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EMMEN: Vergangenheit kunstvoll verarbeitet: Asylsuchende stellen Kunstprojekt in Silo aus

Um ihre Flucht zu verarbeiten, hat eine Gruppe von Asylsuchenden in den vergangenen Monaten aussagekräftige Kunstwerke erschaffen. Jetzt ist die Bevölkerung zur Besichtigung eingeladen.
Chiara Stäheli
Drei Afghanen haben aus Eisen ein Kunstobjekt in Form eines Schlauchboots gestaltet. (Bild: Dominik Wunderli (Emmen, 21. September 2017))

Drei Afghanen haben aus Eisen ein Kunstobjekt in Form eines Schlauchboots gestaltet. (Bild: Dominik Wunderli (Emmen, 21. September 2017))

Eine alte Scheune in Emmen ist derzeit Atelier, Werkraum und Küche in einem: Seit Mitte Juli dieses Jahres feilen im Kunstsilo 15 Asylsuchende aus verschiedenen Luzerner Gemeinden an ihren eigenen Kunstwerken. Diese erzählen von den Erlebnissen, Wünschen und Ängsten der Asylsuchenden. Initiiert wurde das Projekt von Lothar Steinke. «Die Leute schätzen die Arbeit, sie bietet ihnen die Möglichkeit, sich mit dem eigenen Schicksal zu versöhnen», sagt er.

Für dieses Projekt hat sich der Schulpsychologe aus Rothenburg eine mehrmonatige Auszeit genommen. Die alte Scheune, in der die Künstler ihre Werke erarbeiten, ist ein Gemeinschaftsatelier, an dessen Miete sich auch Lothar Steinke beteiligt. Finanziert wurde das ganze Projekt durch Spendengelder.

Flüchtlinge gestalten metallenes Schlauchboot

Die Asylsuchenden stammen aus Sri Lanka, Eritrea und Afghanistan. Sie alle warten derzeit auf den Bescheid der Behörden, ob sie in der Schweiz bleiben können oder das Land verlassen müssen. Drei Männer aus Afghanistan haben aus Metall ein Schlauchboot zusammengeschweisst. Einer von ihnen ist Jamshid, der zurzeit in Büron wohnt. Er erklärt, wie es zu ihrem gemeinsamen Projekt gekommen ist: «Meine Familie und ich sind mit einem Schlauchboot, das nur etwa sechs Meter lang und zwei Meter breit war, von der Türkei nach Griechenland gefahren. Im Boot waren 55 Personen, und jede davon musste 1500 Dollar bezahlen, um mitfahren zu können.» Ähnlich hat sich die Flucht auch bei seinen beiden Kollegen zugetragen, wie die beiden vor Ort erzählen. Diese Erfahrung prägte die Geflüchteten – beim Kunstprojekt beschäftigen sie sich deshalb mit diesem schwierigen Teil ihrer Vergangenheit.

Während die einen fleissig an ihren Objekten arbeiten, ist der Koch mit der Zubereitung des Mittagessens beschäftigt. Der Afghane Abdul verköstigt das Team täglich. Über das Menü sagt er: «Ich koche häufig afghanisch und passe das dann so an, dass es alle gerne haben. Ich bin froh, etwas Sinnvolles tun zu können.» Auch Abdul wartet bereits seit mehr als einem Jahr auf den Entscheid zu seinem Asylgesuch und beklagt sich über die Ungewissheit: «Ich warte auf das zweite Gespräch mit den Behörden. Alles dauert so lange. Ich kann diese Zeit nicht richtig nutzen, solange ich keine Aufenthaltsbewilligung habe.» Eine Landsfrau von Abdul unterstützt den Afghanen bei der Vorbereitung des Mittagessens. Sie nutzt den Steinofen, um frisches Brot zu backen. Gekonnt verarbeitet sie die Teigstücke zu schmackhaften Brotfladen.

Lothar Steinke erwähnt, dass das Bedürfnis nach Arbeit bei einem Grossteil der Leute sehr hoch sei. So erzählt beispielsweise Jamshid: «Ich bin schon seit mehr als eineinhalb Jahren hier und warte auf den Bescheid. Ohne dieses Projekt weiss ich nicht, was ich tun soll. Ich würde jede Arbeit gerne machen, Hauptsache, ich kann arbeiten.» Diese Aussage höre er oft, sagt Steinke. Da von den Behörden jedoch nur limitierte, befristete Arbeitsplätze geschaffen würden, müssten diese unter allen Asylsuchenden aufgeteilt werden. So könnten nur wenige wirklich arbeiten – und auch der Platz für sein Projekt sei leider beschränkt.

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Die Ausstellung startet morgen um 16 Uhr und kann bis am 8. Oktober täglich von 9 bis 21 Uhr besucht werden.

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