Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EMMEN: Veganer haben bald ausgegessen

Wenn «Le Théâtre» ins Zentrum Gersag einzieht, wird auch das Konzept des Restaurants umgekrempelt – obwohl es heute beliebt ist.
Beatrice Vogel
Im Zentrum Gersag kann bald nicht mehr vegan gegessen werden. (Symbolbild Neue LZ)

Im Zentrum Gersag kann bald nicht mehr vegan gegessen werden. (Symbolbild Neue LZ)

Beatrice Vogel

Im April 2014 hat das «Gersag» in Emmen als erstes Restaurant der Zentralschweiz auf eine vegane Küche umgestellt. In nur zwei Jahren hat es sich damit einen Namen gemacht. Und egal, mit wem man spricht, überall heisst es: Das Restaurant läuft, das Angebot kommt an.

Nun steht im Zentrum Gersag eine Veränderung an: Voraussichtlich ab Herbst 2017 wird es vom bisher in Kriens ansässigen Musical- und Eventhaus Le Théâtre übernommen (Ausgabe vom 13. April). Zum Zentrum gehört auch das Restaurant. Für Le Théâtre war insbesondere die Kücheninfrastruktur ein wichtiger Punkt, der für das Gersag sprach. Denn am heutigen Standort sind wegen der kleinen Küche kaum gastronomische Höhenflüge möglich. «In Emmen werden wir das Angebot aus der Küche ausbauen können», erklärt Andréas Härry, Co-Leiter Le Théâtre.

Breiteres Spektrum gefragt

Allerdings: Für die Le-Théâtre-Leitung ist bereits klar, dass das vegane Konzept des Restaurants Gersag nicht eins zu eins übernommen werden kann. «Für unser Theaterpublikum müssen wir ein breiteres Spektrum an Speisen anbieten», sagt Härry. «Das ‹Gersag› muss ein Restaurant für alle sein.» Dazu gehöre eine ausgewogene Menükarte mit gutbürgerlichen, vegetarischen, aber auch veganen Gerichten. «Unsere Philosophie der Offenheit wollen wir in allen Bereichen konsequent durchziehen: offenes Haus – offene Kulinarik», so Härry.

«Wir wollen die vegane Vorgeschichte des ‹Gersags› nicht negieren», hält Härry fest, der selbst vegetarisch aufgewachsen ist. «Aber wir wollen auch keine Religion daraus machen.» Ob deswegen vom heutigen «Gersag»-Personal jemand bleibt, etwa der Küchenchef, sei noch völlig offen. Härry sagt lediglich: «Wir sehen den Erfolg des ‹Gersags› und wollen dessen Kompetenzen beibehalten.»

Neues Restaurant?

Für den heutigen Geschäftsführer des Zentrums Gersag, Rolf Kälin, ist klar, dass er das Gersag verlassen wird. «Es ist aber gut möglich, dass ich an einem anderen Ort ein veganes Restaurant eröffne, da wir sehr gute Erfahrungen damit machen», sagt Kälin. «Luzern hat noch genug Platz für vegane Küche.»

Dass ein veganes oder vegetarisches Restaurant eine Gratwanderung bedeuten kann, weiss auch Reto Frei, Mitgründer und Leiter Product Services der vegetarischen Restaurants Tibits. «Bei vielen Fleischessern lösen vegetarische Restaurants noch Skepsis aus», sagt er. «Gleichzeitig kann ein Restaurant von Vegetariern allein nicht leben.» Aus diesem Grund stehe beim «Tibits» der Genuss im Vordergrund, das Vegetarische und Vegane stehe an zweiter Stelle, so Frei, der selber Vegetarier ist.

Restaurants geben sich mehr Mühe

Was die fleischlose Nische betrifft, sei zu beobachten, dass der Markt wachse und vermehrt Grossverteiler auf den Zug aufspringen, sagt Frei. «Das macht es für Restaurants einfacher, da die Nachfrage und das Bewusstsein für vegetarisches Essen wachsen, gleichzeitig gibt es dadurch mehr Konkurrenz.» Zudem stelle er fest, dass Restaurants, die nicht darauf spezialisiert sind, sich mehr Mühe geben mit den vegetarischen Gerichten.

Seit einem halben Jahr gibt es im Bahnhof Luzern eine «Tibits»-Filiale (Ausgabe vom 29. Oktober 2015). «Wir sind sehr zufrieden und herzlich in Luzern aufgenommen worden», sagt Frei. Bislang ist es das einzige rein vegetarische Restaurant in der Stadt Luzern. Frei hofft, andere Gastronomen zu animieren, vermehrt auf Fleischloses zu setzen.

Trotzdem zeigen Zahlen des Gastronomieverbandes Gastrosuisse, dass zwar fast die Hälfte der Restaurants mindestens ein vegetarisches Hauptgericht anbieten, aber lediglich 17,9 Prozent drei oder mehr rein vegetarische Gerichte auf der Karte führen. Laut Patrick Grinschgl, Präsident Gastro-Region Luzern, sind vegetarische Gerichte in Luzerner Restaurants längst Standard. Es sei aber eine betriebswirtschaftliche Frage, ob ein rein vegetarisches Restaurant bestehen könne. «Wenn ein Konzept gut ist, setzt es sich durch», so Grinschgl. Ob die Nachfrage steige, könne er nicht sagen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.