konzert 2004 in Sursee gemacht hatte. Der Sänger signierte das Poster später. (Bild Philipp Schmidli)

Eigentlich per Zufall kam Heinz Schürmann (62) auf den Künstler Udo Jürgens: «Ein Freund und ich gingen vor über 40 Jahren nach Engelberg in ein Dancing. Dort spielte eine Band auf, deren Namen ich nicht mal mehr weiss. Doch ein Song, den sie spielten, hat mich völlig elektrisiert.» Das Lied hiess «Immer wieder geht die Sonne auf». Die Melodie ging Schürmann nicht mehr aus dem Ohr. Deshalb habe er sich am nächsten Tag die Noten in einem Musikgeschäft gekauft. Schürmann: «Das war der ultimative Anfang. Seither ist Udo Teil meines Lebens.»

Als Fotograf hautnah am Künstler

Schürmann ist Sekundarlehrer von Beruf, hält mechanische Uhren funktionstüchtig und fotografiert mit Leidenschaft. «Mein Vater war Berufsfotograf, da war Fotografieren an der Tagesordnung.» Doch nicht nur die Fotografie ‹erbte› er vom Vater, auch das Klavierspielen. Bereits im Alter von zehn Jahren setzte er sich begeistert an das Klavier der Marke Rohrdorf, Jahrgang 1905. Eine Familientradition, denn bereits seine Grossmutter und sein Vater hätten darauf gespielt. Und an Weihnachten geben Schürmann senior und Schürmann junior der Familie jeweils den Vier­händer «Petersburger Schlittenfahrt» von Richard Eilenberg zum Besten.

«Früher kam man nahe ran»

Musik ist sein Leben, zur Erholung spielt er Klavier. Warum wurde Schürmann nicht Musiker? «Das stand gar nie zur Diskussion. Ich liebe den Lehrerberuf. Musik ist eines meiner Hobbys.» Die beiden Begabungen, Fotografie und Klavierspiel, brachten Heinz Schürmann noch näher an Udo Jürgens. Denn früher, so Schürmann, kam man als Fotograf ganz nahe ran an den Künstler, da gab es noch keinen Sicherheitsabstand. «Heute wäre solch eine Nähe undenkbar.»

1974 besuchte und fotografierte er im Zürcher «Mascotte» und im Berner «Babalu» Konzerte des Entertainers. «Da entstanden meine ersten Schwarz-Weiss-Bilder.» Heute verfügt er über Hunderte von Udo-Jürgens-Bildern, in Ordnern im Büchergestell und auf dem Computer. Jürgens findet auch den Weg in Schürmanns Schulzimmer. Denn auch dort steht ein Klavier. Und wenn immer möglich wird dort ein Song angestimmt und gesungen. Seine Begeisterung hat offensichtlich auf die Schülerschaft abgefärbt. «Noch am gleichen Abend, als Udo starb, bekam ich von der Klasse ein Mail. Die Schülerinnen und Schüler sprachen mir ihr Beileid aus und wünschten mir Kraft», erzählt Schürmann sichtlich gerührt. Auch hätten ihm die Schüler geholfen, ein Ticket für Udo Jürgens’ letztes Konzert zu ergattern. Denn er sei erstmals in seinem Leben zu spät dran gewesen und hätte keines mehr bekommen. Er sei am Boden zerstört gewesen. Doch da halfen ihm die Schüler übers Internet.

Ungewöhnlicher letzter Auftritt

Schürmann hält inne und zeigt sein letztes Bild: «Das war am Konzert vom 7. Dezember im Zürcher Hallenstadion, unvergesslich und leider auch der letzte Auftritt.» An diesem Konzert sei er auch ganz ungewohnt nach der legendären Bademantelzugabe nochmals auf die Bühne gekommen. «Leger in Jeans, Hemd und Nike-Turnschuhen», wie Schürmann betont. Das habe er bisher noch nie erlebt.

Eine Familienangelegenheit

Udo Jürgens ist bei Schürmanns eine Familienangelegenheit. Heinz Schürmanns Frau Pia teilt seine Begeisterung, ging jedoch nie mit ihm an ein Konzert: «Das war eine Leidenschaft, die ich ihn gerne allein geniessen liess.» Sohn Reto (27) war einmal mit dabei. «Er respektiert meine Leidenschaft und nimmt auch Anteil. Doch musikalisch ist er in anderen Gefilden zu Hause.» En famille oder auch im Duett mit Tochter Maya werden schon mal Udo-Jürgens-Lieder gesungen, und Heinz Schürmann begleitet am Piano. «Früher wurde ich oft belächelt, wenn ich mich als Fan outete», erinnert sich Schürmann. Das habe sich mit der Zeit jedoch gelegt. Und heute, nach Udos Tod, würden viele die wahren Fähigkeiten dieses Ausnahmekönners ebenfalls erkennen und schätzen, ist sich Schürmann sicher. Die Melodien gehen ins Ohr, die Texte sind sozialkritisch. Schürmann hat fast jeden Schritt des Künstlers verfolgt. Die musikalischen Veränderungen genauso wie die Beziehungen, die er einging oder auflöste. Dass Udo Jürgens den Song «Liebe ohne Leiden» seiner Tochter Jenny widmete, beeindruckte Heinz Schürmann. Unlängst hat er selber zur Melodie von «Merci, Chérie» einen persönlichen Text für seine Tochter Maya auf den 25. Geburtstag geschrieben.

Sandra Monika Ziegler

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