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EMMEN: Viscosistadt will Lärm draussen halten

Der Bebauungsplan für das riesige Areal an der Kleinen Emme steht vor dem Abschluss. Die Industrie wird hier nicht mehr im Zentrum stehen.
Simon Bordier
Im Bild: Das neue Zuhause der HSLU – Design und Kunst. Im Sommer 2016 zieht mehr als die Hälfte in die Viscosistadt. (Bild: Hochschule Luzern)

Im Bild: Das neue Zuhause der HSLU – Design und Kunst. Im Sommer 2016 zieht mehr als die Hälfte in die Viscosistadt. (Bild: Hochschule Luzern)

Simon Bordier

In der Viscosistadt türmen sich Industriebauten, Lagerhallen ziehen sich in die Länge, und die Strassen sind duster. Als Passant kommt man sich ziemlich klein vor. In den kommenden Jahrzehnten soll aus dem Industriegelände des Fadenherstellers Mono­suisse (Nachfolgerin der Viscosuisse) ein freundlicher Ort werden: Auf dem Emmer Areal, das etwa so gross wie die Luzerner Altstadt ist, entsteht ein urbanes Quartier mit Wohnungen, Bistros, Büros, grünen Höfen und Gassen. Seinen industriellen Charakter soll es jedoch beibehalten.

Kanton muss noch Ja sagen

Die dafür nötigen städtebaulichen Grundlagen stehen nun vor dem Abschluss. Konkret geht es um den Bebauungsplan, die dazugehörigen Sonderbauvorschriften und die Teilrevision des Zonenplans und des Bau- und Zonenreglements. Das Emmer Gemeindeparlament befasste sich bereits 2014 damit und hat nun letzten März in zweiter Lesung grünes Licht gegeben. Während der öffentlichen Planauflage im Jahr 2014 sind zudem vier Einsprachen eingegangen, die aber gemäss Elmar Ernst, stellvertretender Geschäftsführer der Viscosistadt AG, wieder zurückgezogen oder gütlich beigelegt wurden. Nun müssen die Pläne vom Kanton bewilligt werden. «Wir rechnen mit einem Entscheid des Luzerner Regierungsrats bis Ende Jahr», sagt Ernst.

Zahlreiche Lärmquellen um Areal

Die Viscosistadt könnte dereinst Platz für bis zu 1000 neue Wohnungen und 1500 Arbeitsplätze bieten. Die Anordnung der Wohn-, Dienstleistungs- und Industrieeinheiten will wohl durchdacht sein. Denn rund um das Areal gibt es zahlreiche Lärmquellen: im Osten die viel befahrene Gerliswilstrasse, im Norden Gleisanlagen, im Westen die Swiss Steel AG und südlich das Kino Maxx.

Die Gebäude am Rand der Viscosi­stadt sollen daher als eine Art Lärmriegel dienen: Sie sind tendenziell höher als die Gebäude im Arealinnern und sind lediglich für gewerbliche Nutzung geeignet. «Wohnungen sind im Innern der Viscosistadt vorgesehen, wo sie vom Lärm abgeschirmt sind», erklärt Ernst.

Ein Teil des Areals wird noch heute vom Fadenhersteller Monosuisse AG genutzt (siehe Karte). Wie die für die Überbauung zuständige Viscosistadt AG gehört auch die Monosuisse AG zur Ostschweizer Sefar Holding AG. «Es ist nicht geplant, die Monosuisse-Anlage an einen anderen Ort zu verlegen», erklärt Ernst. Die Industrieproduktion bleibe ein fester Bestandteil der Viscosistadt. Dabei muss auch der Verkehr im Innern des Areals neu geregelt werden (siehe Box).

Neben der Monosuisse AG befinden sich weitläufige Fabrikhallen mit markanten Sheddächern. Ein Teil der Gebäude wird heute durch den Flockenhersteller Swissflock genutzt, in einem anderen hat sich die Kulturplattform Akku Emmen eingerichtet. Mittelfristig soll ein Grossteil abgerissen werden. «Rund ein Fünftel der Shedhallen wird bestehen bleiben», erklärt Ernst. Daneben könnte «ab zirka 2025» mit dem Bau eines neuen Gebäudekomplexes mit Wohnanteil begonnen werden.

Neue Kantine ab 2017

Bereits diesen Herbst zieht ein Teil des Departements Design und Kunst der Hochschule Luzern mit rund 110 Mitarbeitern und über 300 Studierenden in die Viscosistadt. Sie beziehen in diesen Tagen den Bau 745, der für 25 Millionen Franken umgebaut und renoviert wurde. Auch die neue Parkanlage zwischen der Hochschule und der Kleinen Emme soll diesen Herbst von der Vis­cosistadt AG an die Gemeinde übergeben und damit öffentlich zugänglich werden.

Im ersten Halbjahr 2017 steht zudem die Eröffnung einer öffentlichen Kantine an: Sie kommt im Gebäude des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) an der Gerliswilstrasse 17 unter. Dort gibt es im Untergeschoss schon heute eine grosse, gut ausgestattete Küche. Diese werde zurzeit für Gastrokurse genutzt und müsse nun den neuen Bedürfnissen angepasst werden, so Elmar Ernst.

Zwei Hochhäuser vorgesehen

Bei dem Gebäude handelt es sich um das erste Hochhaus der Gemeinde. Es ist wie andere Gebäude entlang der Gerliswilstrasse denkmalgeschützt. Diese Bauten werden bereits gewerblich genutzt und sollen bestehen bleiben. «Von aussen betrachtet wird sich die Viscosistadt nicht gross verändern», meint Ernst.

Die markantesten Veränderungen stehen im nördlichen Gebiet an der Emmenweidstrasse an. Dort befinden sich heute ein Kiesparkplatz, ein Ökihof und einzelne Baracken. Langfristig sind dort zwei Hochhäuser mit einer Maximalhöhe von 32 Metern sowie ein Gebäudekomplex mit Wohnanteil geplant. Die südliche Emmenweidstrasse heisst übrigens neu Webereistrasse.

Gibts einen Dienstleistungsbetrieb?

Zu den langfristigen Projekten gehört auch die geplante Überbauung im südlichen Gebiet beim Kino Maxx. Vom grossen, verschachtelten Industriebau, der heute dort steht, bleibt lediglich der denkmalgeschützte Eckbau bei der Einfahrt definitiv erhalten. Die anderen Gebäudeteile könnten einer Neuüberbauung mit Innenhof weichen. Vorerst hat die Viscosistadt AG mit dem Industriebau aber anderes vor: «Das Gebäude steht teilweise leer, würde sich aber beispielsweise für Dienstleistungsbetriebe eignen», erklärt Ernst. Man führe zurzeit Gespräche mit möglichen Interessenten.

Fahrtenzähler bei der Ausfahrt

In der Viscosistadt werden sich Fussgänger, Velofahrer, Autos und Schwertransporter kreuzen. Die Monosuisse AG hat zwar eine separate Zufahrt bei der Gerliswilstrasse bauen lassen. Elmar Ernst rechnet aber damit, dass «zwei bis drei Lastwagen pro Tag das Gelände befahren werden», um die Monosuisse an Rampen am anderen Ende des Gebäudes zu bedienen. Zudem hat Swissflock seine Anlieferung gleich gegenüber der Hochschule. Die Lastwagen benutzen die Zufahrt an der Gerliswil-strasse und verlassen das Gelände über die Webereistrasse.

600 bis 700 Parkplätze

Auf dem Areal gibt es zurzeit 600 bis 700 Firmenparkplätze. «Parkplatzbenutzer benutzen die Ein- und Ausfahrt an der Gerliswilstrasse», erklärt Ernst. Anders verhält es sich mit den Besuchern des Ökihofs: «Sie fahren wie schon heute über die Ein- und Ausfahrt an der Webereistrasse.»
Auf dem Areal gilt Tempo 20. «Die Verkehrsteilnehmer sind dazu angehalten, aufeinander Rücksicht zu nehmen», betont Ernst. Gemäss Vorgaben des Kantons dürfen in den Abendspitzenstunden maximal 196 Fahrzeuge pro Stunde auf der Gerliswilstrasse ein- und ausfahren. Dies soll künftig mit einem Fahrtenzähler kontrolliert werden. «Momentan ist die Fahrtenbegrenzung für uns kein Problem», sagt Ernst. Solange die verschiedenen Bauprojekte nicht realisiert seien, werde der motorisierte Verkehr nicht stark zunehmen. Sollte man die Grenze eines Tages aber nicht einhalten können, müsse man Massnahmen ergreifen. «Möglich wäre etwa eine Dosierung mittels Ampeln bei Ein- und Ausfahrt.»

Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

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