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EMMEN: Vom Gemeindehaus zum Verwaltungsblock

Früher tagte der Gemeinderat in einem «lichtdurchfluteten» Raum. Gemäss dem Chronisten gab des dort wenig zu lachen.
Bis 1969 war die Gemeindeverwaltung an der Gerliswilstrasse 87. (Archivbild Neue LZ)

Bis 1969 war die Gemeindeverwaltung an der Gerliswilstrasse 87. (Archivbild Neue LZ)

Das alte Bild stammt aus dem Jahre 1993. Das Gebäude an der Gerliswil- strasse 87 machte damals einen ziemlich verlotterten Eindruck. Die Buchstabenspuren «Gemeindehaus Emmen» über der Fensterreihe im ersten Stockwerk machen indes deutlich, dass es schon bessere Zeiten gesehen hat. Denn dort war der grössere Teil der Emmer Gemeindeverwaltung beheimatet.

Lichtdurchfluteter Ratssaal

Zum Baujahr finden sich in den historischen Quellen widersprüchliche Angaben. Mit Sicherheit stand das Gemeindehaus bereits 1900, denn in diesem Jahr richtete die Feuerwehr ihre «Requisitenräume» im Erdgeschoss ein. In den Stockwerken darüber muss eine gedämpft-feierliche Atmosphäre geherrscht haben. «In einem lichten Sitzungssaal versammelt sich hier allwöchentlich, je Donnerstag Vormittag, der fünfgliedrige Gemeinderat zu ernster Beratung», schrieb Emil Weibel 1950 nicht frei von Pathos in seinem aufschlussreichen Buch «Gemeinde Emmen». Ihm ist auch zu entnehmen, dass 1949 die aufstrebende Industriegemeinde 1,5 Millionen Franken «Polizeisteuern» einnahm.

Offenes Ohr für Bürgeranliegen

Weibel: «Alle die vielen Franken wandern durch zahlreiche Kanäle hinaus zum Wohl der Gemeinde.» Emmen zählte damals rund 10 000 Einwohner, heute sind es dreimal so viel. Der spätere Gemeindeammann Hermann Kündig (82) hatte seinen Arbeitsplatz 16 Jahre lang im alten Gemeindehaus. Zuerst als Gehilfe von Gemeinde­ammann-Adjunkt Anton Rüttimann, später als dessen Nachfolger. «Mich verbinden angenehme Erinnerungen mit diesem Haus. Als Emmen immer schneller zu wachsen begann, wurde es freilich bald einmal zu eng dort. Obwohl es in der Nähe noch ein zweites Verwaltungsgebäude gab», sagt Kündig.

Das prägendste Erlebnis in seiner Zeit an der Gerliswilstrasse 87 war für Kündig indes nicht das Gebäude, sondern sein erster Vorgesetzter Rüttimann. «Er hatte für alle Bürgerinnen und Bürger ein offenes Ohr. Er erschien bereits um 4 Uhr in der Früh im Büro, damit er sich später Zeit für die Leute nehmen konnte», erinnert sich Kündig.

Als er von 1987 bis 1994 selber für die FDP Gemeindeammann war, gingen an der Gerliswilstrasse schon längst keine Gemeindeangestellten mehr ein und aus. 1969 stimmten die Emmer nach einem heftigen Abstimmungskampf dem Bau einer neuen Verwaltung im Gersag zu. Die für 14 Millionen Franken errichtete Anlage mit Verwaltungshochhaus und Saal sowie Kunstgalerie und Restaurant galt damals als wegweisend. Sie war Ausdruck des Selbstverständnisses einer reichen Industriegemeinde.

Blaues Gesundheitszentrum

Später zog auch die Feuerwehr aus dem alten Gemeindehaus aus, vorübergehend diente es als Jugendtreff. Danach investierten Private in das Gebäude und bauten es zu einem «Gesundheitszentrum» um. Der Mief einer verlassenen Kanzlei ist schon äusserlich durch den auffallenden blauen Farbanstrich gewichen. Es heisst heute «s Blaue Huus» und ist ein Gesundheitszentrum für Alternativmedizin und Traditionelle Chinesische Medizin. Ebenfalls dort untergebracht ist die Caramel Bar.

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Heute hat sie ihren Sitz im Turm an der Rüeggisingerstrasse 22. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

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